Protestzug durch Weyhe: Erzieherinnen fordern mehr Anerkennung und Geld

„Altersarmut ist eine persönliche Bedrohung“

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Erzieherinnen demonstrieren vor dem Rathaus.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Knapp 150 Erzieher-innen und Erzieher haben gestern Morgen in Weyhe demonstriert. Sie trafen sich am Marktplatz und zogen über die Bahnhof- und Hauptstraße zum Rathaus.

Den rund 150 Meter langen Tross begleiteten auch einige Eltern mit ihren Kindern. „Wir sind Kita Weyhe. Aufwertung jetzt für alle“, riefen die Demonstranten in Sprechchören. Auf ihrem Weg reckten die Angestellten der Gemeinde zahlreiche selbstgemachte Transparente in die Höhe. „Erzieher/in aus Leidenschaft – ein Beruf der Leiden schafft“ war etwa ebenso zu lesen wie „Erzieherinnen sind wie Dessous – Spitzenqualität für einen Hauch von nichts!“ und „Wenn du meinst, Bildung ist zu teuer, probiere es mit Dummheit.“

Applaus brandete auf, als Bürgermeister Andreas Bovenschulte auf die Demonstranten zuging. Doch er ließ den Erzieherinnen den Vortritt am Micro, die bessere Arbeitsbedingungen forderten. Sie setzten sich für gute Arbeitsbedingungen ein und wünschten sich kleinere Gruppen, mehr Mitarbeiter und Räume sowie eine bessere Ausbildung und Bezahlung.

Gegenüber Bürgermeister Bovenschulte schilderte eine Erzieherin ihre enorme Angst vor der Zukunft. „Altersarmut ist eine persönliche Bedrohung.“ Ihr Rentenanspruch belaufe sich nach bisherigem Stand auf weniger als 450 Euro im Monat, obwohl sie auf 33 Jahre Berufserfahrungen zurückblicken kann – in Teilzeit, Vollzeit oder auch als Selbstständige und als Mutter selbst Kinder groß gezogen hat. Bei der Berechnung seien bereits diese Erziehungszeiten angerechnet. Würden diese aber wegfallen, so liege ihr Anspruch lediglich bei knapp über 200 Euro. Auch andere Kolleginnen befürchten zu geringe Renteneinkünfte und hätten Angst vor Altersarmut. Eine andere Erzieherin, Simone Holmes von der Krippe Hombachstraße, ergänzte, dass Kolleginnen derzeit zu ihrer eigentlichen Tätigkeit einen Nebenjob ausüben müssten, weil das Einkommen nicht reiche, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie kritisierte, dass sich in den zurückliegenden Jahren an der finanziellen Situation in dem Arbeitsgebiet „nichts verändert“ habe.

Seit vier Jahren arbeitet Sarah Jarchow als Erzieherin und ist seit rund zwölf Monaten im Haus der Krippenkinder beschäftigt. Sie wünscht sich, mehr Zeit für den Austausch mit erfahrenen Kolleginnen zu haben, um davon noch mehr profitieren zu können.

Als kommunaler Arbeitgeber äußerte Bürgermeister Andreas Bovenschulte Verständnis für die Demonstranten. „Ein Streik ist ein demokratisches Grundrecht. Ich habe gelernt, dass das zu respektieren ist“, so der Bürgermeister. Er wies aber auch darauf hin, dass die Gemeinde mit erheblichen Mehrkosten rechnen müsse. Dennoch forderte der Vater von zwei Töchtern vom kommunalen Arbeitgeberverband, dass dieser „nachlegt“ und einen vernünftigen Kompromissvorschlag präsentiere.

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