Pandemie-Probleme

Grundschule Leeste: Rektor will mehr Förderschullehrer

Ein Schild weist den Weg zur Grundschule Leeste.
+
Einige Schüler der Grundschule Leeste werden den Übergang von der vierten in die fünfte Klasse schaffen. Davon geht Rektor Martin Stamnitz aus.

„Kinder dürfen nicht die Verlierer der Pandemie sein“, sagt Martin Stamnitz, Rektor an der Hundertwasser-Grundschule in Leeste. Stamnitz hat viele Ideen, die genau das verhindern sollen.

Weyhe – Martin Stamnitz, Rektor an der Hundertwasser-Grundschule in Leeste, ist sicher, dass seine Schule in der Coronakrise trotz fehlendem Präsenzunterricht und Homeschooling den Viertklässlern in wenigen Wochen einen reibungslosen Übergang in die nächsthöhere Schule ermöglichen wird.

Sie würden den Übergang zum Beispiel in die KGS Leeste schaffen, sagt er. „Trotz der widrigen Rahmenbedingungen“, fügt der Rektor hinzu.

Mit welchen Mitteln will die Schule das Ziel eines reibungslosen Übergangs erreichen? Das sei deshalb möglich, weil die Lehrer der Schule „mit viel Passion“ den Mädchen und Jungen individuelle Hilfestellungen geben, sagt Stamnitz. Er würde gerne zusätzlich auf die Hilfe von Förderlehrern setzen, um die Pandemie aufzuarbeiten. Doch das gehe nicht, weil es ein weiteres Problem gibt, was zuvor erst gelöst werden müsse und ein größeres Themenfeld betrifft. Die Arbeit der Förderschullehrer sei nicht nur für die Inklusion wichtig, sondern es gehe darum, dass alle Schüler davon profitieren. Deshalb wünscht sich der Rektor, dass die Schulverwaltung nachsteuert.

Im gesamten Landkreis sei die Förderschullehrerversorgung bei 50 Prozent, so Stamnitz. Das habe direkte Auswirkungen auf alle anderen Schulen. Die Herausforderungen, die es in Leeste gibt, gebe es auch an anderen Grundschulen in Niedersachsen, sagt Stamnitz. Deshalb sehe er Leeste als Durchschnittschule.

Wie die Quote des Förderunterrichts für Leeste aussieht? Der Leester Grundschule würde nach einer Bedarfsberechnung 32 Stunden zustehen, gegeben würden aber nur 16. In Leeste gebe es neun Kinder, die laut Stamnitz einen diagnostizierten Förderbedarf haben.

Berechnung der Landesschulbehörde

Stamnitz erklärt die komplizierte Berechnung der Landesschulbehörde: Grundsätzlich bekomme jede Klasse je zwei Stunden. Bei drei Klassen je Jahrgang in Leeste heißt das, dass der Schule grundsätzlich 24 Förder-Schulstunden zustehen, unabhängig von der Anzahl der Kinder mit Förderbedarf. Doch das sei nicht alles.

Für die Rechnung müsse man laut Stamnitz noch zusätzlich schauen, wie viele Förderschulstunden der betroffenen Kinder in der Schule zustehen. Jetzt werde es ein wenig kompliziert, denn nicht alle Kinder, die einen Förderbedarf haben, seien für die Rechnung der Landesschulbehörde relevant.

So bekommen Kinder, die etwa eine sozial-emotionale Schwäche aufweisen, keine extra Betreuungsstunde. Für die Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Lernen haben, würde die Schule ebenfalls keine Extra-Stunden bekommen. Aber für die Kinder, die hör- oder sehbehindert sind, würden drei Stunden extra dazugerechnet. Das gleiche gelte für Mädchen oder Jungen, die Defizite in der Motorik haben.

Förderbedarf in der Pandemie

Weiterhin würde die Schule pro Kind, was geistig behindert ist, fünf Stunden Förderunterricht dazubekommen.

In der Grundschule kämen alle Kinder mit allen Förderbedarfen zusammen. Das sei auch gut so, das nenne man Inklusion, sagt er. Stamnitz will nicht konkreter werden, welche Förderbedarfe die Schüler in Leeste haben und welche sich auf die Anzahl der Förderunterrichtsstunden auswirken und welche nicht. Doch unterm Strich würden der Schule neben den 24 Stunden noch weitere acht zustehen.

Nun sei es aber so, dass nicht nur die Mädchen und Jungen mit diagnostiziertem Förderbedarf in der Pandemie zusätzliche Lernschwächen aufgewiesen hätten, sondern auch andere Schüler. Insgesamt besuchen in den vier Jahrgängen 255 Kinder die Hundertwasser-Grundschule.

Welche Pläne hat Stamnitz? Um die Pandemie nachzubereiten, würde er mehr Förderschullehrer einsetzen wollen, doch es gebe in Leeste nur zwei mit jeweils 16 Stunden je Woche. Würde eine Kraft laut Stamnitz statt halbtags zu arbeiten wieder in Vollzeit tätig sein, so würde sie zusätzlich an eine andere Schule abgeordnet.

Deshalb bleibe den Klassenlehrern derzeit nur der Ausweg, Überstunden zu machen und persönliche Wege zu finden, um die Defizite der Schüler auszugleichen.

Zu diesem Thema habe Martin Stamnitz den CDU-Landtagsabgeordneten Volker Meyer eingeladen und auch Gespräche mit dem Landrat Cord Bockhop geführt. Er biete sich der Politik und den Behörden an, Lösungen nicht nur für seine, sondern auch für andere Grundschulen zu erarbeiten.

Schon jetzt plädiert Martin Stamnitz, die Strukturen für die Ausbildung der Förderschullehrkräfte den Bedürfnissen anzupassen.

Kapazitäten müssen erhöht werden

Was er damit meint? Es müssten die Kapazitäten erhöht werden. Der Beruf sei auch finanziell attraktiv. Diese Lehrer würden wie Gymnasialkräfte bezahlt. Es gebe auch genug Interessenten für diesen Studiengang, aber die Zahl der Plätze müsste erhöht werden. Das bedeute aber auch, dass die Unis das Lehrpersonal aufstocken müsse. „Die Lehrer in den Schulen, wollen eine Perspektive sehen, die ist momentan mau, obwohl die Probleme auf dem Tisch liegen.“

Außerdem müssten Mittel für Nachhilfe bewilligt werden, denn es gelte, die Lerndefizite der Grundschüler jetzt auszugleichen.

An was Stamnitz denkt? „Es finden sich bestimmt Menschen, die als pädagogische Mitarbeiter eingestellt werden können und es auch wollen.“ In der Umgebung von Universitäten sollten zum Beispiel Lehramts-Studenten in die Schulen eingebunden werden. Sie müssten für ihre Dienste mehr Geld bekommen als zum Beispiel durchs Kellnern.

Für die Leester Schule sei es zudem wichtig, dass die Ausstattung in Sachen Förderunterricht stimmt. Stamnitz wünscht sich, dass alle Differenzierungsräume nicht nur von den Klassenräumen, sondern auch vom Flur aus erreichbar seien sollen. Das ist in Leeste nicht der Fall. Aber er habe an die Gemeinde einen Antrag gestellt, um dieses Defizit auszugleichen. Denn bei einem Schulneubau wäre das eine Vorgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Meistgelesene Artikel

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio
Leester Straße in Weyhe wird verbreitert: „Ohne Behinderungen geht es nicht“

Leester Straße in Weyhe wird verbreitert: „Ohne Behinderungen geht es nicht“

Leester Straße in Weyhe wird verbreitert: „Ohne Behinderungen geht es nicht“
Genossenschaft will in Schwarme fünf Millionen Euro in Schlachthof investieren

Genossenschaft will in Schwarme fünf Millionen Euro in Schlachthof investieren

Genossenschaft will in Schwarme fünf Millionen Euro in Schlachthof investieren
Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse

Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse

Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse

Kommentare