Museum und Kulturstätte möglich / Christdemokraten skeptisch: Die Fläche ist kontaminiert

SPD: Gemeinde soll RBS-Areal kaufen

Herzstück der Anlage: die funktionstüchtige Drehscheibe vor dem ehemaligen Lokschuppen.
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Herzstück der Anlage: die funktionstüchtige Drehscheibe vor dem ehemaligen Lokschuppen.

Weyhe – Das Gewerbegelände ist fast 80 000 Quadratmeter groß, liegt an der Eisenbahnstrecke Bremen-Osnabrück und soll verkauft werden. Es handelt sich um die Fläche, auf der die Firma RBS im vergangenen Jahr noch Kesselwagen gereinigt und repariert hatte. Der Preis sei auf Anfrage, heißt es in einer Anzeige bei Immobilienscout24.de. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens, das für den Verkauf zuständig ist, mochte aber auf Nachfrage dieser Zeitung zur Höhe des Kaufpreises keine Angaben machen.

  • Seit Monaten ruht in Kirchweyhe der Betrieb der Firma RBS.
  • Ein Maklerunternehmen soll das 80000 Quadratmeter große Gelände verkaufen.
  • Die SPD schlägt der Gemeinde Weyhe vor, einen Ankauf zu prüfen. Die CDU begründet, weshalb sie von einem Ankauf abrät.

Die Chance, das Gelände zu erwerben, sollte die Gemeinde zumindest prüfen, schlägt die SPD vor.

Zum Grundstück gehört zum Beispiel die Lokhalle mit einer Fläche von 1 900 Quadratmetern sowie eine Werkstatt auf einer Fläche von 250 Quadratmetern sowie Büro-, Lager- und Sozialräume auf einer Fläche von 420 Quadratmetern. Das Gelände verfügt außerdem über einen Gleisanschluss an das Schienennetz der Deutschen Bahn. Außerdem verzweigen sich auf dem Gelände die Gleise. Neben einigen Weichen bildet eine Drehscheibe das Herzstück der Anlage. Wie das zuständige Gewerbeaufsichtsamt auf Anfrage mitteilt, ruht der Betrieb rechtlich. Es bestehe weiterhin eine Genehmigung für die Kesselwagenreinigung von rund 2 000 Produkten. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der auf dem Werksgelände über viele Jahre als Elektriker tätig war, sagt, dass dieses Areal mehr als 100 Jahre Bahngeschichte auf dem Buckel hat. Dort standen mit Kohle und Öl betriebene Dampfloks, und da wurde auf den Umweltschutz nicht so penibel geachtet, wie heute, mahnt er zur Vorsicht.

SPD sieht Entwicklungsmöglichkeiten

Die Sozialdemokraten glauben, dass das Gelände über eine Reihe von Entwicklungsmöglichkeiten verfüge. „Insbesondere die Eisenbahnanlage mit funktionsfähiger Drehscheibe, Lokschuppen und Nebengebäude haben eine besondere historische Bedeutung für die Gemeinde“, heißt es in dem Antrag. Daneben gibt es ausreichende Flächen für weitere Gestaltungsmöglichkeiten. „Wir bitten die Verwaltung um eine Prüfung, ob über einen Erwerb des RBS-Geländes durch die Gemeinde das Gebiet zu einem attraktiven Bereich mit verschiedenen Angeboten für die Weyher entwickelt werden könnte“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Rainer Zottmann. Eisenbahnhistorische und kulturelle Elemente sollten dabei berücksichtigt werden.

FDP schließt Bebauung mit 200 oder mehr Wohneinheiten aus

Eine Bebauung mit 200 oder mehr Wohneinheiten, wie es sich so mancher Investor möglicherweise wünscht, schließt Antje Sengstake, Fraktionsvorsitzende der FDP, aus, weil der Richtweg den zusätzlichen Verkehr nicht mehr verkraften könne. Die Infrastruktur müsse nachziehen, das könne sich die Gemeinde nicht erlauben. Sengstake sieht aber einem möglichen Ankauf der Gemeinde positiv entgegen. Sie könnte sich eine Mischnutzung des Areals vorstellen: Man könnte Start-up-Unternehmen ansiedeln, aber auch für die Kultur, Freizeit (Minigolf, BMX-Strecke, Draisinenstrecke) etwas tun. Die Natur könnte mit einem Baumwipfelpfad oder Hochseilgarten aufgewertet werden. Die Halle könnte zu einem Veranstaltungszentrum für die Jugend werden.

SPD kann sich ein interaktives Museum vorstellen

Auch die SPD hat viele Ideen: Als Nutzung bieten sich verschiedene Möglichkeiten an: ein interaktives Museum, einen Zwischenstopp für historische Züge sowie eine Geschichts- und Kulturwerkstatt, eine Bühne für Kleinkunst, Konzerte, Ausstellungen und eine Disco, schlägt Zottmann vor.

Grüne: Preisvorstellung für die Gemeinde „nicht zu stemmen“

„Die Gemeinde ist mit dem Verkäufer des Grundstücks schon länger in Gesprächen“, so Annika Bruck, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Bisher hätte es aber von der Verwaltung laut Bruck keinen Vorschlag gegeben, „diese so zentral gelegene Fläche anzukaufen. Wir gehen angesichts der angespannten Finanzsituation der Gemeinde davon aus, dass die Preisvorstellung für die Fläche nicht zu stemmen ist, zumal sicherlich noch große Summen für eine Sanierung des Geländes hinzukämen.“

CDU: Fläche ist „mit Schadstoffen kontaminiert“

Die CDU zeigt sich skeptisch: „Das Gelände befindet sich im Eigentum der Eckelmann Gruppe.“ Es geht um eine Fläche von acht Hektar, „die mit Schadstoffen kontaminiert ist“, sagt Dietrich Struthoff, Fraktionsvorsitzender der CDU. Zunächst sehen die Christdemokraten den Eigentümer, die Eckelmann Gruppe, in der Haftung. „Eine Übernahme des Geländes durch die Gemeinde birgt unkalkulierbare wirtschaftliche Risiken.“ Die finanzielle Situation der Gemeinde lasse so ein Projekt nicht zu. „Bedingt durch die jetzige wirtschaftliche Krise und Rückgang der Steuereinnahmen, ist die Gemeinde seit 2020 in finanziellen Schwierigkeiten. Es müssen in den kommenden Jahren alle beschlossenen Projekte abgewickelt werden, und das hat Priorität.“

Gemeinde: Bahnnutzung nicht ausgeschlossen

Planungen zur Realisierung von Wohnnutzung auf dem Areal konnten aus mehreren Gründen nicht weitergeführt werden, sodass die Gemeinde derzeit von einer weiterhin gewerblichen und bahnbezogenen Nutzung ausgeht, teilt Steffen Nadrowski, zuständiger Fachbereichsleiter der Gemeinde, auf Anfrage mit. In diesem Fall wird dem Umbau des Geländes nach Anforderungen des Bahnbetriebes wohl der Vorrang zu geben sein, denn die Bahnnutzung wäre dann noch gar nicht aufgegeben.

Verkaufspreis bleibt geheim

Die Gemeinde stehe im Austausch mit dem beauftragten Maklerunternehmen, könne aber keine Auskünfte zum Verkaufsverfahren geben.

Neben einer möglichen Nachnutzung habe die Gemeinde laut Nadrowski bereits im Jahr 2020 einen gemeindlichen Zwischenerwerb mit dem Eigentümer erörtert. Seinerzeit konnte aufgrund der Konditionen jedoch keine Handelseinigkeit erzielt werden. Sollte der nun vorliegende Antrag der SPD-Fraktion eine Mehrheit finden, würden die seinerzeit geführten Verhandlungen wieder aufgenommen. Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass das Grundstück noch nicht durch einen anderen Kaufinteressenten gesichert wurde.

„Die Gemeinde Weyhe ist aufgrund ihrer Historie eng mit der Eisenbahn verbunden. Insoweit bestand immer ein besonderes Interesse, dass im Falle einer Entwidmung und der nicht bahnbezogenen Nachnutzung die identitätsstiftenden Bauten auf dem Gelände möglichst erhalten und in Wert gesetzt werden. Auch eine darüber hinausgehende museale beziehungsweise kulturelle Nutzung mit Bezug zur Geschichte der Eisenbahnergemeinde Weyhe wäre wünschenswert“, so Steffen Nadrowski.

Welcher Kaufpreis im Falle eines Zwischenerwerbs für angemessen erachtet werde, sei angesichts der komplexen Lage auch eine politische Entscheidung: Bei Erhalt und Sanierung von historischen Bahngebäuden oder der Einrichtung musealer und kultureller Nutzungen steht laut Nadrowski oft der ideelle Wert im Vordergrund, weniger der wirtschaftliche Nutzen. „Zudem darf bei einer nicht-gewerblichen Nachnutzung wie auch beim Zwischenerwerb aus Steuermitteln die Frage möglicher Bodenbelastungen und entsprechender Sanierungsaufwendungen nicht außer Acht gelassen werden.“

Von Sigi Schritt

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