Beratungsstellen, Schulen, Polizei

Sexuelle Gewalt: Hier finden Kinder und Jugendliche Hilfe

Das Luftbild zeigt die KGS Kirchweyhe.
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Das Luftbild zeigt die KGS Kirchweyhe: Auf diesem Gelände, außerhalb der Schulzeit, soll sich ein sexueller Übergriff ereignet haben.

Wer sexuelle Gewalt erlebt oder erlebt hat, hat viele Möglichkeiten, kostenlose Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Die Polizei arbeitet mit verschiedenen Institutionen zusammen. Ziel sei es, das Schweigen zu brechen und den Betroffenen die Angst zu nehmen.

Weyhe – Den Schutz vor sexueller Gewalt sieht die Bundesregierung als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Deshalb sei es wichtig, dass viele Akteure aus allen Teilen der Gesellschaft Maßnahmen unterstützen, Mädchen und Jungen vor sexueller Gewalt zu schützen. Der jüngste Fall eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs auf dem Gelände der KGS Kirchweyhe, der sich außerhalb der Schulzeit ereignet haben soll, zeigt, dass Betroffene viele Möglichkeiten bekommen, wie sie mit dem Thema umgehen können.

Selten bekomme eine Schule Kenntnis von einer sexuellen Grenzverletzung, sagt Sabine Messer, Direktorin der KGS Kirchweyhe. Der Opferschutz werde großgeschrieben, sagt sie. Die KGS-Direktorin würde aber stets Anzeige erstatten, den Dienstvorgesetzten und den schulpsychologischen Dienst informieren. Wenn die KGS-Direktorin von einer sexuellen Grenzverletzungen im heimischen Umfeld erfahre, würde sie auch die Zusammenarbeit mit dem schulpsychologischen Dienst suchen. Dieser würde als erste Anlaufstelle fungieren, sagt die zuständige Pressesprecherin Bianca Trogisch. Ein Schulpsychologe schaue in die Schule, um Strukturen zu verbessern. Wenn es zum Beispiel zusätzlich um Mobbing geht, würden Lehrkräfte sensibilisiert werden. Außerdem würde geschaut, wie Jugendamt und Polizei eingebunden werden könnten, so Trogisch.

Polizei: Grundsätzlich nichts verschweigen

Ohne auf Einzelheiten eines konkreten Falls einzugehen, rät Thomas Gissing, Sprecher der Polizeiinspektion Diepholz, dass sich jeder an die Polizei wenden sollte, der meint, ihm sei Unrecht zugefügt worden. Grundsätzlich sollte nichts verschwiegen, sondern zur Anzeige gebracht werden“, rät Gissing, das gelte insbesondere für jede Art eines sexuellen Übergriffs. „Nicht nur Erwachsene und Jugendliche können Anzeige erstatten, sondern auch Kinder. Das wissen einige Mädchen und Jungen nicht“, sagt der Beamte.

Ordnungswidrigkeit, Vergehen oder Verbrechen?

Wie dann ein Fall einzuordnen sei, ob es sich um eine Ordnungswidrigkeit, um ein Vergehen oder gar ein Verbrechen handelt, sei stets Sache der Polizei und der Strafverfolgungsbehörden. Wichtig sei es, den Betroffenen oder den Zeugen einer Tat die Angst zu nehmen, sagt Thomas Gissing. Wenn die Tat an einem Opfer oder an einer Zeugin oder Zeugen nagt, sollte die Person sich an die Polizei wenden.

Polizei will Betroffenen die Angst nehmen

Ein junges Mädchen könne sich den ersten Kontakt nicht aussuchen, bedauert Gissing. Es könne jedoch sicher sein, dass eine seiner weiblichen Kolleginnen das Gespräch führen werde, die auch in diesem Metier geschult sei. Um den Betroffenen die Angst im weiteren Verfahren zu nehmen, würde die Polizei den Betroffenen empfehlen, Kontakt zu einer Beratungsstelle aufzunehmen.

Kostenlose Beratungsstelle

Wenn Kinder und Jugendliche sexuelle Gewalt erfahren haben, diese weiter bestehen sollte oder sie sich nicht sicher sind, ob das, was ihnen geschehen sei, überhaupt sexuelle Gewalt ist, könnten sie sich zum Beispiel an die Beratungsstelle Papillon wenden, sagt Mareike Rein, Sprecherin des Landkreises. „Die Betroffenen alleine bestimmen, was sie in den Gesprächen ansprechen wollen und was nicht“, so Rein. „Kinder und Jugendliche gleichermaßen könnten die Beratungsstelle in Twistringen aufsuchen und sich einen Überblick über deren Arbeit verschaffen“, erklärt Rein. Gerne dürfen sie auch eine Freundin oder einen Freund mitbringen. Eine Beratung sei nicht nur kostenlos, sondern auch vertraulich. „Die Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht“, so Rein. Es sei möglich, dass Betroffene in dem Papillon-Büro von Jane Burgdorf anrufen könnten (Ruf: 04243 / 941263-0).

Wie Rein auf Anfrage mitteilt, würden Kinder und Jugendliche in „ganz unterschiedlichen Zuständen und Umständen“ auf die Beratungsstelle zukommen. „Manchmal liegt die sexuelle Gewalt schon lange zurück“, erklärt Rein. Manchmal ist sie aktuell.

Was die Beratungsstelle bietet? Die Mitarbeiterinnen hören zu, halten „schwere Inhalte“ aus und begleiten die Betroffenen, so Mareike Rein. Bei Verdachtsfällen würden die Expertinnen Eltern und andere Bezugspersonen unterstützen und Infos zu gerichtlichen Prozessen geben.

Von Sigi Schritt

Kostenloser Rat

Vertrauliche und kostenlose Beratung erhalten Betroffene und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer bei folgenden Stellen:

Papillon :Beratungsstelle bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen, Telefon 05441 9762826, E-Mail: papillon@diepholz.de

Frauen- und Mädchenberatungsstelle: in Syke, derzeit Terminabsprache unter der Telefonnummer 04242/66600

Hilfetelefon sexueller Missbrauch: Telefonnummer: 0800/44 55 530 (Mo., Mi. und Fr. 9 bis 14 Uhr, Di. und Do. 15 bis 20 Uhr)

Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen: Kostenlose 24-Stunden-Hotline in 17 Sprachen, Telefon 08000 / 116 016 sowie Online-Beratung per E-Mail oder Chat, Infos unter www.hilfetelefon.de, Beratung in Gebärdensprache und leichter Sprache

Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon: 116 111 (Mo.-Sa. 14 bis 20 Uhr); Elterntelefon: 0800 111 0 550

Weisser Ring: persönlicher Beistand und mögliche Vermittlung juristischer oder psychologischer Erstberatung, Außenstellenleitung Werner Käding, Telefon 0151 55164743, E-Mail: werner.kaeding@web.de

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