Sabine Heusmann aus Erichshof erfüllt sich mit Kauf eines Olivenhains einen Lebenstraum

„Urlaub heißt schweißtreibende Arbeit“

Füllen ihr Öl in Flaschen ab und geben es an Freunde ab: Sabine Heusmann und Thomas Rochus.
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Füllen ihr Öl in Flaschen ab und geben es an Freunde ab: Sabine Heusmann und Thomas Rochus.

Sabine Heusmann ist auf einem Bauernhof in Stuhr-Blocken aufgewachsen und kehrt mit ihrem Traumprojekt offenbar zu ihren Wurzeln zurück: Die 48-Jährige aus Weyhe hat sich mit ihrem Mann in Italien einen Olivenhain gekauft. Einige Bäume sind über 800 Jahre alt. Nun bringt sie das erste Öl auf den Markt.

Weyhe – Wenn Sabine Heusmann Urlaub macht, dann hat sie nur ein Ziel und stets schweißtreibende Arbeit vor sich. Die 48-Jährige aus Erichshof sei aber „megaglücklich“, wenn sie an den ersten drei Tagen vielleicht Wadenkrämpfe bekommt. Die Weyherin hat sich mit ihrem Ehemann einen Lebenstraum erfüllt und sich in Italien einen Olivenhain mit zum Teil mehr als 800 Jahre alten Bäumen gekauft, der über Jahrzehnte einen Dornröschenschlaf geschlummert hat.

Dort wartet jede Menge Arbeit auf das Paar. Sabine Heusmann und ihr Ehemann Thomas Rochus sind wie sie sagen auf einer Abenteuerreise, die erst Fahrt aufnimmt.

Schon mal in Italien ein Grundstück gekauft?, fragt die 48-Jährige mit einem schelmischen Lächeln. „Damit ging das Abenteuer los.“ Sie habe sich zu diesem Zweck mit ihrem Mann eine Kanzlei ausgesucht, die sowohl ihren Sitz in Deutschland als auch in Italien hat. „Wir haben uns ein 3,2 Hektar großes Gelände in Apulien ausgesucht.“ Apulien ist wie Sabine Heusmann erklärt eine Region in Süditalien, die den Absatz des italienischen „Stiefels“ bildet und bekannt ist für ihre Hügelorte mit weiß getünchten Häusern und das jahrhundertealte Ackerland. „Unser Grundstück liegt drei Kilometer von der Stadt Pesici entfernt. Sie hat 5 500 Einwohner und befindet sich im Sporn des Stiefels.“ Unser Grundstück grenzt an einen Nationalpark.

Mit dem Bezahlen des Kaufpreises sei noch nicht klar gewesen, ob die Weyher wirklich Eigentümer werden. Immerhin hätte es auch sein können, dass das Grundstück zweimal verkauft wird. Dann hätten wir uns mit jemandem streiten müssen. Aber es sei alles gut gegangen. Der Preis je Quadratmeter sei in Süditalien etwa mit dem von Ackerland in Deutschland vergleichbar. Ihr Gelände ist an einem Hügel, unten steht eine Ruine. „Die Sicht von oben ist fantastisch.“

„Wir haben das Grundstück 2017 im Urlaub entdeckt. Nach dem Erwerb haben wir es als erstes eingezäunt“, blickt Sabine Heusmann zurück. Damit das Paar ein Dach über dem Kopf hat, hat es einen Wohnwagen gekauft, dort hingefahren und dann auf ihrem Gelände abgestellt. Die Ruine soll einmal ein Ferienhaus werden, und auf dem Hügel soll ein Wohnhaus entstehen. „Wir wollen nicht auswandern, aber schön wohnen“, sagt die 48-Jährige.

Mähen vom Wiesengras sei gar nicht so einfach, wenn die Fläche eine Steigung hat und im Boden Steine sind. „Da ist Handarbeit gefordert“, so Thomas Rochus.

Doch vorerst müssen sie das Areal bearbeiten: Jahrelang sei nichts gemacht worden. Die vorherigen Eigentümer hatten sich lediglich ein paar Bäume ausgesucht und diese geerntet. Das sei es schon gewesen. Von diesem Areal haben Dorfbewohner Brennholz mitgenommen und Tiere hätten dort die Bäume angefressen.

Dort gibt es Bäume, die mehr als 800 Jahre alt sind. Auch wenn Oliven Pflanzen seien, die laut Heusmann als Überlebenskünstler gelten, so nehmen Pinien und Sträucher ihnen da Wasser weg. Außerdem müssen sie die Feuergefahr minimieren. Also müsste das Gras zwischen den Bäumen geschnitten werden. Ein landwirtschaftliches Gerät lasse sich nicht einsetzen. Da sei Handarbeit gefordert – immerhin stehe eine Motorsense zur Verfügung. Weiterhin mussten die Bäume beschnitten und unnötige Triebe entfernt werden. „Das Wissen dazu eignen wir uns nach und nach an“, ergänzt Sabine Heusmann.

Die Weyher arbeiten in jedem weiteren Urlaub in Italien eine lange Wunschliste ab. So haben sie sich Strom legen lassen. „Der Anschluss hat 1000 Euro gekostet, ich habe mit einem höheren Betrag gerechnet“, so Heusmann. Sie könne die Abschlagszahlungen an einem Kiosk „überweisen“ oder aber online bezahlen. „Andere Länder, andere Sitten.“ Außerdem habe sich das Paar einen Brunnen bohren lassen. Grundwasser sei in etwa 180 Meter Tiefe. „Es war nicht schwer, das Wasser zu finden, aber das Bohren war aufwendig. Wir wollen damit nicht die Felder gießen, sondern es für uns verwenden.“ Eine Kläranlage stehe ebenfalls noch auf der Liste. „Wir müssen uns dazu noch ein paar Gedanken machen.“

Die ersten Ernten hat das Paar bereits eingefahren. Normalerweise werden die Oliven im Winter von den Bäumen geholt. Wir schütteln sie bereits im Oktober. Dann hat das Öl mehr Wums“, sagt Thomas Rochus. Was er damit meint? „Das Öl ist grüner, und es ist natürlicher. Wir haben uns entschieden, ein hochwertiges Öl herzustellen.“

Die Oliven bringen sie dann zu einer Mühle, die wiederum die Oliven zu Öl presst. Das wird in großen Edelstahlkannen abgefüllt. Erst in Weyhe werde aus dem großen Behälter die Flüssigkeit in kleinere gefüllt und die Flaschen mit einem Logo versehen. „Unser Öl haben wir analysiert. Es ist von einer sehr guten Qualität“, sagt Thomas Rochus, der als Hobbykoch damit zahlreiche Speisen verfeinert.

Die Weyher wollen jetzt noch öfter zwischen Weyhe und Süditalien hin- und herpendeln. „Ich bin schon als junge Erwachsene in Italien vernarrt gewesen.“ Die gelernte Schifffahrtskauffrau hat zwar verschiedene Kontinente bereist, aber nie sei sie glücklicher als in Italien gewesen. „Die Menschen sind besonders nett und hilfsbereit.“ Sie hat das ganze Land bereist und als sie von der Veräußerung des Geländes erfuhr, überlegte sie nicht lange und griff zu. Sabine Heusmann will mit ihrem Mann die Öle auf dem Wochenmarkt in Brinkum verkaufen. „Ich bin in Stuhr-Blocken auf einem Bauernhof groß geworden. Meine Eltern bauten Gemüse an und hielten Hähnchen. Unsere Erzeugnisse verkauften wir auf dem Markt.“ Und wenn sie wieder auf einem Markt ist, schwelgt sie in Erinnerungen und fühlt sich ihren Eltern verbunden. „Tief in meinem Herzen bin ich Landwirtin“, so die 48-Jährige.

Von Sigi Schritt

Mehr als 800 Jahre alt: dieser Olivenbaum auf dem 3,2 Hektar umfassenden Grundstück.

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