Nabu sitzt mit Querdenkern am Verhandlungstisch

Rettung für den Hombach?

Trotz der Regenfälle der vergangenen Tage führt der Gänsebach kein Wasser mehr in seinem Bett.
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Trotz der Regenfälle der vergangenen Tage führt der Gänsebach kein Wasser mehr in seinem Bett.

Weyhe – Er sorgt sich um die Gewässer in der Region – insbesondere um den im vergangenen Jahr trockengefallenen Hombach. „Ich habe viel Kritik geübt“, blickt Thomas Brugger, Vorsitzender des Naturschutzbundes Weyhe zurück. Jetzt sitzt der Kritiker in der neu gebildeten Arbeitsgruppe Gewässererhaltung – zusammen mit Vertretern von Verwaltung, Politik und Mitarbeitern der Unteren Wasserbehörde sowie der Harzwasserwerke. Das gemeinsame Ziel ist, so formuliert es Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski, kurz- und langfristige Lösungen zu erarbeiten. Um etwas für den Hombach zu erreichen, ist wohl langfristiger Atem notwendig.

Brugger gehe es nicht nur um den Bach, der in der Region Bassum entspringt, sondern auch um andere Gewässer in Weyhe wie das Böttchers Moor und das Schlatt daneben. „Die Fakten sprechen für sich.“

Nicht nur der Niederschlagsmangel sei ursächlich für die fallenden Wasserpegel gewesen, sondern auch die Trinkwassergewinnung in der Region, die wiederum die Grundwasserstände beeinflusst. Brugger erinnert an das vergangene Jahr, in dem auf einer Strecke von sechs Kilometern von Fahrenhorst bis Weyhe der Hombach vollständig ausgetrocknet war. In der Wesergemeinde war damals kein Wasser angekommen – mit schlimmen Folgen (wir berichteten). Die erschreckenden Bilder sind noch präsent: Tote Fische in Wasserpfützen und Muscheln, die nicht mehr von Wasser bedeckt waren. „Das darf uns nicht zu oft passieren, sonst kann man die Gewässer abschreiben“, so Brugger weiter. Bürgermeister Frank Seidel pflichtet ihm bei. Vor einem Jahr hätte er sich den Bach am Mühlenkampgelände und den Gänsebach im Garten des Künstlers Peter Schnibbe angesehen. Er war beeindruckt. „Im negativen Sinn“, fügt der Verwaltungschef dazu. Den Einfluss, den eine Gemeinde nehmen kann, sei aber begrenzter als man erhofft, sagt er nachdenklich. „Wir wollen ran“, betont Seidel. Die Gespräche mit dem Nabu seien konstruktiv gewesen. Die Auswirkungen der Grundwasserabsenkung seien jedenfalls spürbar, sagt Baudirektor Nadrowski. Entscheidungen würden an anderen Stellen gefällt – beim Landkreis zum Beispiel.

Offenbar verhallten die damaligen Hilfeschreie des Nabus nicht: Die nicht-öffentlich tagende Arbeitsgemeinschaft ist laut Nadrowski mit Fachleuten besetzt, die sich zur Daueraufgabe gesetzt hätten, Strukturen kritisch zu hinterfragen. Schließlich müssten Ziele und Maßnahmen entwickelt werden, die dann in die Arbeit der Verwaltung einfließen müssten. Das funktioniere durch eine sofortige und durch eine langfristige Umsteuerung in ganz unterschiedlichen Themenfeldern. Ein Beispiel sei die Trinkwasserförderung, so Brugger. Sie ist einerseits berechtigt, andererseits hat sie auch gravierende Folgen. Sollte zum Beispiel Grundwasser in den südlichen Gemeinden des Nordkreises forciert werden oder die Trinkwassergewinnung im Norden eher zurückgefahren werden? Eine einfache Antwort, weshalb ein Gewässer wie der Hombach trockenfällt, gibt es laut Nadrowski nicht. Die Begründung sei komplex: Bestehende Genehmigungen müssten berücksichtigt werden. Niemand könnte ein Machtwort sprechen, um den Fischen zu helfen. Aber die Tatsache, dass wichtige Beteiligte das Problem erkannt haben, um nun in der neuen Arbeitsgruppe miteinander ins Gespräch zu kommen, sei schon der erste Schritt eines Veränderungsprozesses, ohne aber mit dem Finger auf andere zeigen zu müssen. So könnten sich alle auf Augenhöhe begegnen.

An Ideen mangelt es nicht: Der Hombach-Pegelstand sank von Fahrenhorst bis zur B6-Brücke in Weyhe auf einer Länge von sechs Kilometern um 20 Zentimeter. Würde man den Flusskörper verlängern, etwa durch sogenannte Mäanderschleifen, dann wäre er noch früher trocken, so Brugger. Gemeinden müssten über Grenzen hinweg an einem Strang ziehen.

Neben der Diskussion über die Trinkwassergewinnung müsste man auch über Veränderungen in Sachen Regenwasser nachdenken. Funktioniere das dafür verwendete Kanalsystem? Das müsste geklärt werden.

Brugger hat es jüngst geärgert, dass bei den jüngsten großen Bauprojekten an der Leester Straße große Wassermengen durch Kanäle in den Gänsebach geleitet worden sind. Der kurzfristige Effekt war zwar erfreulich für den Bach, aber dann war das Wasser Richtung Ochtum weg. „Es wäre schön, wenn man das entkoppeln könnte, also Grundwasser wieder dem System hinzugefügt werden könnte.“

Brugger plädierte auch dafür, Entwässerungsgräben mit Schleusen zu versehen. Würde es ein Hochwasser geben, könnten Schieber rechtzeitig geöffnet werden, um Wasser abfließen zu lassen.

Aber auch baulich könnte man etwas erreichen, und zwar langfristig als Gemeinde: Als er vor Jahren nach Weyhe gekommen war, hatte Baudirektor Steffen Nadrowski sich gewundert, dass nur ein Drittel der Straßen an ein Regenwasserkanalnetz angeschlossen sind. Jetzt findet er das nicht mehr verwunderlich. Es böte sich nämlich die Chance, das Wasser dort versickern zu lassen, wo es hinunter kommt. „Wir müssen Querdenken, um Lösungen zu finden.“

Von Sigi Schritt

Anders als vor einem Jahr befindet sich noch Wasser im Hombach.
Wollen den Gewässerschutz in Weyhe noch stärker in den Fokus nehmen: Thomas Brugger, Bürgermeister Frank Seidel, Steffen Nadrowski und Ulf Panten.

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