Zu viel Aktivität am Wieltsee

Wohnmobile verdrängen Tiere: Naturschützer fordern Campingplatz-Rückbau

Josef Teupe schaut auf Wohnwagen, die am Wieltsee stehen.
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Der Naturschützer und Forstwirt Josef Teupe vermisst die Tiere, die er vor Jahren auf der Landzunge entdeckt hat. Jetzt sieht er Wohnwagen.

Naturschützer fordern den Rückbau des Campingplatzes am Wieltsee. Sie sehen die Freizeitaktivitäten am Ufer der Wieltsee-Landzunge kritisch. Tierbeobachter Josef Teupe etwa vermisst die vielen Tierarten, die er noch vor mehr als fünf Jahren am und über dem Wasser gesehen hat.

Weyhe – Der Wieltsee in Sudweyhe ist als touristisches Ausflugsziel und als Marina bekannt: An den Stegen liegen derzeit Jachten und Boote. Auf einem Bereich des Hafengeländes sind Zelte aufgebaut. Auf der Landzunge zwischen dem Wieltsee und der Weser stehen mehr als zehn Caravans und Wohnwagen. Dieser wirtschaftliche Erfolg hat für den Naturschützer eine Kehrseite.

„Sie ist bitter“, sagt ein Tierbeobachter bei einer Begehung. Josef Teupe vermisst die vielen Tierarten, die er noch vor mehr als fünf Jahren am und über dem Wasser gesehen hat.

An der Landzunge waren nach seiner Schilderung Bauten vom Dachs und vom Fuchs. Aber auch Spuren von Marder, Iltis, Mauswiesel, Hase, Kaninchen und Rehwild habe er regelmäßig bei seinen Streifzügen entdeckt.

Das sei jetzt nicht mehr so. In der Luft vermisse er die Tiere, die für ihn den Begriff Greifvögel-Biotop ausgemacht haben: Rotmilane, Bussarde, Wander- und Turmfalken. Er erinnert sich auch an die Sichtungen der tagaktiven Sumpfohreulen, an den Zwerghaubentaucher und Eistaucher im Winter und an den Seeadler, der im Wieltsee eine Brasse rausgeholt hatte. „Ein ehemaliger Hafenmeister hatte sich richtig erschrocken, als das Tier mit seinen mächtigen Flügeln, 2.50 Meter Spannweite, aufgetaucht ist.“ Enten, Gänse und Möwen gab es im Überfluss. Und an der Abbruchkante brüteten Hunderte Uferschwalben. „Das ist eine weitere geschützte Vogelart.“

Keine unbebaute Ecke mehr am Wieltsee

Und jetzt? Die Schwalben, die man jetzt übers Wasser fliegen sieht, seien Rauch- und Mehlschwalben, sagt Josef Teupe. Die seien blau-schwarz. Uferschwalben erkenne man am braunen Rücken. Die vielen Greifvögel und seltenen Vögel, die vor Jahren nach seiner Einschätzung noch in einer beachtlichen Anzahl um den See ihre Runden drehten, gebe es nicht mehr, bedauert er. Sie seien abgewandert. Gründe gibt es mehrere, sagt er. So seien die Bootsbewegungen im Wasser und das Wohnen am Ufer sicherlich mit ursächlich, dass die Vögel das Gelände meiden.

Seine Einschätzung teilt Jonas Jäschke vom Nabu Weyhe. Es gebe am See keine unbebaute Ecke mehr. Je mehr dort am See los ist, desto mehr würden die Vögel und auch die Säugetiere auf der Landzunge gestört. Jonas Jäschke vermisst, dass Areale nicht als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden. Wie Nabu-Vorsitzender Thomas Brugger könne auch Jonas Jäschke es nicht verstehen, weshalb am Ufer der Landzunge Campingwagen und Caravans stehen und weitere Plätze bereitstehen.

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Alleine der Weg zum Schiff Nadine und weiter zur Spitze der Landzunge sei mit einer Breite von mehr als fünf Metern so groß, dass sich Autos sogar begegnen könnten. Der Nabu-Chef und auch Naturschützer Teupe fragen, wer die diesen Camping-Platz überhaupt genehmigt hat und weshalb die Gemeinde ihn dulde. Der Naturschützer Josef Teupe kritisiert, dass der Weg festgefahren sei. Vor Jahren sei dort nur ein kleiner Trampelpfad zur Spitze gewesen. Jetzt könnten Gespanne bequem die Areale anfahren.

Die Flächen am Ufer seien etwa durch Schotter verdichtet und die Parzellen mit Schafdraht teilweise umzäunt. Wie Jonas Jäschke habe auch Josef Teupe zahlreiche Pflanzen an den Parzellen entdeckt, die dort völlig artfremd seien: Kirschlorbeer gehöre ebenso dazu wie Rhododendren. „Die Camper wollen es sich gemütlich machen. Sie haben dort aber nichts zu suchen“, so Teupe.

Ursprünglichen Zustand wiederherstellen

Josef Teupe hat ebenso wie Thomas Brugger vom Nabu eine radikale Forderung: Die Gemeinde soll den ursprünglichen Zustand wiederherstellen. Eine Gemeinde, die einen Klimanotstand ausgerufen hat, sollte laut Teupe den Naturschutzgedanken ernst nehmen und die menschliche Einflussnahme am Wieltsee wieder zurückdrehen. „Die Vögel kommen zurück“, ist er sich sicher. Sie seien in Gebiete in der Nachbarschaft ausgewichen.

Doch was sagen die Gemeinde und der Landkreis dazu? „Dem Landkreis Diepholz war nicht bekannt, dass am Wieltsee Wohnwagen zur ortsfesten Nutzung stehen“, teilt Meike Zum Vohrde vom Büro des Landrats auf Anfrage mit. Die Information des Naturschützers Teupe sei zum Anlass genommen worden, „eine Ortsbesichtigung durchzuführen und gegebenenfalls vorhandene baurechtswidrige Zustände aufzunehmen und zu bearbeiten. Auch die Steganlagen werden dabei berücksichtigt“. Wie der Landkreis weiter mitteilt, liegen der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises keine aktuellen Daten zu Vogelarten (Brut- und Gastvogelvorkommen) und anderen Tierarten vor.

August 2014: Am Ufer der rechten Seite des Wieltsees gibt es keine Stellplätze für Caravans und Wohnwagen.

Die Bedeutung des Bereiches für die Avifauna (insbesondere Rast- und Gastvögel) sei allerdings bekannt, betont die Sprecherin des Kreises. „Die geschützten Landschaftsbestandteile gemäß Bundesnaturschutzgesetz an den Gewässern „Wieltsee“ und „Alte Weser“ dürfen nicht beeinträchtigt werden. Daher wird die untere Bauaufsichtsbehörde im Hinblick auf ungenehmigte bauliche Anlagen jeglicher Art einschreiten“, kündigt die Sprecherin an.

Die Gemeinde erklärt auf Anfrage, was auf dem Areal zwischen Marina und der Weser passiert ist: „Auf der Landzunge, die zur Marina Wieltsee gehört beziehungsweise an den Betreiber verpachtet ist, haben einzelne Bootslieger Umgestaltungen vorgenommen, die mit Bau-, Wasser- und Naturschutzrecht nicht mehr zu vereinbaren waren. Die Gemeinde Weyhe und Vertreter des Landkreises haben vor Ort darauf hingewiesen. Bei rechtswidrigen Anlagen wurde aufgefordert, diese zu entfernen“, teilt die Gemeinde mit.

Wieltsee wird begutachtet

Zur Forderung nach einem Rückbau der Anlagen auf der Landzunge merkt sie an: „Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass der bekanntlich momentan in der Aufstellung befindliche Bebauungsplan für diesen Bereich einerseits die Nutzung als Freizeithafen und auf der anderen Seite den Naturschutz in Einklang bringen soll. Dazu gehört eben auch die Absicherung des Bestandes einschließlich moderater Entwicklungsmöglichkeiten – übrigens ebenso der zahlreichen Wassersportvereine dort.“

Die Gemeinde sei in Sachen Umweltschutz bereits tätig geworden: Um Nutzer am Uferrand dafür zu sensibilisieren, dass sie sich im Lebensraum der Uferschwalbe befinden, klärt die Marina Wieltsee in Absprache mit der Gemeinde Weyhe und dem Nabu vor Ort darüber auf. So hat der Jachthafen-Betreiber erst kürzlich Schilder aufgestellt, um den betroffenen Uferbereich von Bootsverkehr, aber auch von Besuchern an Land freizuhalten. Die Gemeinde habe zudem gerade erst ein mit dem Nabu abgestimmtes avifaunistisches Gutachten sowie eine Amphibienuntersuchung in Auftrag gegeben. Der Wieltsee-Bereich werde nun ein gutes Jahr lang durch Experten einer spezialisierten Firma intensiv begutachtet. Auf dieser Grundlage sollen letztlich Entscheidungen zu weiteren Entwicklungsmöglichkeiten getroffen werden – und nicht vorher.

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