„Verspielt“ – im Liegen, Sitzen, Stehen

„Queenz of Piano“ begeistern in Leeste

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Was Klaviersiel mit Akrobatik zu tun hat, demonstriert „Queen“ Anne Folger.

Leeste - Von Uwe Goldschmidt. Wahrhaft königlich präsentierten sich am Freitagabend die „Queenz of Piano“ im Forum der KGS Leeste. Die beiden brillanten Pianistinnen begeisterten mit einer vielfältigen Mischung aus Klassik, Pop, Rock und Filmmusik, dargeboten mit akrobatischen Einlagen, einer großen Portion Humor und viel Charme.

Schon der Bühnenaufbau hatte eine Herausforderung für das Team um die Musikerinnen Anne Folger und Jennifer Rüth dargestellt. Schließlich galt es zum vorhandenen Konzertflügel der Schule noch einen zweiten auf die Bühne zu schaffen (zwei davon haben die beiden immer im Gepäck) und diese auf eine gemeinsame Stimmung zu bringen. Eine in diesem Fall rund dreistündige Prozedur, die Matthias Bettich, aus Bramsche übernommen hatte, der die beiden verspielten Königinnen bundesweit begleitet.

„Verspielt“ heißt dann auch doppeldeutig das aktuelle Programm, das die beiden aus Süddeutschland stammenden Konzertpianistinnen mitgebracht hatten. „Zum einen sind wir auf der Bühne halt ziemlich verspielt, zum anderen gibt es auf der Welt so viel Schönes, das aus Missgeschicken oder Fehlern entstanden ist“, verriet Folger den Zuhörern. So gebe es in der Musik sogar Instrumente, die so entstanden seien, etwa das Theremin. Es entstand einst als Fehlkonstruktion; eigentlich wollte Leon Theremin für den russischen Geheimdienst ein Abhörgerät bauen, das dann aber ständig pfiff.

Akteurinnen spielen im Stehen, rücklings auf der Klavierbank und über Kopf

Dass die „Queenz“ absolute Könnerinnen ihres Faches sind, zeigten sie bereits mit dem ersten Stück des Abends: Wolfgang Amadeus Mozarts 40. Symphonie. Beherzt gingen die beiden hier zur Sache und interpretierten den Komponisten fulminant und dynamisch. Hauptsächlich wurde an diesem Abend aber leichtere Kost gereicht. Zum Einsatz kam dann auch das bereits erwähnte Theremin. Jennifer Rüth „spielte“ darauf die bekannte Titelmelodie der ersten Raumschiff-Enterprise-Folgen.

Nach der Devise frech, forsch, fröhlich, frei turnen die beiden Akteurinnen an den Flügeln, spielen im Stehen, legen sich rücklings auf die Klavierbank und agieren über Kopf oder bearbeiten die Tasten, während die Beine lässig übereinander geschlagen auf der Tastatur ruhen.

Eine Reise durch Zeit und Raum bescherten die temperamentvollen Stilwechsel. So lässt das Duo den Malboro-Mann zur Melodie „Die Glorreichen Sieben“ durch Death Valley reiten, reist vierhändig durch Brasilien oder mit „Minnie the Moocher“ in die Jazzclubs des frühen 20. Jahrhunderts.

Einsatz von Chipsdose, Eisennägeln und Milchaufschäumer

Aus dem Mix von europäischer Sieben-Ton-Musik und afrikanischer Fünf-Ton-Musik sei der Blues hervorgegangen, war zu hören. Ebenso – verbunden mit einem politischen Seitenhieb – das: „Manche Leute meinen, es würden drei Töne reichen: a, f und d.“

Viel Applaus gab es auch für die Verschmelzung von von Beethovens „Ode an die Freude“ mit dem Popsong „Happy“, aus denen ein lebendiges Stimmungslied wurde. Nicht zuletzt gehörten zahlreiche Alltagsgegenstände zum Fundus der Pianistinnen. So fehlten eine Chipsdose oder Eisennägel ebenso wenig wie ein elektrischer Milchaufschäumer, der die Klaviersaiten klanglich in eine Zither verwandelt.

Den Abschluss des Abends mit rasanter Spieltechnik, akrobatischen Einlagen und viel Gesang sollte der Coldplay-Hit „Viva la Vida“ bilden. Allerdings durften die Künstlerinnen die begeisterten Zuhörer nicht ohne Zugabe verlassen, die internationale Wiegenlieder vereinte.

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