Gemeindekommando der Feuerwehr Weyhe schaut auf das Corona-Jahr

So viele Einsätze wie nie zuvor

Bereit auszurücken: Fahrzeuge der Feuerwehr.
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Bereit auszurücken: Fahrzeuge der Feuerwehr.

Weyhe – Die Feuerwehr Weyhe kann nicht sagen, in den vergangenen Monaten permanent unterwegs gewesen zu sein, doch sei sie mit exakt 400 Einsätzen an 255 unterschiedlichen Orten so stark gefordert gewesen wie nie zuvor. Diese Bilanz ziehen Bernd Scharringhausen und Folkard Wittrock vom Gemeindekommando im Rahmen eines Gesprächs mit dieser Zeitung. Sie blicken dabei zurück auf das vergangene Jahr.

Die sogenannte technische Hilfeleistung hatte mit 196 Einsätzen (2019: 153) den größten Anteil am Gesamtaufkommen, erläuterte Gemeindebrandmeister Bernd Scharringhausen die außergewöhnliche Bilanz. Damit werde ein breites Feld abgedeckt. Zur technischen Hilfe zähle, wie Vize-Gemeindebrandmeister Folkard Wittrock erläutert, bei Verkehrsunfällen Menschen aus einem Auto herauszuschneiden.

Im Rahmen von drei Unwettern musste die Feuerwehr den einen oder anderen Keller auspumpen und Bäume von der Straße holen. Als im Sommer eine Windhose durch Weyhe fegte, verursachte sie eine Schneise der Verwüstung. „In Lahausen wurden auf dem Schulgelände Jahrhunderte alte Bäume abgeknickt“, so Wittrock. Die Feuerwehr unterstütze auch den Rettungsdienst des Landkreises und des DRK, wenn zum Beispiel Sanitäter nicht alleine in der Lage sind, den Verletzten in den Krankenwagen zu bringen. „Wir kommen ins Spiel, wenn Treppenhäuser sehr eng sind.“ Es sei vorgekommen, dass ein Schrank in eine Tür hineinragte, sodass der Durchgang nur 40 Zentimeter breit war. Da müsse die Person von außen per Hubrettungsbühne aus Leeste transportiert werden. Diese Art von Hilfeleistungen zähle nicht zu den kostenlosen Pflichtaufgaben, doch die Verwaltung in Weyhe würde dies auch nicht in Rechnung stellen, obwohl sie es könnte, so Wittrock.

Neben den Bränden gab es auch Einsätze, die laut Gemeindekommando für Mitglieder der Ortswehren eine hohe Belastung dargestellt haben: Zwei Verkehrsunfälle in Okel sowie in Leeste und Bahnunglücke in Lahausen, Kirchweyhe und Dreye mit tödlich verletzten Personen.

Die Einsatzleiter seien darauf getrimmt, erfahrene Feuerwehrmitglieder hinzuschicken. Und im Nachgang würde der Dienst zum Beispiel mit Notfallseelsorgern besprochen. „Wir bieten Gesprächsangebote an“, so Scharringhausen. Schreckliche Bilder sollen sich nicht im Gedächtnis einbrennen, damit kein Trauma entsteht.

Eine Brandserie im Frühjahr hatte die Feuerwehr ebenfalls sehr gefordert. Unter anderem wurden Fahrzeuge der Deutschen Post/DHL angezündet, aber auch Autos vor Privathäusern. Es sei laut Feuerwehr nur Glück gewesen, dass die Gebäude nicht Feuer gefangen hätten. „Das hätte anders ausgehen können“, so Scharringhausen.

Dass die Feuerwehr mit allem rechnen muss, habe ein Brand in der Bahnhofstraße in Kirchweyhe gezeigt. Wegen der großen Hitzeentwicklung hätten die Atemschutzgeräteträger es mit flüssigem Aluminium zu tun gehabt, das von der Decke tropfte. „Die Isolation des Daches war alukaschiert“, erklärt Bernd Scharringhausen.

Feuerwehrleute, die in dieser Zeit in die Häuser gehen, müssen mit unterschiedlichen Werkstoffen fertig werden, die eben tropfen können. Deshalb habe die Feuerwehr ein paar Jacken ausgemustert und neue beschaffen müssen. Die Schutzausrüstung sei wichtig und sollte nicht nur Wärme, sondern auch andere gefährliche Stoffe vom Körper fernhalten.

Bei einem Großbrand in Leeste in einem Mehrfamilienhaus, in dem 19 Menschen gemeldet waren, hätten sich gleich vier Feuerwehrleute verletzt und mussten ins Krankenhaus. Einer hat sein Knie verdreht, ein anderer war im Einsatz kollabiert. Das zeige, wie schnell die Einsatzkräfte an ihre Grenzen kommen können. Insgesamt verletzten sich sieben Feuerwehrleute im Dienst – im Vorjahr waren es noch 19 gewesen.

Während die Ortsfeuerwehren die Einsätze im Corona-Jahr normal abgearbeitet hätten, hätten sie aber in Sachen Ausbildung und Lehrgängen leiden müssen. Das könne eine gewisse Zeit gut gehen, so Wittrock, „aber wir reden fast von einem ganzen Jahr. Wenn ein Fußballspieler nicht trainiert, dann haut er daneben.“

Was dem Gemeindekommando unter den Nägeln brennt: Die Feuerwehr habe trotz Pandemie Verstärkung für die Einsatzkräfte bekommen, aber die Quereinsteiger könnten die Grundlehrgänge nicht absolvieren. „Das ist für die Zukunftssicherung und Motivation eine Herausforderung“, so Wittrock. „Die neuen Kameraden können deshalb an Einsätzen nicht teilnehmen.“ Die Zahl der Aktiven stieg von 306 auf 324.

Weitere Zahlen zur Mitglieder-Statistik: Jugendfeuerwehr 135 Mitglieder (2019: 141); Kinderfeuerwehr: 60 (58); ehemals Aktive: 80 (79); gesamt: 597 (584).

Von Sigi Schritt

Bilanziert die Einsätze: Die Gemeindefeuerwehr.

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