Neues Album in Arbeit

Gegen Alltagsrassismus: Dennis Krugmann ist als Rapper unterwegs

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In Kirchweyhe, an der Straße Am Kuhzaun, hat sich Dennis Krugmann ein Studio eingerichtet, in dem er in seiner Freizeit an einem neuen Album feilt. Seine Songs üben Gesellschaftskritik.

Weyhe - Dennis Krugmann aus Kirchweyhe hat eine Mission, die er mit sehr viel Leidenschaft verfolgt. Der 39-Jährige stemmt sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Alltagsrassismus. Er thematisiert das in seinen Liedern – aber „ohne den erhobenen Zeigefinger“, wie er betont. Krugmann ist Rapper, in der Szene nennt er sich Mr. Deekay. Zurzeit arbeitet der Weyher an einem Album, das er in den nächsten Wochen herausbringen will.

Das neue Album besteht aus 15 Songs – sieben habe er bereits fix und fertig abgemischt. In den Liedern erzählt er Geschichten von Afrika und von der Wiege des Lebens, die er auf diesem Kontinent und speziell in Äthiopien verortet. „Ich suche nach Gemeinsamkeiten der Menschen in aller Welt“, sagt er.

Krugmanns Musik ist stark beeinflusst von seinen Besuchen in Afrika. Deshalb mixt der Weyher in seine Songs besondere Beats, die er in seinem Studio selbst einspielt. In seinen Texten vermeidet er aggressive Worte. Die passen nicht zu ihm, so Krugmann. Andere Rapper verehrten in ihren Songs Ruhm, Macht und mitunter auch Gewalt. Krugmann würzt seine Songs lieber mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik – schließlich sieht er sich auch auf den Spuren des US-amerikanisch-jamaikanischen DJ und Produzenten Kool Herc. „Er hat die Hip-Hop-Bewegung in New York groß gemacht“, sagt Krugmann. Diese lebende Legende sei in der Bronx groß geworden, er hätte mit seinen Freunden Blockpartys veranstaltet, das Thema Rap vorangebracht und ebenfalls Gesellschaftskritik in den Songs verpackt.

Dennis Krugmann zeigt das Cover seiner neuen CD.

Über einen Musik-Film, der damals im Fernsehen lief, sei Krugmann als Schüler von dem Musikstil gepackt worden. Wer sich mit Rap beschäftigt, findet heraus, dass es diese Art von Musik schon ganz lange auf Jamaika gab – sie war Teil der Reggae-Szene, nur nicht als Rap bekannt. „Die hatten eine Kultur, in der mit einem Mikrofon über die Platten gesungen wurde, um zum Beispiel auch ein neues Stück anzumoderieren. Dann wurde improvisiert, später wurde daraus Freestyle.“ Und die Einwohner dort würden von sich nicht etwa sagen, sie seien Jamaikaner, sondern Äthiopier. „Dort kommt die Rastafari-Kultur her, davon singen die Jamaikaner. Für sie ist Äthiopien das Heilige Land.“ Dieses Land habe Krugmann ebenfalls bereist und sich profundes Fachwissen angeeignet. Rap-Techniken hatte er sich bereits als Autodidakt erlernt und verfeinert. „Damals gab es kein Youtube. Man musste Videos auf einem VHS-Rekorder zu den gewünschten Stellen hin- und herspulen und sich dann überlegen, wie die anderen bestimmte Dinge hinbekommen haben.“

Dennis Krugmann steckt in die Musik viel Zeit und Geld. Für den Kirchweyher ist die Arbeit im Studio und auch auf der Bühne bei Auftritten ein Ventil, um etwas Langfristiges, etwas Bleibendes und Sinnstiftendes zu gestalten. „Ich würde am liebsten nichts anderes machen“, sagt er. Doch schließlich müssten die Hauptbrötchen verdient werden. Krugmann fungiert als Geschäftsführer der Weyher Firma Enerpremium. Die Firma hat sieben Mitarbeiter und berät zum Beispiel die Gemeinde Weyhe. Krugmanns Unternehmensberatung hat nach eigener Darstellung das Sanierungskonzept für die KGS Leeste erarbeitet. „Bürgermeister Andreas Bovenschulte hatte uns gefragt, welche Fördermittel zur Verfügung stehen und welche Dämmung die Gemeinde verwenden kann. Wir haben uns um die öffentlichen Fördertöpfe gekümmert. Das war das letzte große Projekt für die Gemeinde.“

Einige Weyher Bürger kennen Krugmann zum Beispiel von Auftritten etwa auf der Trafo-Bühne oder von Konzerten mit seinem Bruder. Den meisten Weyhern ist Krugmann sicherlich von den Energieberatungstagen im Rathaus, die er ehrenamtlich anbietet, bekannt. Klimaschutz sei sein Thema.

Vor seiner selbstständigen Tätigkeit war er Hamburg in einem Unternehmen beschäftigt, das sich laut Krugmann „um die akustische Identität einer Firma oder eines Produktes kümmert“. Für viele große Firmen gehöre es nämlich zum Marketing, wie Produkte oder Teile davon klingen, erklärt der Weyher. Das für seinen Job notwendige Rüstzeug habe er sich nach dem Abitur in Syke (2000) im BWL-Studium in Bremen geholt, blickt Krugmann zurück. Aber auch während dieser Zeit war Musik stets eine Herzenssache.

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