Erste kriminaltechnische Mitarbeiterin

Silke Riemann will stumme Zeugen an Tatorten zum Reden bringen

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Hat viel Werkzeug in ihrem Kofferraum dabei, um Spuren zu sammeln: Die ehemalige Mitarbeiterin des Geschäftszimmers der Stuhrer Polizei, Silke Riemann, unterstützt als Angestellte die Beamten bei der Tatortaufnahme.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Finger- und Reifenabdrücke, Blut an einer Fensterscheibe und Einkerbungen von Werkzeug sind stumme Zeugen, die die Polizei nach einer Straftat zum Sprechen bringen will.

Die Techniken, um diese Spuren bei einem Tatort zu erfassen, werden von Jahr zu Jahr spezieller, und die Suche wird immer professioneller, sagt Franziska Mehlan. Da laut der Leiterin des Polizeikommissariats (PK) in Leeste die Bedeutung der sogenannten Sachbeweise zunimmt, hat die Polizei erstmals eine kriminaltechnische Mitarbeiterin angestellt, die für Weyhe und Stuhr zuständig ist.

Nach Einbrüchen in Wohnungen oder Autoaufbrüchen schlägt die Stunde für Silke Riemann (34) aus Bremen. Ihre Stelle sei 2016 nicht zuletzt wegen der Größe der Leester Dienststelle, dem Kriminalitätsaufkommen in den beiden Gemeinden und wegen der Nähe zu Bremen geschaffen worden, berichtet Mehlan. Außerdem geht es darum, Beamte zu entlasten. Die modulare Ausbildung mit zahlreichen Lehrgängen hatte die 34-Jährige im November abgeschlossen.

Erster Erfolg dank Fingerabdrücken am Tatort

Von ersten Erfolgen ihrer Arbeit berichtet Riemann. „Es ist ein gutes Gefühl, einen Täter zu schnappen.“ Die von ihr gefundenen Fingerabdrücke führten schließlich zu einer polizeibekannten Person. „Der hat daraufhin seine Tat eingeräumt.“

Das grundsätzliche Problem: Wenn es keine Zeugenausagen gibt, ist es oftmals sehr schwer, Einbrüche aufzuklären, sagt Mehlan. Es sei aber durchaus möglich, mit Präzision und Akribie Übeltäter zu überführen.

Deshalb müsse Riemann jedes Mal viele Puzzelteile zusammentragen, aus denen sich – im Idealfall – ein Bild ergibt, das Rückschlüsse auf eine Person oder eine Gruppe führt. Ein typisches Vorgehen sei, sich zunächst vor Ort ein Bild zu machen. 

„Ich will beispielsweise herausfinden, ob die Beamten des Einsatz- und Streifendienstes selbst Fußabdrücke hinterlassen haben, die ich nicht untersuchen muss.“ Es dreht sich um die Frage, was zum Tatort gehört und um die Klärung, welche Spuren von den Beamten möglicherweise dazugekommen sind.

Faserreste oder Reifenspuren können reichen

Riemann hat stets eine umfangreiche Ausrüstung im Auto, um für alle Fälle bestens gerüstet zu sein und Proben für die spätere Untersuchung zu sammeln. Nach einem Unfall mit Fahrerflucht kann ein kleiner Splitter bereits genügen, um die Marke und das Baujahr des Wagens herauszufinden. Bei einem Einbruch können Faserreste, mit bloßem Auge nicht sichtbar, Rückschlüsse zulassen, welche Kleidung der ungebetene Gast getragen hat.

Die 34-Jährige versucht, sich am Schauplatz in einen Täter hineinzudenken und zu schauen, wo er etwa sein Werkzeug angesetzt haben könnte. Sie untersucht, wie breit die Kanten eines Kuhfußes sind und ob es Materialabplatzungen gibt. Ihre Erkenntnisse trägt die neue PK-Mitarbeiterin in eine Datenbank ein. 

Dort schlummern die Daten, bis sie abgerufen werden: Hält nun eine Streife einen Wagen an und findet im Inneren Gerätschaften, mit denen Einbrüche möglich sind, forscht die Streife in der Datenbank, ob die Eigenschaften des Werkzeugs zu einem Tatort passen könnten.

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