Nathalie Ahlers aus Weyhe absolviert Dienst im Bremer Süden

Kriminalität macht nicht an Grenze Halt

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Die Leester Polizistin Nathalie Ahlers verstärkt für zehn Wochen das Team der Kollegen in Bremen

Weyhe/Bremen - Von Vanessa Siemer. Zusammen mit dem Polizisten Sascha Sanders absolviert Nathalie Ahlers ihren Streifendienst in Bremen. Nichts Ungewöhnliches? Doch! Die Polizeikommissarin ist eine niedersächsische Beamtin, arbeitet normalerweise in Weyhe.

Zurzeit in Weyhe: Annika-Lena Schwalda

Heute geht es durch Huchting. Bald schon kommt es zum ersten Einsatz: Nachermittlungen im Güterverkehrszentrum wegen eines größeren Diebstahls. Dass Nathalie Ahlers erst seit wenigen Wochen in der Hansestadt arbeitet, fällt dabei nicht auf. Zwischen dem Weyher Kommissariat und der Polizeiinspektion Bremer Süden gibt es seit 2012 eine Kooperation. Für zehn Wochen tauschen sie Kollegen aus, die die Arbeitsweise auf der jeweils anderen Seite der Landesgrenze kennenlernen sollen.

Nathalie Ahlers, 33, bestand 2002 das Abitur und begann 2003 ein Polizeistudium in Oldenburg. Seit 2006 arbeitet sie als Polizistin in Weyhe, wo sie auch zusammen mit ihrem Mann und ihrer zweijährigen Tochter wohnt. Sie ist die vierte Beamtin aus Niedersachsen, die am freiwilligen Austausch teilnimmt. Am 10. Januar begann sie ihren Dienst. „Davor habe ich mich in der Hansestadt vorgestellt. Ich war ein wenig aufgeregt, aber das Team hat mich super aufgenommen. Es ist ein ganz normaler Dienst, man arbeitet seine Einsätze einfach ab“, erzählt Ahlers unterwegs auf Streife. Jeder Beamte hat einen Austauschpartner. Für die Weyherin ist die Bremer Beamtin Annika-Lena Schwalda, 25, im Einsatz in der Wesergemeinde.

Während einer Streifenfahrt gilt es vieles zu beachten, erklärt Ahlers, „beispielsweise gibt es verschiedene Funksprüche über zwei verschiedene Geräte. Einmal geht es nur um die südliche Hansestadt und bei dem anderen Gerät hört man den Funk aus ganz Bremen“. Die meisten Mitteilungen sind für Nathalie Ahlers und ihren Partner Sascha Sanders daher nicht wichtig.

Plötzlich kommt ein Funkspruch, der an sie gerichtet ist: Eine Frau hat die Polizei aufgrund von häuslicher Gewalt gerufen. Die beiden befinden sich ganz in der Nähe. Mit hohem Tempo und Blaulicht brausen sie in Richtung Einsatzort. Auf dem Weg dorthin gibt es weitere Informationen über Funk. „Das ist ein Einsatz der Kategorie 1, wir müssen jetzt innerhalb von acht Minuten vor Ort sein. Dass die Einsätze in verschiedene Kategorien eingeteilt sind, ist auch für mich neu, in Weyhe ist das anders, da entscheiden wir Streifenpolizisten selbst, wie schnell wir am Einsatzort sein müssen.“

Ihr 35-jähriger Partner ist seit sieben Jahren bei der Polizei Bremen-Süd und erklärt: „Wir unterteilen die Einsätze in drei Kategorien. Bei der ersten sind Leib und Leben in Gefahr, weshalb wir innerhalb von acht Minuten vor Ort sind.“ Als Fahrer muss er sich bei einer Fahrt mit Blaulicht und erhöhtem Tempo besonders konzentrieren – der jüngste Unfall eines Rettungswagens, der in Hamburg mit einem Jungen kollidierte und diesen tödlich verletzte, ist die aktuelle Mahnung. „Man muss einschätzen können, wie schnell man fahren kann. Manche Verkehrsteilnehmer reagieren falsch, das muss man einkalkulieren, und natürlich müssen wir immer auf unsere eigene Sicherheit achten“, sagt Sanders.

„Jeder Dienst ist anders, und man weiß nicht was der Tag mit sich bringt. Es ist immer spannend und abwechslungsreich. Ein Austausch ist eine tolle neue Erfahrung, und ich kann es nur jedem empfehlen. Mir macht es total viel Spaß“, schwärmt Ahlers. „Durch die Kooperation spricht man nicht mehr übereinander, sondern miteinander. Man sieht, wie die anderen arbeiten und bekommt ein Verständnis füreinander. Die Zusammenarbeit ist wichtig, denn Kriminalität macht nicht an der Landesgrenze Halt.“

Auch der Dienstgruppenleiter Mark Rodovsky, 45, ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden: „Die Kooperation bietet den Polizisten eine Entwicklungschance. Sie können sich weiterbilden und andere Arten der Polizeiarbeit kennenzulernen. Bei Fahndungen kann man sich besser abstimmen, und auch die Ortskenntnisse und die Absprachen untereinander verbessern sich. Bisher gab es einen solchen Austausch nur im Streifendienst. Für die Zukunft ist jedoch auch eine Hospitation der Dienstgruppenleitungen angedacht, was aber schwieriger umsetzbar ist, da sie sich viel um Planungen kümmern.“

Nadine Ahlers‘ Hospitation ist schon bald vorbei. Sie bleibt nur noch bis zum 20. März in Bremen, danach arbeitet sie wieder auf der Wache in Leeste. Einen Wunsch hat sie noch: Sie würde gern eine Großkontrolle an der Grenze mit dem Einsatz- und Streifendienst von Bremen und Niedersachsen mitmachen.

• Diese Polizisten nehmen zurzeit am Austausch teil: Nathalie Ahlers, 33, und Andre Flügger, 29, vom Polizeikommissariat Weyhe hospitieren in der Hansestadt und Annika-Lena Schwelda, 25, und Simon Worthmann, 25, von der Polizeiinspektion Bremen Süd unterstützen die Weyher Kollegen.

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