Rotorblätter erschlagen Wildvögel/Mindestens fünf im Landkreis Diepholz

Der Feind aus Fiberglas

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Vom Rotorblatt geköpft: Ein toter Bussard in Üssinghausen.

Twistringen - Von Anke Seidel. Der Feind hat starre Flügel, gegen die Bussard, Kranich & Co nichts ausrichten können: Immer wieder erschlagen Rotorblätter (oft aus Fiberglas) von Windkraftanlagen Wildvögel – wie im Windpark Üssinghausen bei Twistringen. Dort fand Johann Beuke zwei tote Bussarde. Einer von ihnen war regelrecht geköpft worden.

Beuke, stellvertretender Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins Niedersachsen-Bremen, schätzt das Alter der Tiere auf etwa drei Jahre. „Die Verletzungen deuten eindeutig auf eine Rotorkollision hin“, sagt der ökologische Jagdfachmann. Er betont: „Man kann Bussarde – und andere Greifvögel – häufig dabei beobachten, wie sie gezielt die Rotoren anfliegen. Es hat den Anschein, dass sie mit den Rotoren ,spielen‘, weil sie sie immer wieder an- und darum herumfliegen“, hat der 59-Jährige beobachtet. „Da sich die Rotoren aber enorm schnell bewegen – was durch den enormen Durchmesser der Windkraftrotoren aber eher langsam erscheint – registrieren die Vögel nicht schnell genug, dass ständig ein Rotorblatt auf- oder absteigt, und werden schließlich erschlagen.“

Beuke weiß, dass solche tierischen Windkraft-Opfer in der Regel nur zufällig gefunden werden. „Die Schlagopfer werden schnell von Füchsen oder Mardern verschleppt und gefressen.“ Und: Ein systematisches Nachsuchen gebe es kaum. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Dunkelziffer der erschlagenen Vögel oder Fledermäuse beträchtlich höher sei als die Funde.

Die staatliche Vogelschutzwarte im brandenburgischen Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz hat es sich zur Aufgabe gemacht, gemeldete Schlagopfer bundesweit zu registrieren. Allein in Niedersachsen sind demnach seit 2002 insgesamt 353 erschlagene Vögel gemeldet worden – darunter 62 Stockenten, 32 Mäusebussarde, zwölf Störche, 40 Möwen und 14 Stare.

Vor allem von der niedersächsischen Küste waren Schlagopfer gemeldet worden – aus dem Landkreis Diepholz bis Oktober 2014 nur drei: Zwei Mäusebussarde in Syke-Okel (2013) und ein Kranich in der Diepholzer Moorniederung (2013). Mit den Funden von Beuke steigt diese Zahl auf fünf.

Von Rotoren erschlagene Fledermäuse sind aus dem Landkreis Diepholz bisher nicht in Brandenburg gemeldet worden.

Fakt ist: Im Energie-Landkreis Diepholz drehen sich insgesamt 340 Windkraftanlagen – insbesondere im Sulinger Land. Dort liegt die Erzeugung regenerativer Energien insgesamt (also auch durch Biomasse, Solaranlagen und Wasserkraft) laut Energy map bei sage und schreibe 1116 Prozent des Verbrauchs in Scholen, bei 1081 Prozent in Ehrenburg und bei 874 Prozent in Schwaförden.

Im gesamten Landkreis wird mit 108 Prozent mehr Strom erzeugt als verbraucht – in der Bundesrepublik sind gerade mal 25 Prozent Ökostrom.

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