Projektleiter erläutert Erfolg

Weyher Einwohner-Ticket: Fahrgastzahlen steigen um 18 Prozent

Die Grafik der Weyher Gemeindeverwaltung zeigt es: Die Nachfrage nach Mia-Abo-Tickets steigt.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Die Fridays-for-Future-Bewegung demonstriert Freitag auf dem Weyher Marktplatz für das Weltklima. Um den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu vermindern, muss jeder einen stärkeren Beitrag als bislang leisten.

Politik und Verwaltung gehen zumindest in Sachen ÖPNV neue Wege: Analog zum Job-Ticket gibt es ein Einwohner-Ticket. Damit schreibt die Gemeinde an einer Erfolgsgeschichte, für die sich jetzt sogar andere Kommunen interessieren. Max Serzisko leitet das Projekt in der Weyher Gemeindeverwaltung.

Jahrelang gab es für Bus- und Bahn-Tickets nur einen Trend: Preise rauf. Was ist jetzt mit dem Einwohner-Ticket anders?

Im Rahmen des Einwohner-Tickets „Mia für Weyhe“ zahlt die Gemeinde den Bürgern, die regelmäßig den ÖPNV nutzen und ein Mia-Abo haben, einen Zuschuss. Dieser beträgt 15 Prozent und ist unabhängig von der gewählten Preisstufe und möglichen Änderungen an den Tarifbestimmungen des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen. Auf mögliche Preiserhöhungen während des Projektzeitraumes hat die Gemeinde Weyhe keinen Einfluss, der Zuschuss beträgt aber immer 15 Prozent der gezahlten Kosten.

Steigen wegen des Weyher Einwohner-Tickets mehr Menschen auf den ÖPNV um?

Die Zahl der verkauften Mia-Abos in Weyhe ist seit dem Projektstart deutlich gestiegen – um 95. Aktuell werden mehr Mia-Abos genutzt als noch vor dem Projektstart, was einem Plus von 18 Prozent entspricht. Dass „Mia für Weyhe“ so gut ankommt, freut uns natürlich sehr.

Wie bekommen die ÖPNV-Nutzer 15 Prozent der Ticketkosten zurück?

Ende September endet der erste Abrechnungszeitraum des Einwohner-Tickets. Dann erhalten die Weyher Mia-Kunden automatisch per Post eine Bescheinigung der BSAG über den Betrag, den sie den vergangenen zwölf Monaten für das Ticket gezahlt haben. Um den Zuschuss geltend zu machen, muss einfach ein beiliegendes Formular ausgefüllt und bei der Gemeinde eingereicht werden. Die Überweisung kommt dann direkt von der Gemeinde. Alle Details werden in einem Anschreiben erläutert. Bis die Bürger dieses erhalten, muss nichts unternommen werden.

Pendler setzen auf die Bahn.

Wann wird aus einem Zuschuss-Modell ein Modell, das sich wirtschaftlich trägt?

Ein Erfolg wäre, wenn die Höhe der ausgezahlten Zuschüsse durch die Mehreinnahmen durch zusätzlich verkaufte Mia-Abos kompensiert wird. Es muss jedoch beachtet werden, dass bei einem sehr starken Anstieg der Nutzerzahlen auch die Kosten steigen können, beispielsweise wenn zusätzliche Fahrten angeboten oder neue Fahrzeuge angeschafft werden müssen. Dies würde aber wiederum das Angebot noch attraktiver machen.

Beim Start des Projektes sollten netto 100 Abo-Tickets mehr verkauft werden, damit sich das Projekt aus Weyher Sicht kostenneutral ist. Erreichen Sie das Ziel vorzeitig?

Wir hoffen, dass der Trend anhält und wir die 100-Abo-Marke bald erreichen. Dass dies voraussichtlich so schnell gelingt, überrascht auch uns.

Ist das Weyher Modell ein Erfolgsmodell, für das sich auch andere Kommunen interessieren?

„Mia für Weyhe“ ist ein auf zwei Jahre angelegtes Modellprojekt im Rahmen des Kommunalverbundes Niedersachsen/Bremen und wird durch den VBN sowie den ZVBN (Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen) unterstützt. Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie die Preisgestaltung die Attraktivität des ÖPNV-Angebots befördert. Bislang ist das Einwohner-Ticket ein voller Erfolg. Dies zeigt sich an der hohen Anzahl der neuen Mia-Abos, aber auch an den vielen positiven Rückmeldungen, die aus der Bevölkerung kommen. Dadurch ist das Modell natürlich auch für andere Kommunen interessant. Kollegen aus anderen Rathäusern haben sich bereits nach unseren Erfahrungen erkundigt.

Würden Kommunen mit sinkenden Ticket-Preisen die Verkehrswende schaffen und so für eine Entlastung auf den Straßen sorgen?

Wenn aufgrund von günstigeren Ticketpreisen mehr Menschen vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen, entlastet dies die Straßen und schafft einen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität. Ein attraktiver ÖPNV, zu dem auch verbesserte Taktzeiten oder barrierefreie Haltestellen gehören, ist aber nur ein Baustein der Verkehrswende. Insgesamt geht es darum, unnötige Verkehre zu vermeiden und die notwendigen Verkehre auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu verlagern. Dies aber kann eine Kommune nicht allein bewerkstelligen. Hierzu bedarf es eines gesamtgesellschaftlichen Umdenkens.

Die Gemeinde will, dass Kinder und Jugendliche kostenlos mit dem Bus- und der Bahn fahren. Wie ist der Sachstand zu diesem Thema?

Am 12. Februar hat der Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt den Bürgermeister beauftragt, mit dem VBN und dem ZVBN ein Konzept zur Finanzierung und zur Umsetzung einer kostenfreien Nutzung des ÖPNV durch Weyher Kinder und Jugendliche zu erarbeiten. Erste Gespräche wurden hierzu bereits geführt.

Oberstufenschüler sind von dem Gratis-Transport noch ausgeschlossen. Wäre es möglich, dass die angehenden Abiturienten ein Semesterticket von der Uni bekommen könnten? Was müssten die Oberstufenschüler im Monat bezahlen, wenn alle mitmachen würden?

Auf den ersten Blick ist das ein reizvolles Modell, das in der Praxis kaum umsetzbar ist. Das Semesterticket ist an die Mitgliedschaft in der verfassten Studierendenschaft geknüpft, die Finanzierung erfolgt über die Semesterbeiträge der Uni. Um ein Semesterticket zu erhalten, muss man an der Uni eingeschrieben sein.

Würde jeder Autofahrer ein Flatrate-Ticket in der Geldbörse haben, würde die Hemmschwelle, für kurze Wege die Busse und Bahnen zu nehmen, sicherlich niedrig sein. Haben Sie mal durchgerechnet, wie hoch die Umlage auf jeden Autoeigentümer wäre?

Ein umlagefinanzierter Flatrate- oder ticketfreier ÖPNV würde die Fahrgastzahlen sicherlich enorm steigern und Bus- und Bahn attraktiver machen. Wie hoch eine solche Umlage für alle volljährigen Bürger sein könnte, hat die Initiative „Einfach Einsteigen“ für Bremen berechnet. Für Weyhe gibt es ein solches Konzept aber nicht.

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