Vieles geht schief

Weyher Physiotherapeuten-Schule will Schüler mit neuem Konzept besser vorbereiten

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Hannah Müller und Jakob Raub wollen Physiotherapeuten werden. Sie sind Schüler der Ludwig Fresenius Schulen Weyhe.

Weyhe - Von Katharina Schmidt. „Man hat sich da so durchgezittert“  – mit diesen Worten beschreibt Patrick Jeske sein erstes Praktikum im Rahmen seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten. Nachdem er zuvor nur Theorieunterricht gehabt hatte, sollte er bei Patienten Hand anlegen. Das Problem: Dabei war er weitestgehend auf sich alleine gestellt.

Sein Praktikum liegt schon ein paar Jahre zurück. Mittlerweile ist er 28 Jahre alt und einer von drei Leitern der Ludwig Fresenius Schulen Weyhe, einem noch jungen Berufsschulstandort für Altenpflege, Ergotherapie und Physiotherapie. Daran, dass angehende Physiotherapeuten bei ihrem ersten Praktikum oft ins kalte Wasser geworfen werden, hat sich ihm zufolge nichts geändert.

„Die Schüler sind noch blutjung, haben noch nie einen Patienten angefasst“, führt er aus. Trotzdem übernähmen sie im Praktikum – der erste Ausflug in die Praxis führt sie in der Regel in ein Krankenhaus – häufig die Arbeit von fertig ausgebildeten Physiotherapeuten. Um den Nachwuchs bei den ersten Handgriffen richtig zu begleiten, fehle in Kliniken oft das Personal. Laut Jeske hat das zur Folge, dass viele Behandlungen schiefgehen.

Patrick  Jeske

Um das zu ändern, ermöglichen die Ludwig Fresenius Schulen Weyhe ihren Physiotherapieschülern nun Unterricht direkt am Patienten. Ein Mal pro Woche besuchen die derzeit 20 jungen Frauen und Männer von der privat finanzierten Bildungseinrichtung für ein paar Stunden die Huchtinger Praxis des Reha-Weyhe-Teams. Mitarbeiter zeigen ihnen dort an echten Patienten, wie Physiotherapie in der Praxis funktioniert. Die Nachwuchskräfte dürfen auch selbst behandeln. Anders als in vielen Praktika haben sie dabei Experten an ihrer Seite.

Das Prinzip klingt banal. Laut dem Schuleiter ist es in Deutschland aber sehr selten, wenn nicht sogar einzigartig. Dass die Branchen-Fachzeitschrift „pt“ einen Bericht über die Vorgehensweise der Ludwig Fresenius Schulen Weyhe angekündigt hat, bestätigt seine Aussage.

„Ich habe die Idee von den Holländern geklaut“

Wobei – ganz neu ist das Prinzip mit dem Unterricht direkt am Patienten nicht. „Ich habe die Idee von den Holländern geklaut“, verrät Jeske. Der gelernte Physiotherapeut hat seine Kenntnisse über den menschlichen Körper bei einem Studium in dem Nachbarland vertieft.

Die Patienten, an denen die Schüler ihr Wissen praktisch erproben können, wissen im Vorfeld, was auf sie zukommt. Als Dank dafür, dass sie ihren Körper für Lehrzwecke zur Verfügung stellen, bekommen sie eine Gratisbehandlung.

Auch die kooperierende Praxis profitiert davon, dass sie für die Ludwig Fresenius Schulen regelmäßig kostenlos Mitarbeiter abstellt. Sie sieht die Kooperation als Chance, in Zeiten des Fachkräftemangels gute Nachwuchskräfte für sich zu begeistern. Laut Jeske zieht der Geschäftsführer sogar in Erwägung, engagierte Schüler mit einem Stipendium finanziell zu unterstützen.

„Wir kriegen die Klassen voll“

Die Ausbildung zum Physiotherapeuten erfolgt schulisch und schließt mit einem Staatsexamen ab. 90 Prozent der Absolventen arbeiten laut Jeske später in Praxen.

Dem Schulleiter zufolge gibt es viele junge Menschen, die diesen beruflichen Weg einschlagen wollen. „Wir kriegen die Klassen voll“, sagt er. „Das Problem ist: Wir haben zu viele Patienten.“ In Deutschland kämen rechnerisch auf einen Physiotherapeuten 6. 000 Menschen – und damit relativ viele potenzielle Patienten.

„Man geht davon aus, dass sich die Menschen immer weniger bewegen“, sagt Jeske. Diese Entwicklung sei an vielen Stellen zu beobachten. Kinder würden zum Beispiel zunehmend mit Auto zur Schule gebracht, Arbeiten vom Bürostuhl aus erledigt. Darüber hinaus führe das permanente Starren auf Displays zu einer falschen Belastung für den Rücken. Die Folge: Immer mehr Menschen leiden an Rückenproblemen.

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