Rund 150 Leester beteiligen sich am Bürgergespräch im Gesamtschulforum / Ortskernentwicklung und Verkehr

Was bei Bullenhitze unter den Nägeln brennt

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Bürgermeister Andreas Bovenschulte antwortet unter anderem Birgit Stolte.

Leeste - Von Philipp Köster. 150 Teilnehmer trotz Bullenhitze im KGS-Forum: Verwaltungschef Andreas Bovenschulte hatte im Vorfeld schon geahnt, dass viele Leester zum fünften Bürgergespräch am Donnerstagabend kommen würden. Denn es hatte 93 Rückmeldungen auf die Einladungen gegeben. Dass es dann auch tatsächlich angesichts der tropischen Temperaturen und der stickigen Luft im Veranstaltungsraum so viele interessierte und – wie sich in den zweieinhalb Stunden Diskussion zeigte – aktive Bürger seien würden, war für Bovenschulte und die Erste Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith Beleg dafür, dass den Leestern einige Themen unter den Nägeln brennen.

Die meisten leben gerne in dem Ortsteil, so laut Bürgermeister der überwiegende Tenor der Rückmeldungen. Doch gebe es eben auch Erwartungen und Kritik. In Leeste sind das die Schwerpunkte Ortskernentwicklung und Verkehr.

Bovenschulte fasste den Sachstand zum Thema Ortskern Leeste zusammen, er erinnerte an die drei zu entwickelnden Kristallisationspunkte Henry-Wetjen-Platz, Bahnhof und Leister Platz. Und er nannte die 5,2 Millionen Euro an Förder- und Gemeindemitteln, die in den kommenden Jahren investiert würden. Er hoffe, dass den öffentlichen Geldern sechs- bis siebenfach private Investitionen folgen.

Die Bürger forderten in ihren Statements eine Beseitigung der GS-Agri-Brache beziehungsweise aller großgewerblichen Ansiedlungen im Kern. Sie kritisierten die aktuellen, in der Kreiszeitung berichteten Pläne, wonach gegenüber der Sparkasse einige Häuser Neubauten mit Einzelhandel im Erdgeschoss weichen sollen. Die Geschäfte blieben womöglich unvermietet. Ein anderer Teilnehmer wollte das alte Rathaus am Henry-Wetjen-Platz bewahrt wissen.

Auch das in ganz Weyhe köchelnde Diskussionsthema Mehrgeschossbauten fand Erwähnung. Ein Neubürger aus Schleswig-Holstein hielt den in der Gemeinde praktizierten Abriss alter Siedlungshäuser und den Neubau großer Komplexe „ohne Vorgaben“ im Vergleich zu anderen Kommunen für beispiellos. Zugleich könnten ansiedlungswillige Familien keinen Wohnraum erwerben.

Bovenschulte warnte in seinen Antworten davor, auf Gewerbe und Einzelhandel in Mischgebieten auch im Zentrum Leestes zu verzichten. Das sei unwirtschaftlich. Das alte Rathaus sei abgängig, eine Sanierung zu teuer. Auch stehe es einer Neugestaltung des Henry-Wetjen-Platzes mit Café, Bücherei und Volkshochschule im Weg. Besser sei der unter Denkmalschutz stehende Bahnhof im Besitz der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn zu sanieren. Der Verwaltungs-chef skizzierte zum Thema Mehrgeschossbauten das Dilemma, dass viele alteingesessene Weyher seniorengerechte Wohnungen in den Zentren nachfragten. Gleichwohl müsse es in Weyhe bezahlbaren Wohnraum geben. Zum Thema Einzelhandel merkte er an, dass es Gegenden in seiner Heimat Südniedersachsen gebe, in denen man sich über Investitionen wie sie in Leeste im Raum stünden, freuen würde. „Es ist doch toll, wenn ein Eiscafé nach Leeste kommt.“

Apropos kommen: Die Straßenbahn soll ja bekanntlich durch Leeste fahren, laut Bovenschulte 2019. Dass dieser Umstand nicht bei allen Bewohnern auf Gegenliebe stößt, wurde auch beim Bürgergespräch deutlich: Rechnet sich nicht oder zu viele Staus durch die Schranken, lauteten die Argumente. „Öffentlicher Personennahverkehr rechnet sich nie betriebswirtschaftlich“, nutzte der Bürgermeister die ungewollte Steilvorlage des Kritikers. Gleichwohl gebe es keine Alternative zum Ausbau der Linie 8 – „in 37 Minuten staufrei bis zur Domsheide“ – vor dem Hintergrund des dramatisch angestiegenen und weiter zunehmenden motorisierten Individualverkehrs mit circa 14000 Fahrzeuge durch Leeste.

„Die Bahn soll nur bis Brinkum fahren, in Kirchweyhe ist die Deutsche Bahn, und Leeste dazwischen soll ohne Anschluss bleiben und damit eine Chance auf Zukunftssicherung ausschlagen?“, fragte er rhetorisch die Bahnkritiker.

Gerade der hohe Auto- und Lasterverkehr sei ja mit seinen Auswirkungen, wie Lärm, Raserei, zu wenig Parkraum und Staus für viele Einwohner ein Kritikpunkt gewesen.

Es gebe einen Widerstreit der Interessen: Einerseits werde moniert, es werde zu viel gerast, andererseits bemängelt, der Verkehr könne nicht ungehindert abfließen. Das stehe auf den Hauptverkehrsachsen auch einem Ausbau von Tempo-30-Zonen zuwider. Was die Raserei angeht, erhofft sich Bovenschulte Abhilfe durch das zusätzliche Blitzfahrzeug des Kreises nur für Stuhr und Weyhe.

Einzelne Maßnahmen wie an der Melchiorshauser Straße seien an der Unmöglichkeit eines Erwerbs von Grundstücken gescheitert.

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