Rolf Specht kauft Pflegeheim zurück

Leester Lerchenhof-Zimmer „als solide Geldanlage“

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Rolf Specht verkauft in diesem Leester Pflegezentrum Zimmer mit Sondereigentum.

Leeste - Von Sigi Schritt. Mit der Idee, Pflegeheime wie ein Mehrparteienhaus zu planen, zu bauen und zu verkaufen, aber auch separat zu betreiben, hat der in Leeste aufgewachsene Unternehmer Rolf Specht zusammen mit seinen Partnern Heinz-Hermann Kuhlmann, Bernd Zweck (beide Weyhe) und Steuerberater Heinrich Kattau (Stuhr) vor mehr als einem Vierteljahrhundert Pionierarbeit in Deutschland geleistet.

Wer rastet, rostet. Deshalb will Rolf Specht (63) erneut einen Coup landen und ein 45 Millionen teures Projekt am Tegernsee stemmen, „was es im Rest der Republik so noch nicht gibt. Wir bauen ein gehobenes Vier-Sterne-Care-Hotel mit 120 Zimmern und Suiten“.

Es sei gedacht für Gäste, die ihre zu pflegenden Angehörigen in den Urlaub mitnehmen können, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Residenz-Gruppe (Jahresumsatz 2015 nach eigenen Angaben: 100 Millionen Euro). Hotel und Ferienwohnungen für Familien auf dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück sollen erneut nach dem einst in Weyhe entwickelten und bewährten Strickmuster entstehen, das laut Specht nach wie vor eine für heutige Verhältnisse „ordentliche Rendite“ verheißt. Specht, Bremer Unternehmer des Jahres 2010, sieht den „enormen Bedarf“. „Das ist eine Marktlücke“, schwärmt der Kaufmann, der sich voll auf das neue Vorhaben konzentriert und dazu auch Gespräche mit dem Spitzenverband der privaten Pflege führt. Die jüngste Pflegereform ermögliche es, dass die zuständige Kasse den künftigen Gästen des „Care-Hotels“ einen Teil der Kosten erstattet, die entstehen, wenn die pflegende Person einmal im Jahr Urlaub macht.

Da weder seine Tochter Britta noch jemand aus der Familie des einzigen verbliebenen Partners Kattau das Geschäft übernehmen will, hatte Specht im vergangenen Jahr unter anderem die Senioren Wohnpark Weser GmbH von der Residenz-Gruppe getrennt. Dazu zählte auch der Leester Lerchenhof. Erst im Januar hat Specht das Gebäude von der Cux-Fondsgesellschaft, die das Gebäude zehn Jahre lang an die Residenz-Gruppe vermietet hatte, zurückgekauft. Jetzt haben Einzelinvestoren die Möglichkeit, 85 „vermietete“ rund 20 Quadratmeter große Zimmer samt Gemeinschaftseigentumsanteilen im 2005 eröffneten Haus zu erwerben. Dazu kommen beispielsweise die Küche und Funktionsräume etwa für das Essen sowie für die Therapieanwendungen.

„Vor 25 Jahren haben wir den Begriff Sorglos-Immobilie geprägt“, so Specht. „Da die Belegung der Zimmer garantiert ist, hat der Investor nicht viel Aufwand, und es sind solide Geldanlagen.“ Für den Bewohner ändert sich nichts, der Aufenthalt bleibt transparent: Er zahlt die „Hotelkosten“, also den Aufwand für das Essen, Trinken, Nebenkosten und die Wäsche. Dazu kommen die Pflegekosten, die die Pflegekasse übernimmt. Ein weiterer Teil der Abrechnung entfällt auf die sogenannten Investkosten. Das ist der Betrag, den die Betreiberin der Pflegeeinrichtung bekommt. Damit wird sie unterhalten, und die Eigentümer der Wohnungen bekommen einen Teil der Mieteinnahmen. „Das ist die Rendite, die brutto um die fünf Prozent liegt kann“, so Specht.

Um den Verkauf abzuwickeln, bekommt jedes Zimmer ein Grundbuch. Dazu hat der Unternehmer die Kreissparkasse Syke ins Boot geholt. Die Kosten der Einheiten variieren zwischen 100000 und 200000 Euro. Specht verfolgt damit konsequent den damals eingeschlagenen Weg, eine Pflegeeinrichtung in vielen Anteilen zu verkaufen. „Als Käufer kommen Einzelinvestoren genauso in Betracht wie eine Gesellschaft“, sagt Specht. Dieses Modell hatte er erstmals im Haus Rotbuche in Arsten in die Tat umgesetzt. Für die weitere Entwicklung der Residenzgruppe spielte dann die Gemeinde Weyhe eine wichtige Rolle, berichtet Specht. „Pflegeheime brauchen wir nicht in Weyhe, haben die Ratsmitglieder gesagt.“ Specht, der in Hörden mit seiner Familie in einem Vier-Generationenhaus lebte, sah das anders. Schließlich gab der Rat grünes Licht für den Bau der Häuser am Richtweg und an der Bahnhofstraße. Später kam der Lerchenhof dazu. Stets war das Eigentum vom Betrieb der Häuser getrennt.

Eine wichtige Weiche für Spechts Karriere hatte das Weyher Ratsmitglied Günther Borchers (FDP) gestellt. „Ich war damals als Postsekretär in Bremen für die Personalplanung zuständig. Doch das reichte mir nicht“, so Specht. Borchers habe ihn dann zur Vereinigten Postversicherung abgeworben, blickt der Unternehmer zurück. Neben dem klassischen Versicherungsgeschäft kamen dann Baufinanzierungen dazu. Mit Biss und enormem Engagement blieb der Weyher auf der Erfolgsspur.

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