Rückblick auf Weyher Bäderhistorie / Am Wochenende Aktionen der Kreiszeitung

Waggons als Umkleiden und windschiefe Sprungtürme

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Auf der Grenze zwischen Kirch- und Sudweyhe sowie Lahausen ist das Bad gelegen. Archivfoto: Meyer

Weyhe - Von Wilfried Meyer. Vor 40 Jahren öffnete das Freibad am Neddernfeld seine Pforten. Wo sich seit vier Jahrzehnten unzählige Menschen zum Baden, Sonnen, Spielen oder Wettkampfschwimmen treffen, befand sich bis dahin Ackerland von Kirchweyher Bauern.

Kurz bevor sich anlässlich der Gebiets- und Gemeindereform die bis dahin selbstständigen Gemeinden Leeste, Kirch- und Sudweyhe zur heutigen Gemeinde Weyhe zusammenschlossen, legten die Kirchweyher Bürgermeister Heinrich Klenke und sein Sudweyher Kollege August Ratmeyer den Grundstein für das geplante Freibad (siehe Kasten).

Es entstand eine großzügige Sport- und Freizeitanlage mit 50-Meter-Schwimmerbecken samt sechs Bahnen und zwei Nichtschwimmerbecken für Erwachsene und Kinder, außerdem eine Kinderplanschanlage und ein Springerbecken mit Fünf-Meter-Turm. Eine Halle mit einem Lehrschwimmbecken ermöglicht den Winterbetrieb. Momentan wird das Bad behindertengerecht umgebaut.

Wo konnten die Einwohner der Region vorher baden? Mündliche Überlieferungen und Bilddokumente belegen, dass die Leute alle natürlichen Gewässer an geeigneten Plätzen dazu nutzten: Alte Weserarme bei Dreye und Ahausen, die Ochtum bei Kirchweyhe und Leeste, die Hache beim Sudweyher Gutspark und an den Sperrwerken bei Lahausen/Jeebel, den Witt-rock-See im Kirchweyher Dorf, das Böttchers Moor und schließlich Hom- und Mühlbach an Vertiefungen in Leeste und Hörden.

Die erste echte Badeanstalt entstand um 1920/21 im Kirchweyher See, der nördlich von Sudweyhe liegt. Im ersten Drittel dieses damals noch 1300 Meter langen Sees schufen schwimmbegeisterte Bürger, zumeist Eisenbahner, Handwerker und Dorflehrer, in Eigenleistung eine 50-Meter-Bahn mit hölzernen Start- und Zielbrücken. Als Umkleidekabinen dienten alte Eisenbahnwagen, die mühsam auf Rollen über Kops-Esdohrs Weiden zum See transportiert worden waren.

Um 1923/25 entstand nur 500 Meter weiter flussabwärts die Ochtum-Badeanstalt. Die Gemeinde Kirchweyhe ließ kurz vor der Straßenbrücke in Richtung Dreye ein großes Becken ausbaggern, das durch eine Spundwand aus Eisenbahnschwellen vom Ochtumlauf abgetrennt war. An der tiefsten Stelle mag es 1,50 Meter gewesen sein. Die Ochtum selbst war auch nicht tiefer, galt aber wegen ihrer Strömung als Zone für Schwimmer.

Hölzerne Umkleidekabinen und ein kleines Sprungbrett gab es auch, aber Wettkampfsport konnte dort schon von den Abmessungen her nicht über die Bühne gehen.

Diese Badeanstalt existierte länger als die am Kirchweyher See. Als dann aber 1956 die Gemeinde das Lahauser Bad übernahm, verfüllte man das Becken wieder. Seitdem steht dort ein kleines Erlenwäldchen, nichts erinnert an die frühere Badeanstalt.

Bei der Lahauser Einrichtung handelte es sich um ein Schlatt, das schon immer als Bade- und Angelteich genutzt worden war. 1948 gründeten 13 Lahauser und Jeebeler Wasserfreunde den „Schwimmverein Sturmwelle Lahausen-Jeebel“, Vorgänger des heutigen Weyher SV. In Eigenleistung bauten die Männer hölzerne Spundwände auf beiden Seiten und schufen dadurch eine 50-Meter-Bahn. Ein windschiefer, etwa drei Meter hoher Sprungturm war schon zu der Zeit eine Attraktion für die Lahauser, später wurde er durch einen geraden Nachfolger aus Metallrohren ersetzt.

1956 übernahm die Gemeinde Kirchweyhe die Trägerschaft des Bades, stellte in der Schwimmsaison von Mai bis September Aufsichtspersonal ein und pflegte mit Hilfe des Vereins die Anlagen. Ein kleines künstliches Nichtschwimmerbecken erhöhte den Freizeitwert enorm. Umkleidekabinen und einfache sanitäre Anlagen waren mittlerweile auch vorhanden. Die sinkende Wasserqualität und das Fehlen zeitgemäßer Sanitäreinrichtungen führten 1973 zur Schließung. Das Gelände wurde danach renaturiert und als Biotop sich selbst überlassen.

Im westlichen Teil der späteren Gemeinde Weyhe hatte sich das Interesse der Badelustigen auf das Böttchers Moor (auch Leester oder Esdohrs-Moor genannt) konzentriert. Es handelt sich um ein Schlatt zwischen Leeste, Lahausen und Melchiorshausen. Obwohl der See schon seit 1938 als Teil eines Landschaftsschutzgebietes ausgewiesen war, tolerierte man in der Sommerzeit die Störungen durch Badende.

• Die Geschichte aller Badeanstalten zeichnet Gemeindearchivar Wilfried Meyer am Sonnabend, 20. Juni, um 19 Uhr im Festzelt vor dem Freibad mit vielen Bildern nach. Der Eintritt ist frei.

Die Mediengruppe Kreiszeitung ist mit einem Stand bei der Freibadparty am kommenden Wochenende (wir berichteten) vertreten. Am Sonnabend gibt es von 14 bis 18 Uhr kostenloses Kinderschminken, am Sonntag geht von

10.30 bis 18 Uhr ein Malwettbewerb über die Bühne. Kinder können vor Ort ein Bild zum Thema „Mein Freibad“ malen. Ebenso besteht die Möglichkeit, zu Hause gemalte Bilder am Sonnabend und Sonntag im Freibad abzugeben oder sie vorab an die Kreiszeitung, Marketing, Am Ristedter Weg 17, 28857 Syke zu schicken. Einsendeschluss ist Freitag. Alle Bilder, die rechtzeitig eintreffen, werden im Freibad am Wochenende ausgehängt. In der kommenden Woche werden unter den Künstlern Preise verlost.

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