Spaziergang op Platt über den Friedhof

Schmunzeln auf Kösters Kamp

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Den Spaziergang über den Friedhof garniert Ingrid Schierenbeck mit allerlei Anekdoten, aber auch Ernsthaften, so zum Beispiel über die Entwicklung der Bestattungskultur.

Kirchweyhe - Von Heiner Büntemeyer. Selten wohl werden Friedhofsbesucher so oft geschmunzelt haben, wie am Freitag, als Ingrid Schierenbeck eine plattdeutsche Gästeführung über den Kirchweyher Friedhof unternahm. Mehr als 40 Besucher beteiligten sich daran und wurden mit den Worten „Wenn ick mi besinnen will, denn gah ick no Kösters Kamp“ auf die Führung eingestimmt. Dabei war nicht allen Teilnehmern bekannt, dass mit „Kösters Kamp“ im plattdeutschen Volksmund der Friedhof gemeint ist.

Die Gästeführerin hatte sich intensiv auf die Führung vorbereitet und informierte auch über alte Bestattungsriten, „weil inzwischen die Asche Verstorbener ins Weltall geschossen, auf See verstreut oder zu Diamanten gepresst wird“. Früher seien bei Beerdigungen auf dem Friedhof auch Testamente verlesen worden. Und Schafe und Ziegen hätten das Gras kurz gehalten.

Erste Grabsteine kamen vor rund 400 Jahren in Mode. Wer es sich leisten konnte, kaufte sie schon zu Lebzeiten und ließ sie so weit gestalten, dass später nur noch das Todesjahr eingraviert werden musste.

Auf dem 1866 geweihten Kirchweyher Friedhof lassen sich Veränderungen in der Bestattungskultur erkennen, auf die Ingrid Schierenbeck ebenso hinwies. „Wie man das findet, muss jeder mit sich selbst abmachen“, warb sie für Toleranz bei der Gestaltung einzelner Gräber. Daher dürften auch alte, längst aus der Zeit gefallene Grabsteine nicht einfach geschreddert werden. „Um die solltet ihr euch kümmern, das ist Teil einer alten Kultur“, forderte sie Eckhard Lange, Mitglied im Kirchenvorstand, auf.

Die Gästeführerin erklärte, warum die 1909 gebaute alte Kapelle eigentlich den Ahauser Bürgern gehörte. Die wollten sich den weiten Weg zur Kirchweyher Kirche sparen und sammelten Geld für eine eigene Kapelle. Als sie genügend Geld hatten, stellte sich heraus, dass der Pastor seinerseits den weiten Weg bei Wind und Wetter nach Ahausen scheute.

Als Kompromiss wurde von dem gesparten Geld die Ahauser Schule renoviert und 1909 die Kapelle auf dem Friedhof errichtet.

Stangeneis unter

die Leiche geschoben

Dieses Gebäude erwies sich als wertvoll, weil es immer schwieriger wurde, die Verstorbenen – wie damals noch üblich – auf der eigenen Diele oder im Hausflur aufzubahren. Die Aufbahrungen waren besonders im Sommer problematisch. „Dann wurde Stangeneis in Bremen bestellt und unter die Leiche geschoben“, berichtete die Gästeführerin.

Die Führung endete am Ehrenfriedhof, wo ehemalige Weyher Pastoren, Superintendenten, Kantore und Lehrer bestattet sind. Bei einigen fügte Ingrid Schierenbeck noch persönliche Bemerkungen hinzu, die die Gäste um eigene Erlebnisse ergänzten.

Mit einem gemeinsamen Butterkuchenessen an der Friedhofskapelle endete „de vergnöögte Namiddag“.

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