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Kleine, graue Kästen messen den Verkehr in der Gemeinde Weyhe

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Von: Gregor Hühne

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Grauer Koffer.
Kleine, graue Koffer: Solche Geräte sammeln zuverlässige Geschwindigkeits-Messdaten in der Gemeinde Weyhe. Anders als beispielsweise Geschwindigkeits-Displays ändern Autofahrer hier nicht ihr Fahrverhalten. © Gemeinde Weyhe

Geschwindigkeitsdisplays eignen sich nicht, um Verkehrsströme einflussfrei zu messen. Autofahrer bremsen davor häufig ab, bevor sie danach wieder durchstarten. Die Gemeinde Weyhe geht daher einen anderen Weg, um die Durchschnittsgeschwindigkeit sowie das Verkehrsaufkommen zu messen. Die Lösung: kleine, graue Kästen.

Weyhe – Unfälle mit Kraftfahrzeugen gehören zum alltäglichen Lebensrisiko im öffentlichen Verkehrsraum. Messungen an Straßen dienen politisch Verantwortlichen als Entscheidungshilfe und Geschwindigkeitsdisplays sollen Autofahrer bei zu hoher Geschwindigkeit sensibilisieren.

Die Gemeinde Weyhe wertet, anders als beispielsweise die Stadt Syke, nicht die Zahlen aus den Tempodisplays aus. Das Auslesen sei zwar grundsätzlich möglich, allerdings seien solche Daten nicht aussagekräftig, so Stefan Sommer vom Fachbereich Ordnung und Soziales, Straßenverkehrsrecht der Gemeinde Weyhe. „Da zumindest die Geschwindigkeit durch die Anzeige selbst naturgemäß beeinflusst wird“, sagt er zur Begründung – Autofahrer bremsten meist vorher ab. Für eine aussagekräftige Verkehrszählung sowie die Ermittlung von belastbaren Geschwindigkeiten verwendet die Gemeinde Weyhe daher einen kleinen, grauen Koffer, der am Straßenrand montiert wird.

„Dieses Zählgerät ermittelt Daten zu den Verkehrsmengen, den Fahrzeuglängen und den gefahrenen Geschwindigkeiten und unterteilt nach Fahrtrichtung und Uhrzeit“, sagt Sommer. Außerdem könnte die Verwaltung mittels der Mess-Koffer Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Fahrzeugbewegungen im Berufsverkehr morgens und nachmittags ziehen oder den Lkw-Anteil aufgrund der Längenmessung von Fahrzeugen. Zudem nehmen laut Sommer der Landkreis und die Polizei eigene Geschwindigkeitsmessungen vor.

Die Tempo-Anzeige-Messtafeln sollen dagegen nur die gefahrenen Geschwindigkeiten positiv beeinflussen. Sie dienen laut Sommer nicht der Datenerfassung. Die Displays werden prinzipiell mit Solar-Strom betrieben. Vor allem in den Wintermonaten könne es dazu kommen, dass der Akku nicht für einen Nachtbetrieb ausreicht. Mitunter werden diese Akkus daher mit Öko-Strom aufgeladen.

Neben dem Einsatz von Geschwindigkeitsdisplays oder dem Einsatz des Blitzers durch den Landkreis oder der Polizei seien für den Neubau von Straßen, für die Sanierung oder den Ausbau bestehender Straßen Regelentwürfe erstellt, die in Abhängigkeit von der Straßenfunktion verschiedene Maßnahmen zur Geschwindigkeitsdämpfung vorsehen, so Sommer. Teilweise seien an anderen Stellen seitliche Einengungen im Straßenbestand montiert worden. „Diese sollen allerdings in erster Linie als bauliche Querungshilfe dienen, da der zu überquerende Straßenraum eingeengt wird“, beschreibt Sommer.

Zudem habe die Gemeinde Weyhe in den vergangenen Jahren an einigen Strecken 30-Markierungen auf den Straßen angebracht, um das Tempo runterzudrücken, ergänzt der Verwaltungsmitarbeiter. Im Bereich des Marktplatzes sei die Fahrbahnbreite zugunsten der Gehwege verringert worden. „Auch durch solche Maßnahmen wird sich das Geschwindigkeitsniveau sicher etwas verbessern“, so Sommer.

Trotz aller Anstrengungen, zu schnell gefahren werde in der Gemeinde Weyhe wohl auch weiterhin und in Zukunft. Wo am meisten? Genaue Kenntnisse dazu gebe es laut Sommer nicht: „Da das gemeindliche Straßennetz zu groß für eine flächendeckende Erfassung der Geschwindigkeiten ist, gibt es keine detaillierte Auswertung dazu, ob es besondere Raser-Schwerpunkte gibt.“

Dennoch, die Verbesserung der Verkehrssicherheit in der Gemeinde bleibe ein Ziel der Verwaltung. Wie das bei zukünftigen Bauvorhaben erreicht werden soll, erklärt Dierk Heitmann vom Fachbereich Bau und Liegenschaften, Tiefbau: „Der Straßenentwurf beim Neu- und Ausbau von Straßen in Weyhe wird so gestaltet, dass die Art der Straße und die ,richtige‘ Geschwindigkeit erkennbar ist.“ Dies geschehe durch Art und Breite der Fahrbahnbefestigung sowie die Art und Anzahl von verkehrsberuhigenden Elementen wie beispielsweise Versätze und Aufpflasterungen.

Doch auch bei Instandsetzungen soll im Rahmen der Möglichkeiten versucht werden, die Funktion der Straße und die Nutzungsansprüche der verschiedenen Verkehrsteilnehmer klarzustellen, um mehr Sicherheit zu generieren. Dafür würden laut Heitmann Poller gesetzt, um das Ausweichen in den unbefestigten Straßenseitenraum zu verhindern und die Geschwindigkeiten im Begegnungsfall zu reduzieren. „Weitere Maßnahmen“, sagt Heitmann, „sind Fahrbahnmarkierungen, die zum Beispiel die zulässige Höchstgeschwindigkeit wiederholen oder die Führung des Radverkehrs klarstellen“.

Zu schnelles Fahren stellt ein Problem dar, so Sommer. Doch genauso seien beispielsweise Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot, die unerlaubte Nutzung des Mobiltelefons am Steuer oder Rotverstöße an Ampeln eine Gefahr. „Nicht zuletzt stellen natürlich auch mangelnde Sicherheitsabstände ein erhebliches Problem dar“, ergänzt der Fachbereichsmitarbeiter. Diese Gründe seien laut Polizeistatistik für das Jahr 2020 die Hauptunfallursachen.

Hinweis der Gemeinde

In der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“

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