Feuerwehr Weyhe: Norbert Warnke soll Ehrengemeindebrandmeister werden

Zwölf Jahre lang an der Spitze

Norbert Warnke blickt auf eine Urkunde, die sein Engagement als Funktionsträger in der Weyher Feuerwehr auflistet. Die Urkunde trägt die Unterschrift von Andreas Bovenschulte. Der Bremer Senatspräsident war zu diesem Zeitpunkt Weyher Bürgermeister.
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Norbert Warnke blickt auf eine Urkunde, die sein Engagement als Funktionsträger in der Weyher Feuerwehr auflistet.

Für zwölf Jahre hat Norbert Warnke aus Erichshof als Gemeindebrandmeister die Geschicke der Weyher Feuerwehr geleitet. Bei der nächsten Ratssitzung entscheidet die Politik darüber, ob der 57-Jährige künftig die Bezeichnung Ehrengemeindebrandmeister tragen soll. Er berichtet von den Herausforderungen des verantwortungsvollen Jobs und von Bildern in seinem Kopf. Eine Sache bereitet dem Weyher Sorgen.

Weyhe – Mehr als 300 Einsatzkräfte in Weyhe, organisiert in sieben Ortswehren, haben über zwölf Jahre lang auf sein Kommando gehört: Norbert Warnke aus Erichshof fungierte von 2005 bis 2016 als Gemeindebrandmeister. Fünf Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Gemeindekommando will der Rat das Engagement des Erichshofers besonders würdigen: Der 57-Jährige soll künftig die Bezeichnung Ehrengemeindebrandmeister tragen. Das hatte die Feuerwehr im Oktober 2019 beantragt.

Wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie und eines ausgefallenen Empfangs im vergangenen Jahr werde Warnke mit Verspätung geehrt. In seiner Sitzung am 13. Oktober will der Rat dieses Thema angehen. Er freue sich über die Auszeichnung, sagt der 57-Jährige.

Wenn es brennt, rücke ich aus. Ich sitze aber nicht vorne rechts im Fahrzeug, wo der Gruppenführer oder die Gruppenführerin Platz nimmt, sondern hinten, bei der Mannschaft.“

Norbert Warnke, Weyher Gemeindebrandmeister von 2005 bis 2016

Nach wie vor ist Norbert Warnke bei der Feuerwehr aktiv: „Wenn es brennt, rücke ich aus. Ich sitze aber nicht vorne rechts im Fahrzeug, wo der Gruppenführer oder die Gruppenführerin Platz nimmt, sondern hinten, bei der Mannschaft.“ Auch wenn er nur einer von vier Feuerwehrleuten in Weyhe ist, die in der Lage sind, einen Verband zu führen, habe er keine Probleme, ins Glied zu treten und die Arbeit zu machen, die anfällt. Beim jüngsten Küchenbrand an der Dohlenweg im Ortsteil Erichshof vergangene Woche habe er zum Beispiel eine Schlauchleitung verlegt. „Befehle der Einsatzleitung werden ausgeführt“, sagt er.

Norbert Warnke ist Vize-Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes

Der Abteilungsleiter eines Reifen-Großhändlers für Landwirtschafts- und Baumaschinen engagiere sich neben seiner Aufgabe in seiner Ortswehr im Kreisfeuerwehrverband. Seit 2017 ist er einer von zwei Vize-Vorsitzenden. „Ich bin für sechs Jahre gewählt.“ In diesem Verband sind kreisweit rund 9 000 Feuerwehrleute aus allen Gemeinden organisiert. Dieser Verband sei als eine Interessenvertretung zu verstehen, erklärt Warnke. Jeder in einer Feuerwehr ist Mitglied, also von der Kinder- über die Jugendfeuerwehr bis zu den Einsatzkräften und Alterskameraden. „Dieser Verband kann offen Probleme ansprechen und muss sich nicht an dienstliche Vorschriften halten.“ Warnke erinnert daran, dass die Wehren und auch ein Gemeindeverband stets von Ehrenbeamten geführt werden. „Aktuell gibt es für den Verband keine größeren Herausforderungen“, sagt er.

Weyher verfolgt Idee einer neuen Finanzierung für den Verband

Für eine wesentliche Veränderung sei er der Impulsgeber gewesen. Er hatte nach eigenen Angaben die Idee gehabt, die Finanzen neu auszurichten. Haben früher die Kommunen im Kreis nur für die 5 000 Mitglieder in den Einsatzabteilungen gezahlt, so zählt jetzt jedes Mitglied – also zum Beispiel auch die angehenden Nachwuchskräfte. „Landesweit hat nur unser Verband die Finanzen auf ein neues Fundament gestellt.“ Jetzt bleibe genügend Geld übrig, um sich mehr für die Feuerwehren einzusetzen. „Von der Idee bis zur Umsetzung hat es drei Jahre gedauert.“ Im Verband sei jede Kommune ein Vorstandsmitglied. „Die Gemeinden mussten erst überzeugt werden. Das war ein dickes Brett, was zu bohren war.“

Norbert Warnke bringe in den Verband seine gesamte Erfahrung als Brandbekämpfer ein. Warnke, geboren 1963 in Bremen, trat in die Weyher Feuerwehr ein, um anderen Menschen zu helfen. „Wer das nicht will, sollte nicht in die Feuerwehr.“ Er bekleidete als Funktionsträger in der Wesergemeinde mehrere Posten: Jugendwart, Ortsbrandmeister Erichshof, Vize-Gemeindebrandmeister und schließlich Chef des Gemeindekommandos.

Sechster Gemeindebrandmeister in der Geschichte der Gemeinde Weyhe

Als sechster Gemeindebrandmeister in der Geschichte Weyhes hat Warnke viele Einsätze geleitet. Mehrere lassen ihn nicht los. „Es gibt Bilder, die vergesse ich nie“, sagt er. Er nennt einige Stichworte. In sein Gedächtnis sind Szenen eines Unfalls in einer Tempo-30-Zone eingebrannt. Vor rund einem Jahrzehnt hatte sich jener Autounfall in Kirchweyhe ereignet, bei dem vier Menschen ums Leben gekommen waren. Nur zwei Mädchen haben schwer verletzt überlebt. Ebenso noch im Gedächtnis sei ein Bootshallenbrand in Dreye. Diese Halle wurde aus den teergetränkten Bauteilen der ehemaligen Jute-Kantine Delmenhorst gebaut und brannte lichterloh. Nur mit vereinten Anstrengungen vieler Kräfte sei es gelungen, dass das Feuer nicht auf die Wohnbebauung übergriff. „Es gelang uns, die Nachbarschaft zu schützen“.

Großfeuer hinterlassen Bilder im Kopf

2011 hatte ein Brandstifter in Stuhr sein Unwesen getrieben. Während alle Stuhrer Wehren den Brand eines Pferdstalls in Seckenhausen bekämpften, begann zeitgleich das Baustoffzentrum Leymann zu brennen. „Ich war dort der Zweite, der eintraf“, erinnert sich Warnke. Er organisierte die Brandbekämpfung mit Weyher Kräften und koordinierte die Helfer der Berufsfeuerwehr Bremen und der Flughafen-Feuerwehr.

Wie verarbeitet man schwere Einsätze?

Wie verarbeitet man solche Einsätze? „Gespräche sind wichtig. Man redet viel mit den Kameraden und auch mit den Notfall-Seelsorgern.“ Der von der Leester Kirchengemeinde organisierte Blaulicht-Gottesdienst vor fünf Jahren habe auch dazu beigetragen, Frieden zu finden.

Er weiß, wie viel Verantwortung auf den Schultern seines Nachfolgers Bernd Scharringhausen lastet: Die Weyher Wehren haben viel zu stemmen, denn das Risiko sei erheblich höher als das in anderen Gemeinden: Einflugschneise Flughafen Bremen, Bahnstrecke und Bundeswasserstraße mit dem Transport gefährlicher Güter aller Art, Bundes- und Landesstraßen und nicht zuletzt die dichte Bebauung seien entscheidende Faktoren. Deshalb müssten die Ortswehren „immer gut ausgestattet sein“. Das fange bei der persönlichen Ausrüstung an und hört bei der Ausstattung des Fuhrparks nicht auf.

Eine Sache bereitet Norbert Warnke Sorgen

Eine Sache bereite Warnke seit einiger Zeit sorgen: Einsatzkräfte, ob bei Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst, würden von Teilen der Bevölkerung beleidigt oder körperlich angegangen. Die Gemeinden sollten solche Fälle den Strafverfolgungsbehörden nennen.

Von Sigi Schritt

Norbert Warnke bei einer Sitzung in den Räumen der Kirchweyher Feuerwehr mit seinem Stellvertreter und Nachfolger Bernd Scharringhausen (rechts).
2012: Bernd Scharringhausen (links) wird befördert. Bürgermeister Frank Lemmermann (Mitte) und Norbert Warnke übergeben eine Urkunde.

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