Polizeichef Johann-Dieter Oldenburg steigt am Sonntag auf erste Bürgerkanzel

Gepredigte Versuche einer Antwort auf Warum-Frage

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Johann-Dieter Oldenburg (l.) tritt am Sonntag an den Arbeitsplatz von Pastor Ulrich Krause-Röhrs.

Weyhe - Von Philipp Köster. Johann-Dieter Oldenburg ist seit 45 Jahren bei der Polizei. Der Chef des Weyher Kommissariats hat vieles erlebt, vieles mitgemacht, vieles gesehen. Entstellte Körper nach Unfällen oder Jugendliche nach dem Suizid auf Bahngleisen. Und er hat Müttern die Nachricht vom Tod ihres Kindes überbracht. „In 45 Jahren habe ich mir immer die Frage nach dem ,Warum?‘ gestellt.“ Ansätze eines Antwortversuchs möchte der gläubige Christ am kommenden Sonntag um 10 Uhr in der Leester Marienkirche geben.

Oldenburg steigt dann auf die „Bürgerkanzel“. Der Polizeibeamte macht den Anfang. Die Leester Pastoren Holger Tietz und Ulrich Krause-Röhrs hatten sich mit ihren Weyher Kollegen schon im vergangenen Jahr auf neue Gottesdienstformen verständigt.

Nach den Feiern an besonderen Orten geht es bei der Bürgerkanzel darum, Personen des öffentlichen Lebens die Möglichkeit zu geben, ihren Beruf oder ihr ehrenamtliches Engagement in einer Predigt mit dem Glauben zu verbinden, sagt Krause-Röhrs. Die Protestanten wollen damit im Sonntagsgottesdienst die alte lutherische Tradition des „Gottesdienstes im Alltag“ aufgreifen. Entsprechend steht die Bürgerkanzel unter dem Motto „Gott im Alltag“.

Für Oldenburg ist dieser berufliche Alltag, von dem er am Sonntag spricht, wie angedeutet, nicht immer leicht gewesen. Und doch ist er sich sicher: „Da ist etwas, was uns trägt.“

Davon will er unter dem Begriff „Warum?“ predigen. Auf eine Bibelauslegung verzichtet er dabei: „Mit den Psalmen kenne ich mich nicht aus.“ Wohl aber mit den Situationen, die ihm in der beruflichen Laufbahn immer wieder begegnet sind. Wenn Oldenburg davon erzählt, wie er Todesnachrichten überbringen musste und, wie die Angehörigen reagierten – schreiend, ihn umarmend oder apathisch –, so wird deutlich, wie sehr ihn diese Erlebnisse beschäftigt haben und noch immer beschäftigen. „Ich kenne Kollegen, die das dann einfach irgendwann nicht mehr sehen können.“

Umso wichtiger ist es, nicht allein zu sein. „Die Kirche hat uns immer unterstützt und geholfen“, berichtet der Polizeichef von den Notfallseelsorgern, die ihm zur Seite stehen. Gerade am vergangenen Wochenende sei die Seckenhauser Pastorin Simone Schmidt-Becker in Groß Mackenstedt zur Stelle gewesen, als es nach dem Überfall auf einen Geldtransporter um die Betreuung von Zeugen und unmittelbar Betroffenen ging.

„Ich will mit der Predigt etwas zurückgeben“, sagt „Olly“, wie er liebevoll genannt wird. Er will – ohne zu viel zu verraten – berichten, wie ihm der Glaube in seinem beruflichen Alltag geholfen hat.

Für Pastor Krause-Röhrs ist der Gang eines Laien auf die Kanzel und dessen Verkündigung insofern etwasNeues, als Menschen predigen, die „vielleicht nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen. Wenn dann einer sagt, ,da ist etwas, das uns trägt‘, dann ist das etwas Unerwartetes. Wenn ich es sage, ist es nichts Besonderes“. Entsprechend solle die Bürgerkanzel über das Erwartete hinausgreifen.

Erwarten dürfen die Gottesdienstbesucher übrigens den üblichen Abschluss nach der Predigt, auch wenn sie ein Laie hält. „Ich habe mich heute Nacht gefragt, ob ich am Ende ,Amen‘ sagen darf“, berichtet Johann-Dieter Oldenburg von manch schlafloser Nacht im Zuge der Predigtvorbereitung. Er darf, versichert Ulrich Krause-Röhrs.

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