Noch drei Monate: Politik äußert Ideen zur Senkung der Feinstaubbelastung an Silvester

Soll Feuerwerk in Weyhe reduziert werden?

Die Reste einer Silvesternacht auf und an der Leester Straße.
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Die Reste einer Silvesternacht auf und an der Leester Straße.

Weyhe – 92 Tage sind es noch bis zum Jahreswechsel. In der Diskussion um die Reduzierung der Osterfeuer von 80 auf neun, haben politische Gremien in Weyhe auch über die Reduktion von Silvesterfeuerwerk nachgedacht. Die Politik sieht in der Knallerei grundsätzlich ein Problem. Die Vorschläge, um Feinstaub und Lärm zu vermeiden, reichen von Appellen bis hin zu örtlichen Beschränkungen der Böllerei.

Feuerwerk sei grundsätzlich bis auf wenige Ausnahmen wie in der Nähe von Krankenhäusern oder Altenheimen nicht verboten, „während die Gemeinde Osterfeuer erlauben muss“, sagt Annika Bruck von den Grünen. Auch sind zentrale Veranstaltungen bei Osterfeuern üblich (wir berichteten), während Feuerwerk normalerweise privat überall in der Gemeinde entzündet wird. „Deshalb ist eine eigene Regelung nur für Weyhe in unseren Augen schwierig, alleine die Kontrolle erscheint uns kaum umsetzbar“, so Bruck. „Natürlich ist das jährliche Feuerwerk Umweltverschmutzung. Auch das Knallern lange vor und nach Silvester wird von vielen Menschen als zusätzliche Belastung empfunden“, findet Bruck. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende wünscht sich eine deutliche Reduzierung von Feuerwerk.

Ähnlich sehen es Dietrich Struthoff von der CDU und Antje Sengstake von der FDP. Die älteren und kranken Menschen in der Gemeinde und die Tiere würden durch die Knallerei „sehr verunsichert“, betont Struthoff. Dennoch spricht sich der CDU-Fraktionsvorsitzende nicht für ein Verbot von Silvesterfeuerwerk aus.

Auch die Liberalen haben Probleme mit einem Verbot. Wenn Geböller reglementiert werde, müsste man auch private Holzöfen und Feuerschalen hinterfragen. Würde das alles reglementiert, würde die Akzeptanz zum sehr notwendigen Klimaschutz immer weniger werden, so Sengstake.

Das Abbrennen von Pyrotechnik zum Jahreswechsel, also das Zünden von Böllern und Raketen hat sich vom schönem Brauchtum zu einer starken Belastung für Umwelt und Natur sowie für Menschen und Tiere entwickelt, skizziert der SPD-Fraktionsvorsitzende Rainer Zottmann die negative Veränderung. „Diese Belastungen und die immanente Verletzungsgefahr für Unbeteiligte mit oftmals gesundheitlich schweren Folgen, machen ein Umdenken erforderlich“, sagt er. Die Sozialdemokraten verstehen den Wunsch vieler Bürger, die übermäßigen Entwicklungen zu beschränken. Wie die anderen Parteien setzt die SPD ebenso auf Appelle. „Ein generelles Verbot der Silvesterknallerei halten wir aber für nicht geboten. Dazu müssten Bundesgesetze geändert und deren Befolgung überwacht werden“, so Zottmann.

In Weyhe ist es erlaubt, am Silvestertag und an Neujahr zu böllern – also im Zeitraum von 48 Stunden. Dietrich Struthoff bittet die Weyher und vor allem die Jugendlichen die Knallerei auf den Silvestertag zu beschränken.

Das Thema sei längst bei jungen Menschen angekommen, versichert Siard Schulz von den Jusos. „Auch wenn viele von uns selbst aktiv nicht mehr zünden, genießen wir das Spektakel am Nachthimmel“, sagt der Vorsitzende. „Beim Silvesterfeuerwerk mit Freunden, Mitschülern, Bekannten oder der Familie ins neue Jahr zu rutschen, hat einen besonderen Charme und ist etwas Außergewöhnliches.“

Aber er führt auch vor Augen, dass in der Silvesternacht 4 500 Tonnen Feinstaub und damit zwei Prozent der gesamten deutschen Feinstaubmenge entstehen. Hinzu käme wie schon bei den Osterfeuern die „enorme Belastung für Menschen mit Atemwegserkrankungen“. Jusos im Land hatten gefordert, in Großstädten kein privates Feuerwerk mehr zuzulassen, zu häufig müssten Feuerwehr und Rettungskräfte ausrücken.

Aber was ist mit Weyhe? „Weyhe ist keine Großstadt“, so Schulz. „Für kleinere Kommunen brauchen wir andere Instrumente. Schon jetzt gibt es sinnvolle Einschränkungen. Zum Beispiel darf vor Kirchen sowie Reet- und Fachwerkhäusern nicht geböllert werden.“ Die Jusos können sich weitere Schutzzonen vorstellen.

„Ein generelles Verbot von privaten Feuerwerkskörpern lehnen wir allerdings ab“, so Schulz. Es sei sogar „übertrieben“, wägt Yasmine Goldschmidt, Vorsitzende der Jungen Union (JU), ab. Wie die Jusos will ebenso wenig die JU, dass in bestimmten Gebieten geböllert wird – wie zum Beispiel an Krankenhäusern und Pflegeheimen und in der Nähe von Stallanlagen. Auch am Bahnhof und auf großen Straßen, die unübersichtlich sind und wo sich Menschen in Gefahr bringen, sollte man das Böllern komplett untersagen. „In normalen Wohngebieten sehen wir keinen Grund, etwas zu ändern“, so Goldschmidt. Doch sie plädiert dafür, einen Zeitraum zum Beispiel zwischen Mitternacht bis 1.30 Uhr einzugrenzen. „Alles davor und darüber hinaus ist aus unserer Sicht unnötig. Auch der Müll würde sich deutlich reduzieren.“

Ähnlich sieht es auch Rainer Zottmann. „Das Abbrennen von Pyrotechnik, insbesondere das Zünden von Böllern in den Tagen vor Silvester und an Silvester vor 18 Uhr muss strenger unterbunden werden. Diese dauerhafte Knallerei ist für Tiere und kleine Kinder unerträglich.“

Zur Reduktion des Feinstaubs schlägt Rainer Zottmann eine Aktion vor. Sie sollte unter einem Motto stehen wie „Jahreswechsel in Weyhe mit Spaß und Freude, aber ohne Böller!“. Gemeinderat, Verwaltung und Werbegemeinschaften könnten das Motto für den kommenden Jahreswechsel ausgeben. „Es soll jeden Einzelnen auffordern, ganz bewusst die Entscheidung zu seinem Silvesterfeuerwerk in Verantwortung zu Gesundheit, Natur und Umwelt zu treffen.“

Während sich in den Weyher Ortsteilen das Abbrennen von Pyrotechnik in den Nachbarschaften oftmals von selbst regelt, ist das schon fast traditionell gewordene Abbrennen von Pyrotechnik auf dem Marktplatz – nicht zuletzt wegen der Corona Pandemie – nicht mehr vorstellbar. „Die Belästigungen und Müllberge dort, sowie Angriffe auf Polizei und Feuerwehr wollen wir dort nicht mehr zulassen. In Verbindung mit übermäßigem Alkoholgenuss und ungeordneten Abläufen ist das Risiko einfach zu groß“, so Zottmann.

Von Sigi Schritt

Auch diese Hinterlassenschaften deuten auf Weyher hin, die auf dem Marktplatz in Kirchweyhe Feuerwerk gezündet haben. Archivfotos: Sigi Schritt

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