The Cast präseniert Opernmusik revolutionär, humorvoll und erotisch

Puccini, Verdi und Mozart als Rockstars

Die Sängerinnen und Sänger interpretierten Arien, Duette und Chöre aus der Feder großer Komponisten.

Weyhe - Von Uwe Goldschmidt. Liebe, Rache und Poesie – sind der Stoff für die Bühnenshow der Opernband The Cast, die am Samstagabend bereits das zweite Mal in Weyhe zu Gast gewesen ist. Puccini, Verdi und Mozart als Rockstars? Folgt man der Show des Ensembles werden daran alle Zweifel zerstreut. Unbekümmert, aufregend und hinreißend sinnlich verpassten die Musiker der Vergangenheit und ihren Meisterwerken ein neues Outfit.

Die sechs hochkarätigen Vokalartisten aus fünf unterschiedlichen Staaten und ihr chinesischer Pianist Yu Chen präsentierten Opernmusik revolutionär, humorvoll und vor allem sehr erotisch. Das bunt gemischte Publikum im ausverkauften Forum der Kooperativen Gesamtschule Kirchweyhe hatte viel Spaß beim Höhenfeuerwerk der Melodien.

Augenzwinkernd und mit reichlich frischem Wind interpretierten die Sängerinnen und Sänger raffiniert und hochvirtuos herrliche Arien, Duette und Chöre aus der Feder großer Komponisten. Die großen Stimmen, die einfallsreichen theatralen Elemente, die aufreizende Glitzer-Kleidung und die schönen Momente konnten auf Smartphones festgehalten werden. Der Funke der Begeisterung sprang bereits bei der Anmoderation ins Publikum über. Als das Publikum aufgefordert wurde, mitzusingen, mitzuklatschen oder gar Unterwäsche auf die Bühne zu werfen, wobei von Letzterem jedoch kein Gebrauch gemacht wurde.

Gemeinsam interpretierten Mezzosopranistin Anne Byrne sowie die beiden Sopranistinnen Alexandra Zarubina und Carrieanne Winter mit Bass Campbell Vertesi, Bariton Till Bleckwedel und Tenor Rolando Guy das populäre Auftrittslied des Figaro „Largo al factotum“ aus Gioachino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“.

Gewitzt und pfiffig bekamen die Storys einen eigenen Dreh. Hitzig und kampfeslustig stritten sich gleich zwei Mozart‘sche Don Giovannis (Till Bleckwedel/Grzegorz Sobczak) um die Gunst der sich kokett zierenden, geschmeichelten Braut, um die Frau am Ende zu vergessen und sich selbst verliebt in den Armen zu liegen. Händels Cleopatra (Carrieanne Winter) zeigte sich als starke, machtbesessene Frau, die die „Puppen“, sprich ihre Mitstreiter, nach Lust und Laune tanzen ließ – und der Zigeunerchor aus Verdis „Troubadour“ sah sich unversehens mit einem „We will rock you“-Rhythmus unterlegt. In Hände- und Füßeleute unterschieden, klatschen und stampften die Zuschauer den zum Chor gehörenden Zigeuneramboss gleich mit.

Es gab in der mitreißenden Show der Opernsänger anrührende Momente wie beim Wiegenlied „O mio babbino caro“ von Puccini, sanft und herzzerreißend von den drei Sopranistinnen vorgetragen.

„Wir bedürfen so sehr der Liebe. Die Liebe kann man nicht suchen, nur finden“, so leitete die seit einem Jahr in Berlin lebende Russin Alexandra Zarubina zu ihren Solo „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“, der erfolgreichsten Oper von Antonín Dvorák, ein. Tiefe Sehnsucht kam hier im schnörkellosen Vortrag voller Emotion zum Ausdruck, der mit viel Applaus bedacht wurde.

Es gab Dramatik, als die Zigeunerin Azucena (Anne Byrne) aus Rache das falsche Baby ins Feuer warf. Und es gab Romantik, als Guillermo Valdez auf Freiersfüßen wandelte – und sich dabei suchend unter das Publikum mischte und leidenschaftlich vor einer angebeteten Zuschauerin kniete, um ihr seine Liebe zu beteuern. Viel Applaus gab es nach Yu Chen’s rasanter mit Jazzelementen angereicherten Interpretation auf dem Flügel von Mozarts „Rondo alla Turca“.

Das Publikum fordert am Ende eine Zugabe mit Standing Ovations. Die mit „Lippen schweigen“ aus „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár prompt gegeben wurde. „Wenn es euch gefallen hat, dann erzählt euren Freunden davon, erzählt eurer Familie davon, erzählt Fremden auf der Straße davon. Wenn es euch nicht gefallen hat, dann erzählt euren Feinden davon.“ An diesem Abend hat es allen gefallen.

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