Demo für die Tourismus-Branche

„Supergau für die Touristik“: Verlängerung der Reisewarnung trifft Reisebüros hart

Weyhe - Ihr Optimismus ist ansteckend, obwohl ihnen offenbar das Wasser bis zum Hals steht. Egal, ob Unternehmerin oder Angestellte – Mitarbeiterinnen der Weyher Reisebüros sind gewillt, die von der Corona-Krise ausgelöste wirtschaftliche Katastrophe zu überstehen. Das hat eine Umfrage am Mittwoch ergeben.

Nach den Schilderungen der Reisevermittlerinnen aus Kirchweyhe und Leeste hat die weltweite Sars-CoV-2-Pandemie ihre Unternehmen in Weyhe tief getroffen und in der Folge arg gebeutelt – mit möglichen weitreichenden Konsequenzen. Deshalb unterstützen die Reisebüros der Wesergemeinde die Demonstrationen in Deutschland. Auch die Weyher machten sich auf den Weg – sowohl in die nahe Hansestadt Bremen als auch nach Hannover in die niedersächsische Landeshauptstadt. „Wir beteiligen uns an den Demos“, sagt Anke Gerlach, Inhaberin des gleichnamigen Büros in Weyhe. Sie und ihre Mitstreiter möchten, dass die Politik auf die Nöte der rund 10.000 Büros aufmerksam wird, wenn sie von der Reisebranche spricht. Die Reisebüros benötigen spezielle Hilfen, wünschen sich nicht nur Anke Gerlach, sondern auch Unternehmerin Rita Schmittat vom TUI Reisecenter Weyhe, Unternehmerin Peggy Koppisch (Ihr Reisekontor) sowie die Reiseverkehrskauffrau Bianca Dunker-Franke (Reise-Center Kirchweyhe).

Die Proteste sind laut Anke Gerlach deshalb wichtig, weil die kleinen Reisebüros „übersehen“ werden. Mindestens 50 Prozent bleiben auf der Strecke. Rita Schmittat spricht sogar von 80 Prozent. Das würde für Weyhe eine ungewollte Marktbereinigung bedeuten. Peggy Koppisch gibt sich kämpferisch: Rechnerisch müssten auch in Weyhe Geschäfte Insolvenz anmelden, aber diese „Marktbereinigung“ sehe sie nicht in der Wesergemeinde. „Wir werden alle überleben. Wir möchten aus dem Kollegenkreis niemanden missen“, sagt sie. Nur sie und eine andere Inhaberin würden das Leester Büro betreiben. Sie hätten relativ schlanke Kosten, aber jetzt würde nichts mehr verdient und die ausgesprochene Reisewarnung bis Juni mache die Sache nicht leichter, so Koppisch.

Demonstriert in Hannover: Rita Schmittat vom TUI Reisecenter Weyhe (links).

Die Lage sehe in der Wesergemeinde überall gleich aus, zeigte die Umfrage: Die Mitarbeiter der Reisebüros könnten keine neuen Reisen verkaufen, und zudem müssten von den Veranstaltern erhaltene Provisionen zurückgezahlt werden, wenn die Reisen für die Kunden rückabgewickelt werden müssen. Für die Rückabwicklung gibt es kein Geld. Die Provisionszahlungen sind aber die Lebensgrundlage eines jeden Reisebüros, so Anke Gerlach. Sie und ihre Mitbewerber fordern die Politik auf, mindestens die Hälfte zu übernehmen. Außerdem müssten Soforthilfen verlängert werden. Einen offenen Brief zu diesem Thema hat sie an den Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig sowie an die Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben.

„Wir dachten schon, wir hatten 2019 ein Minus-Jahr und schlimmer kann es nicht werden“, sagt die Unternehmerin Anke Gerlach, die zehn Mitarbeiter beschäftigt. „Doch! Dann kam Corona.“

Unterstützen die Proteste: Peggy Koppisch (links) und Michaela Kraatz.

Anke Gerlach findet es richtig, dass ihre Tochter Tina sowie ihre Büroleiterin in Bremen protestieren. Sie selbst blickt zurück: Vor etwas mehr als einem Jahr mussten die Mitarbeiter ihres Unternehmens bereits die Insolvenz der Fluglinie Germania wegstecken, sagt sie. Viele Flüge gingen ab Bremen, und diese mussten laut Gerlach umgebucht werden. „Die eigentlichen Sommerabflüge fielen ja aus“, erklärt Gerlach. Die Veranstalter hätten die Arbeit auf die Reisebüros abgewälzt, zum Beispiel die Kunden auf Alternativflüge umzuverteilen. Das bedeutete unbezahlte Extra-Arbeit. Mehr noch: Außerdem musste auf ein Teil der Provisionszahlungen zurückgezahlt werden. Das war ein fünfstelliger Betrag, so Gerlach.

Dann sei der 23. September gekommen: Dieses Datum sei für Gerlach noch sehr präsent. „Die Insolvenz des Veranstalters Thomas Cook war ein richtiger Härtefall“, schildert Gerlach, zumal sie auch als Thomas-Cook-Reisebüro zahlreiche Urlaube vermittelt hat. Die Rückabwicklung so mancher Reise hat wieder einen fünfstelligen Betrag an Provisionszahlungen gekostet.

Verlängerung der Reisewarnung ein „Supergau für die Touristik“

Die aktuelle Verlängerung der Reisewarnung durch die Bundesregierung bezeichnet Bianca Dunker-Franke vom Reisecenter Kirchweyhe als „Supergau für die Touristik“. Reisen und Kreuzfahrten buche jetzt kein Mensch, sagt sie. Sie findet es wichtig, dass die Reisebüro-Mitarbeiter in Deutschland auf die Straße gehen. Sie habe schon viele Videos gesehen – von Demos etwa in Dresden oder anderswo – mit beeindruckenden Plakaten von „kreativen Köpfen“. Die Botschaften lauten: „Rettet die Reisebüros – wir sind Touristik“ und „Tourismus hält die Welt zusammen – rettet die Reisebranche“. „Beeindruckt hat mich der Zusammenhalt. Eine eilig geöffnete Facebook-Gruppe der Protestler sei auf mehrere Tausend Menschen angewiesen“, so Dunker-Franke.

Reisebüros demonstrieren vor dem Bremer Rathaus 

50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski
50 Mitarbeiter und Inhaber von Reisebüros aus Bremen und Umgebung versammelten sich am Mittwoch vor dem Bremer Rathaus. © Martin Kowalewski

Wenn die Lage so ernst ist, weshalb versprühen alle Reiseverkehrskaufleute Energie? „Wir müssen positiv bleiben, so Anke Gerlach. Man kämpfe sich jeden Tag aus dem Bett heraus und kümmere sich um die Belange der Kunden.

„Aufgeben ist keine Option“ in der Corona-Krise

„Aufgeben ist keine Option“, sagt sie. Die Unternehmerin habe privat und auch geschäftlich einige Dinge erlebt. „Es muss weitergehen. Auch das werden wir hinbekommen.“ Durch Jammern wird gar nichts besser, stimmt Bianca Dunker-Franke zu.

Eine gute Stimmung in angespannter Lage verbreitet auch Peggy Koppisch. Das liege daran, dass ihre Kunden positiv eingestellt seien. „Sie geben einem das Gefühl, gebraucht zu werden, bringen sogar Süßigkeiten mit, geben sich verständnisvoll und sagen, dass sie Umbuchungen akzeptieren.“

Einen Lichtblick biete die neu gegründete Initiative Deutschland-mein-Urlaub.de, die sich aus der Facebook-Protest-Gruppe entwickelt hat: Reisebüros wollen Hotels in Deutschland vermarkten, damit zumindest ein Sommerurlaub in den Bundesländern gelingt.

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