„Sie sind traurig, wenn ich nicht da bin“ 

Delme-Werkstätten: FSJ-Absolventen sprechen über ihre Arbeit mit Behinderten

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Präsentieren die Badebomben: Kiara Klose, Jana Brähmer und Jonas Schmidt.

Weyhe/Achim/Sulingen – „Denen ist es egal, wie man aussieht oder was du machst. Die finden mich toll, und sie sind traurig, wenn ich nicht da bin.“ Das sagt Lars Quella über die Beschäftigten des Weyher Standorts der Delme-Werkstätten. Dort absolviert der 20-Jährige aus Kirchweyhe ebenso wie Jana Brähmer (17) aus Melchiorshausen ein Freiwilliges Soziales Jahr – und hat eine völlig andere Sicht auf Menschen mit Behinderung gewonnen.

Jana Brähmer und Lars Quella haben viel Zeit mit Menschen verbracht, die viel Unterstützung benötigen. Und der junge Kirchweyher will sich nach diesen – wie er sagt – „sehr positiven Erfahrungen“ beruflich ganz anders orientieren. Der Leester KGS-Ehemalige hatte noch vor dem Start des FSJ völlig ausgeschlossen, beruflich etwas „mit Menschen“ machen zu wollen. Dem ehemaligen Oberstufenschüler schwebte damals eher vor, Maschinenbau zu studieren. „Die Beschäftigten haben mir gezeigt, dass Arbeit mit Menschen Spaß machen kann“, so Quella. Er hatte in den zurückliegenden Monaten Beschäftigte in den verschiedenen Arbeitsbereichen und arbeitsbegleitenden Maßnahmen begleitet. Der junge Mann möchte sich für den Studiengang „Soziale Arbeit“ einschreiben. Das Studium „Risiko und Sicherheitsmanagement“ steht beim Leester KGS-Ehemaligen ebenso hoch im Kurs. Wenn das FSJ beendet ist, hat er neben seinem bereits erlangten theoretischen Teil der Fachhochschulreife auch den praktischen Teil der Hochschulreife erfüllt. Für seinen Abschluss kocht der Formationstänzer mit den Beschäftigten. Er nennt das Projekt übrigens „Kochen mit Lars“.

Jana Brähmer war mit 17 Jahren nach eigener Darstellung zu jung, um nach ihrem Sekundarstufen-I-Abschluss eine Ausbildung in einem Krankenhaus zu beginnen. Nun dürfte das Alter nach den Sommerferien keine Probleme bereiten. Sie ist volljährig, wenn sie ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin am Roten-Kreuz-Krankenhaus in Bremen beginnt. Die Zeit in der Betriebsstätte am Weidufer in Leeste will sie ebenfalls nicht missen. Sie ist im Tagesförderbereich eingesetzt und betreut Menschen, die laut der 17-Jährigen „nicht belastungsfähig“ seien. „Ich helfe ihnen, eine Alltagsstruktur zu geben.“ Manchmal müsse sie die Betroffenen fünf mal motivieren, etwas zu tun oder zu lassen. Doch damit komme sie gut klar. Die Tätigkeit mit den behinderten Menschen bestärke ihren Wunsch, einen sozialen Beruf zu ergreifen.

Lars Quella hat sich ein Koch-Projekt zum FSJ-Abschluss ausgedacht.

Während sich zum FSJ-Abschluss ihr Mitstreiter Lars Quella ein Kochprojekt ausgedacht hatte, hatte Brähmer eine „duftende“ Idee: Sie stellt mit Beschäftigen „Badebomben“, also Zusätze für die Badewanne her.

Ihren Einfall, bunte Kugeln mit Bestandteilen aus getrocknetem Tee, ätherischen Ölen, Glitzer und Lebensmittelfarben zu formen, findet der Leiter der Einrichtung, Kalle Jabs, „prima“. Ein Gremium im Haus habe bereits grünes Licht dafür gegeben, eine Produktion zu prüfen und die Herstellungskosten zu kalkulieren. Somit werde die Arbeit der beiden FSJler nachwirken, denn die Chancen stehen gut, dass auch das Kochprojekt weitergeführt wird.

Wie Brähmer und Quella haben auch Kiara Klose (19) aus Achim und Jonas Schmidt (18) aus Sulingen bei den Delme-Werkstätten Orientierung gesucht und Perspektiven und Reife bekommen: Alle sprechen Interessierten eine Empfehlung aus, ihnen nachzufolgen.

Menschen mit Handicap Teil des Alltags

Die 19-Jährige aus Achim ist nicht in Weyhe, sondern im Bildungswerk in Syke eingesetzt und unterstützt Lehrer. Klose hatte davor keine Berührungspunkte mit dem Thema Behinderung. Nun seien die Menschen mit Handicap Teil des Alltags geworden und sorgten für ein Umdenken: Statt Kunstgeschichte will die ehemalige Achimer Abiturientin jetzt Soziale Arbeit studieren.

Jonas Schmidt (18) ist am Standort Sulingen in der Wäscherei eingesetzt und hilft den Gruppenleitern. Er schätzt die offene Art, die die Menschen mit Behinderungen pflegen. Sein Berufswunsch ist geblieben: Verwaltungsfachangestellter.

Kalle Jabs freut sich über die Empfehlungen und hofft auf Interessenten. In Weyhe sind noch zwei FSJ-Stellen offen.

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