Mit Respekt für die kleinen unscheinbaren Details

Ausstellung „Wandsichten“ in Sudweyhe eröffnet

+
Thomas Schlosser präsentiert seine Werke in der Sudweyher Wassermühle.

Sudweyhe - Wenn jemand sprichwörtlich vor eine Wand läuft oder mit seinem Auto gegen eine solche kracht, bedeutet dies neben einem Blackout Ärger und Kosten.

Wer aber einen respektvollen Abstand zu einer Wand hält und diesen Blickwinkel mit einer uralten analogen Kamera bannt, könnte ein Mensch mit tiefem Empfinden und Respekt für die kleinen unscheinbaren Details des Alltags sein. Thomas Schlosser gehört zu dieser Kategorie und präsentiert in der Sudweyher Wassermühle seine Fotoausstellung „Wandsichten“.

Entstanden sind die sehr an Malerei erinnernden Fotografien über die Jahre hinweg quer durch Europa auf zahlreichen Reisen. Weyhes stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Söfty gestand in ihren Begrüßungsworten ganz ehrlich: „Ist das ein Foto oder ein Gemälde?“ Denn erst nach einem Näherkommen, gerade so wie der Fotograf und Künstler es mit seinen Objekten auch tat, erschließt sich das Ganze.

Ansichten vom Mars und Engelsflügel

Für den Betrachter beginnt der Spannungsbogen bereits mit dem Betreten der alten Wassermühle. Eine steile Treppe führt nach oben und kostet beim Ankommen erst einmal Atem. Genau richtig, um für Schlossers Bilder innezuhalten und mit Abstand rundum zu schauen. Die Fantasie entwickelt sich beim Betrachten der farbenfrohen Werke in Blitzesschnelle, hält Ansichten vom Mars oder Engelsflügel parat.

„Abstrakt aus der Ferne, realisiert von der Nähe“, wusste Ulrich Breitsprecher, Schulkollege und Kunstfreund über viele Jahre hinweg, in seiner Laudatio um die Wirkung von Schlossers Fotografien. „Ich freue mich, dass Sie ihre vier Wände verlassen haben, um in Sudweyhe Wände anzuschauen“, nahm er das Publikum mit auf den Weg der Entstehungsgeschichte von ins Bild gesetzten Rissen und Mauerlöchern. „Es ist leicht bewölkt, und der Künstler greift zum Stativ, schraubt die Kamera drauf, sucht den Ausschnitt und den Belichtungsmesser, aber dann ziehen Wolken vor die Sonne“.

Ausstellung bis zum 29. Oktober

Mittlerweile seien 15 Minuten vergangen, in denen Ulrich Breitsprecher mit seiner Digitalkamera lockere dreitausend Bilder hätte schießen können. Es brauche eben Zeit, einen besonderen Ausdruck herauszuarbeiten, wobei bei Schlossers Werken der Umraum fehle und entsprechende Fragen danach aufwerfe. „Ich würde gerne die Gebäude und die Landschaften kennenlernen“, stimmte sicherlich so mancher aus dem Publikum ein. Aber dann würden die im besten Licht strahlenden Regenrinnen, die Haken an einer Wand, der Schimmelpilz und die Moose, der blätternde Putz mit dem darunter hervorkommenden Mauerwerk nur noch eine Nebensache werden. Thomas Schlosser hat diesen „Schrammen“, den unschönen Dingen an einer Wand, mit seinem geduldigen Blick durch die analoge Welt mit einem richtigen Film und aufwendigen Vorarbeiten eine neue Wirklichkeit verliehen. „Im Kleinen gibt es noch viele weiße Landschaften, werden Sie zum Entdecker“, forderte Ulrich Breitsprecher das Publikum auf.

Das kann sich noch bis zum 29. Oktober auf diese Reise begeben und sich zudem mit der „Antikensammlung“, dem einzigen Objekt von Thomas Schlosser und seinem großen farbenfreudigen Ölbild auf Leinwand als kleiner Hinweis auf seine vielfältige und oft mit einem Lächeln im Augenwinkel behafteten künstlerischen Bandbreite beschäftigen. ak

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Hunde aus dem Tierheim nach Hause bringen

Hunde aus dem Tierheim nach Hause bringen

Intensives Training am Donnerstag

Intensives Training am Donnerstag

„Tag der Menschen mit Behinderungen“ auf dem Freimarkt

„Tag der Menschen mit Behinderungen“ auf dem Freimarkt

Nachgefragt: Das sind die beliebtesten Gewinne auf dem Freimarkt 

Nachgefragt: Das sind die beliebtesten Gewinne auf dem Freimarkt 

Meistgelesene Artikel

„Sperrung könnte auch länger dauern“

„Sperrung könnte auch länger dauern“

Intercity beschossen? Zug stoppt im Bahnhof Diepholz

Intercity beschossen? Zug stoppt im Bahnhof Diepholz

Ersatzhaltestelle wird aufgehoben

Ersatzhaltestelle wird aufgehoben

Wenn das Leben zum quälenden Rätsel wird

Wenn das Leben zum quälenden Rätsel wird

Kommentare