In siebter Generation

Nach dem Freimarkt ist vor dem Weihnachtsmarkt für die Weyher Schaustellerfamilie Fischer

Simon Fischer und Mutter Sabine Fischer.
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Simon Fischer und Mutter Sabine Fischer packen selbst mit an.

Bereits in der siebten Generation sind die Fischers aus Weyhe im Schaustellergewerbe tätig. Heute betreiben sie die Friesendiele im Schankgewerbe zwischen Bremen, Osnabrück und Oldenburg. Der Ururgroßvater von Geschäftsführer Simon Fischer ist um das Jahr 1900 sogar mit Bär und Löwe unterwegs gewesen.

Weyhe – Nach langer Corona-Pause ist der Bremer Freimarkt für die Schaustellerfamilie Fischer aus Weyhe die erste Gelegenheit, wieder durchzustarten. Dort betreiben sie die Friesendiele. Das traditionsreiche Ausschank-Geschäft aus der Reisegastronomie haben die Fischers 2002 übernommen, erzählt Sabine Fischer, die auf eine lange Tradition als Schaustellerfamilie zurückblickt. Ihr Sohn, Simon Fischer, führt das Familiengeschäft bereits in der siebten Generation.

Die Familie wohnt seit 1962 in Weyhe, davor lebte sie in Syke. 1904 wurde der Betrieb vom Urgroßvater gegründet. Damals begann es mit einem Kinderkarussell, später kam ein Schießstand dazu und dann ein Autoscooter. Die Schausteller-Stände pendelten laut Familienoberhaupt im Dreieck Osnabrück, Hannover und Hamburg.

Und davor noch, also im vorletzten Jahrhundert, ist Simon Fischers Ururgroßvater mit einer Tiershow unterwegs gewesen. „Die erste Generation war im Reisegewerbe. Da waren sogar Bär und Löwe mit dabei“, erzählt der Ururenkel heute.

Doch zurück zum Freimarkt. Die letzten Tage stehen an. Das Geschäft läuft. Die Großkampftage seien immer der Freitag und der Samstag. „Da machen wir den Umsatz“, so Simon Fischer, und da gebe es noch Defizite. Dass die Betriebsfeiern und Sportvereine wegbleiben, die normalerweise die Bude und die Kassen füllten, falle ins Gewicht. Dieses Jahr rechnen sie mit rund 50 bis 60 Prozent des üblichen Gästeaufkommens.

Das Segment Ausschank leide laut Simon Fischer generell an den niedrigeren Besucherströmen auf dem Freimarkt. Die Familie hofft auf eine Normalisierung der Lage bis zum Herbst des kommenden Jahres. Dankbar ist der 31-jährige Simon Fischer jedoch, dass die Stadt Bremen in diesem Jahr sämtliche Standgebühren für alle Schausteller erlässt. „Das ist sehr kulant.“ Er selbst sitzt zudem im Schaustellerverband im sechsköpfigen Vorstand und vertritt dort die Belange sämtlicher Schausteller gegenüber Gremien wie der Berufsgenossenschaft.

In diesem Jahr ist der Bremer Freimarkt kleiner – die Fläche liegt bei rund 80 Prozent im Vergleich zu den übrigen Jahren. Etwa 90 Geschäfte weniger sind vertreten. 2020 fiel er sogar ganz aus. In diesem Jahr dürfen maximal 20. 000 Besucher gleichzeitig auf das Gelände. Sicherheitsdienst-Mitarbeiter überprüfen an den Eingängen zum Freimarkt, ob Besucher geimpft, getestet oder genesen sind, die sogenannte 3G-Regel.

Wir lieben unseren Beruf.

Sabine Fischer, Schaustellerin

Das Thema Hygieneschutz ist auch bei den Fischers sowie den anderen Schaustellern ein großes Thema. „Wir haben die Friesendiele zu einem Außenluftbereich umgebaut“, sagt Simon Fischer. Das heißt, Seitenwände wurden entfernt, eine bessere Durchlüftung geschaffen, ältere Dekofenster mit modernen Klappfenstern getauscht. Wegstrecken auf den Boden markiert und Hygienespender aufgestellt.

Simon Fischer macht vieles selbst. Er ist gelernter Metall- und Fahrzeugbauer, seit 2013 sogar Fahrzeugbau-Meister, „um nicht nur für den eigenen Betrieb Fahrzeuge bauen zu können“, sagt er. Seine Schwester und er sollten sich breit aufstellen im Leben, eine Ausbildung machen, das sei den Eltern wichtig gewesen, erzählt der junge Unternehmer. Das sei in der Branche nicht überall üblich.

Niemand wisse, was die Zukunft bringt. Corona habe Pläne durcheinandergewirbelt und zudem für ein ganz gravierenderes Problem gesorgt: Es fehlt an Arbeitskräften. Nicht für den Ausschank, aber für den Auf- und Abbau der Stände. „Der Aufbau der Friesendiele dauert rund 80 Stunden“, so Fischer. Abhängig vom Personal, und daran fehle es nun. Zu Beginn der Coronalage seien die qualifizierten Mitarbeiter noch in Kurzarbeit gewesen. Mittlerweile hätten sich viele umorientiert. Nun sei es schwierig, neue zu finden.

Doch Simon Fischer bleibt optimistisch: „Wir sind mit dem Freimarkt-Geschäft über unseren eigenen Erwartungen, und sind einfach froh, dass es wieder losgeht.“ Mutter Sabine pflichtet ihm bei: „Wir lieben unseren Beruf.“ Selbst wenn es derzeit lange Tage sind für die Schausteller. „Wir sind jeden Tag hier seit dem 5. Oktober“, so Simon Fischer. Seine Mutter steht beispielsweise von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr abends auf den Beinen. Nach Betriebsschluss gegen 23 Uhr müsse noch die Wäsche gewaschen und Papierkram erledigt werden: das umfasst Kassenberichte anfertigen, Stundenzettel für die Mitarbeiter ausfüllen und neue Ware bestellen. Dazwischen müsse sie noch mit dem Hund raus. „Unsere Freizeit ist meistens nach Neujahr“, sagt Simon Fischer. Dann müsse zwar noch einiges winterfest gemacht werden, aber danach werde zwei Wochen lang Weihnachten nachgefeiert und Zeit für sich genommen, so Fischer.

Mitte/Ende Januar beginnen dann die Vorbereitungen für die kommende Saison. Doch nun steht erst einmal die Vorbereitung für den Weihnachtsmarkt vor der Tür.

Am Eck: Die Friesendiele auf dem Bremer Freimarkt.

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