Personalratsvorsitzende geht

Schutzengel und Kümmerin Birgit Molzahn tritt ab

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Birgit Molzahn geht heute in den Ruhestand.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Sie hat zwei Gemeindedirektoren und mehrere Bürgermeister an der Spitze der Verwaltung erlebt: Nach fast 45-jähriger Tätigkeit für die Kommunen Leeste und Weyhe wechselt Birgit Molzahn (65) heute in den Ruhestand. „Wir verlieren eine hoch geschätzte Kollegin und Personalratsvorsitzende“, sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Er dankt Molzahn für ihre „langjährigen Dienste“. Sie war mehr als zwei Jahrzehnte lang Personalratsvorsitzende und half den Beamten und Angestellten, ihre Rechte gegenüber ihrem Arbeitgeber durchzusetzen.

Birgit Molzahn blickt zurück auf ein erfülltes Arbeitsleben, für das die Weichen schon früh gestellt waren. Geboren 1953 in Nienburg, wuchs sie in einem Haushalt mit fünf Mädchen und zwei Jungs auf. „Auf den Jüngsten habe ich aufgepasst. Da war ich acht Jahre alt.“ Doch auch außerhalb des Elternhauses übte sie eine erste Führungsposition aus: Sie leitete als 14-Jährige die Kinderarbeit ihrer Kirchengemeinde. Dies gefiel ihr, deshalb bewarb sie sich im Diakonischen Bildungszentrum Lobetal bei Berlin, um einen sozialen Beruf zu ergreifen. „Wir hatten 24 Unterrichtsfächer von Psychologie bis zur Erziehungslehre.“ Dort schloss sie eine Ausbildung für die Erziehung geistig behinderter Kinder ebenso ab wie eine Lehre zur Kindergärtnerin.

Mit dieser Qualifikation hatte der damalige Gemeindedirektor Alfred Wetjen die junge Erzieherin umworben. Denn der Kindergarten Jahnstraße benötigte Personal. „Meine Eltern mussten damals noch den Mietvertrag unterschreiben“, blickt Molzahn schmunzelnd zurück.

Es dauerte nicht lange, dann wechselte sie von der Jahn- zur Hombachstraße. Dort war ein weiterer Kindergarten entstanden. Sie übernahm den Job der Vizeleiterin. „Ich habe den Elternbeirat eingeführt“, sagt sie.

Die damals noch junge Gemeinde wuchs. Laut Molzahn hatten Jugendliche um den späteren Bürgermeister Frank Lemmermann durch die Besetzung des Henry-Wetjen-Platzes ein Jugendhaus erstritten. „Ein Gebäude wurde am Mühlenkamp gefunden. Für die Leitung wurde zunächst Günter Meyer eingestellt, der später Gemeindejugendpfleger wurde.“

Als Führungskraft war Molzahn dann ab 1989 gefragt. Die neue Jugendhausleiterin organisierte Freizeiten, gestaltete Filmnachmittage sowie Ausflüge und half zum Beispiel Jungen und Mädchen, die Schule zu bestehen. „Ich habe die Arbeit einer Sozialpädagogin geleistet, ohne dafür bezahlt zu werden.“ Diese Ungerechtigkeit ließ sie vor Gericht klären – und gewann. Von der Nachzahlung eines hohen vierstelligen Betrags kaufte sie sich eine Lederjacke.

Um auch gegen andere Ungerechtigkeiten anzukämpfen lag es für sie nahe, in den Personalrat einzutreten und wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. 1996 wählte das Gremium sie an die Spitze. Molzahn wurde von der Verwaltung freigestellt.

Auch wenn sie die Gemeinde grundsätzlich als „guten und sozialen Arbeitgeber“ bezeichnet, gab es doch zahlreiche Herausforderungen: Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, drohende Abmahnungen, vorzeitige Aufhebungsverträge oder der Wunsch, weniger Stunden zu arbeiten. Personalratsarbeit sei eine Tätigkeit, die man nicht transparent machen könne, die aber immens wichtig sei. Weitere Themen waren: Umsetzung der flexiblen Arbeitszeitgestaltung und der leistungsorientierten Bezahlung sowie die Einführung von Betriebssport. Die Rolle der kämpferischen Kümmerin hatte sie wieder inne: Birgit Molzahn wollte stets „wie ein Schutzengel“ und für Schwächere da sein. Das ist ihr gelungen. „Es gab nur eine einzige krankheitsbedingte Kündigung.“ Um Lösungen für die Probleme zu finden, hat sie mit Betroffenen viele Gespräche geführt. „Ich habe immer einen Konsens gefunden“, sagt die 65-Jährige.

Was sie mit der neuen Freizeit anfangen will? „Möglicherweise werde ich die Gremien anderer Verwaltungen beraten“, sagt sie.

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