Seidel: Quote von 20 Prozent bei B-Plänen

Leidenschaftliche Diskussion über (sozialen) Wohnraum

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Der Weyher SPD-Vorsitzende Berthold Groeneveld (l.) und SPD-Ratsfrau Katrin Kurtz (3.v.r.), mit den Diskussionsteilnehmern (v.l.) Steffen Nadrowski, Wilfried Meyer, Heinrich Lohmann und Frank Seidel. 

Weyhe - Bezahlbarer Wohnraum ist in der Speckgürtelgemeinde Weyhe ein großes Thema. Die SPD widmete ihm ihren jüngsten Diskussionsabend. Es war der zweite Aufschlag der Veranstaltungsreihe „Politik is(s)t Käse“. Im Gemeindehaus am Henry-Wetjen-Platz diskutierten vor 40 Zuschauern erst einvernehmlich, später leidenschaftlich der Gemeindebaudirektor Steffen Nadrowski, der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Seidel, der Bauunternehmer Heinrich Lohmann von der Firma Baucom sowie Gemeindearchivar Wilfried Meyer.

Zu Beginn wies Nadrowski auf gesamtgesellschaftliche Veränderungen wie den demografischen Wandel hin. Diese würden sich in der Wohnsituation der Menschen niederschlagen. „2005 machte der Anteil der über 60-Jährigen in Weyhe noch ein Viertel aus. 2035 werden es bereits 40 Prozent sein“, konstatierte der Diplom-Ingenieur und leitete zu der Frage über, inwiefern „unser bauliches Kleid überhaupt noch zu uns passt“.

Bauunternehmer Heinrich Lohmann verifizierte die Aussage Nadrowskis nach veränderten Bedarfen nochmals, als er darstellte, wie viel Mehrfamilienhäuser und barrierefreie Wohnformen nachgefragt würden.

Um den neuerlichen Entwicklungen gerecht zu werden, hat die Gemeinde ein Büro mit einem Wohnraumversorgungskonzept beauftragt. Ergebnis: ein Bebauungsplan mit verschiedenen Wohneinheiten wie Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Reihenhäusern und sozial gefördertem Wohnungsbau. Lohmann erhofft sich davon auch ein Stück Rückkehr zur Normalität: „Vielleicht bekommen wir die Preise über solche Projekte etwas eingefangen“, zeigte er sich zuversichtlich.

Seidel wirbt für Nachverdichtung

Ein Konzept, das auch Frank Seidel gut schmeckt. Seine Partei plädiere in diesem Zusammenhang bei neuen Bebauungsplänen für eine Quote von 20 Prozent für sozialen Wohnungsbau. „Die Bodenrichtwerte haben sich seit 2009 verdoppelt. Das können wir nicht sehenden Auges zulassen“, sagte Seidel.

„Wir brauchen außerdem endlich mehr gemeindliches Eigentum“, fügte der Fraktionschef hinzu. Erst dann habe man größtmöglichen Einfluss und könne stärker steuern und somit Preise senken.

Seidel warb außerdem dafür, weiter im Bestand sowie in bereits zentralen Gebieten nachzuverdichten und Randanlagen ländlich zu belassen. Eine Kerbe, in die auch Bauunternehmer Lohmann schlug: „Die Randgebiete sind schlicht nicht nachgefragt. Wenn man da verdichtet, geht dort nicht nur der ländliche Charakter verloren, sondern auch die heute noch vergleichsweise günstigen Grundstücks- und Mietpreise.“

Meyer: Nicht jedes Haus ist erhaltungswürdig

„Und was ist mit dem Erhalt ortsbildprägender Gebäude und städtebaulicher Strukturen?“, wollte Gemeindearchivar Wilfried Meyer wissen. Jemand, der nach 30 Jahren nach Leeste zurückkehre, würde maximal noch die Marienkirche wiedererkennen, mahnte er. „Gleichzeitig bin ich aber Realist. Nicht jedes Gebäude ist erhaltungswürdig; sonst säßen wir hier heute noch in Höhlen und Ställen“, kommentierte Meyer humorvoll. Seidel entgegnete daraufhin, dass die Konservierung historisch bedeutender Strukturen auf seiner Prioritätenliste ganz oben stehe. „Ich denke da beispielsweise an den Pickenhahn I und II. Im Zuge der Neugestaltung des Henry-Wetjen-Platzes wollen wir so was unbedingt erhalten.“ Die Gemeinde soll in diesem Zuge eine Liste mit besonders schützenswerten Gebäuden und Strukturen erstellen.

In anderen Fällen, wenn Gebäude verfallen und das Ortsbild verunstalten – so geschehen in Dreye –, würde die Gemeinde darauf hinwirken, diese Zustände zu ändern, ergänzte Nadrowski. 

sia

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