Flächen sollen „gärtnerisch angelegt“ werden

Starkes Zeichen für die Natur: Politik will keine Kiesbeete in Weyhe 

+
Solche Steingärten gefallen nicht allen Bürgern.

Lahausen - Von Sigi Schritt. Der Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt hat am Dienstagabend einstimmig dem Rat empfohlen, den B-Plan „Am Bahndamm/Alte Gärtnerei“ als Satzung aufzustellen und die Anregungen der frühzeitigen Beteiligungen zu berücksichtigen. Außerdem will die Politik in Sachen Gartengestaltung ein besonderes Zeichen für die Umwelt und gegen Kiesbeete setzen.

Das Gelände der alten Lahauser Gärtnerei Meyer bietet laut dem Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski ein Beispiel für eine Baulandentwicklung auf einer Brachfläche. Thomas Ulbrich vom gleichnamigen Bremer Büro für Ingenieurplanungen erläuterte dem Aussschuss und den 24 Zuhörern das Bauleitplanverfahren und stellte die Entwicklungsziele des Areals vor.

Vor rund einem Jahr fasste der Rat einen Aufstellungsbeschluss zum 7 300 Quadratmeter großen Gelände. Es entstehen dort unterschiedliche Formen: zehn Wohneinheiten in Doppelhäusern, jeweils vier in Reihen- und Doppelhäusern. Außerdem soll ein Einfamilienhaus gebaut werden. Das Verfahren hat zum Beispiel ergeben, dass ein Mehrfamilienhaus, das ursprünglich in der Nähe der Straße „Am Bahndamm“ angesiedelt werden sollte, auf dem Areal an einen anderen Standort rückt. Der Planer Ulbrich erläuterte weiter, dass auf den zugeschnittenen Grundstücken eine Pflicht besteht, das Niederschlagswasser versickern zu lassen. Die Bodenbeschaffenheit lasse dies problemlos zu. Außerdem werde aus der großen Fläche, die der Bremer Mia Baugesellschaft gehört, eine Fläche „herausgeschnitten“. Dort soll der Bahndamm entwässert werden. Die Gemeinde soll einen Zugang zu diesem Bereich enthalten.

Blaue Dachpfannen sollen verbannt werden

Die Politik will festsetzen, dass weder Dach noch Fassaden aus Materialien bestehen, die glänzen. Damit sei zum Beispiel die berühmte blaue Dachpfanne gemeint, erläuterte Thomas Ulbrich. Eine Ausnahme gilt laut Planer jedoch für Solar- und Fotovoltaik-Anlagen.

Das Areal dieser ehemaligen Gärtnerei ist 7300 Quadratmeter groß.

In diesem B-Plan wird erstmals eine andere Einschränkung deutlich erwähnt. „Die nicht überbaubaren privaten Grundstücksflächen sind, soweit sie nicht für andere zulässige Nutzungen erforderlich sind, gärtnerisch anzulegen.“ Mit diesem Passus unternimmt die Gemeinde den Versuch, „Schotter- oder Kiesgärten einzudämmen“, sagt Steffen Nadrowski. Er hält solche Gärten nicht für einen „großartigen Beitrag für die Siedlungsökologie“. Deshalb will der Fachbereichsleiter es erreichen, dass versiegelte Gartenflächen unterbleiben. „Das ist neu. Das haben wir in vergangenen B-Plänen so nicht gehabt.“ Das sei eine redaktionelle Klarstellung.

Bauordnung verbietet Schottergärten

Angesichts der Tatsache, dass es auch in den Weyher Ortschaften es immer mehr Plätze vor und hinter den Häusern gibt, die durch eine Steinoptik auffallen, ist es für die Gemeinde laut Nadrowski wichtiger geworden, dass die Pflanzen nicht durch Steine ersetzt werden. Dass Schottergärten grundsätzlich nicht erlaubt sind, könnte man aus der Bauordnung herleiten. Wahrscheinlich gebe es Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des Verbots. „Wenn das nicht erlaubt ist, hätte es längst untersagt werden können“, merkt Berthold Groeneveld (SPD) an. Ein Verbot würde jedoch nicht explizit im Gesetz stehen, so Nadrowski. Nirgendwo im Kreis gebe es den Fall, dass ein Eigentümer auf seinen Steingarten verzichten muss. Rückendeckung bekam der Rathausmitarbeiter vom Planer Ulbrich: Der Gesetzgeber hat mit Grünfläche auch wirklich „eine Grünfläche gemeint“.

Ingrid Söfty (CDU) sieht einen zu starken Eingriff des Staates in das geschützte Eigentum, wenn Eigentümer von Altbauten ihre Kreationen aufgeben müssten. Bei Neubauten wisse jeder Käufer, worauf er sich einlässt. Annika Bruck (Grüne) findet, dass grundsätzlich viele Pflanzen in einem Garten blühen sollten.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Beachparty in Schwarme

Beachparty in Schwarme

Inselbahn-Wochenende in Bruchhausen-Vilsen

Inselbahn-Wochenende in Bruchhausen-Vilsen

Frau vor Zug gestoßen und getötet: Täter war polizeibekannt

Frau vor Zug gestoßen und getötet: Täter war polizeibekannt

„Rock das Ding“-Festival: 2000 Leute feiern in Balge

„Rock das Ding“-Festival: 2000 Leute feiern in Balge

Meistgelesene Artikel

Schützenfest Twistringen: Sieg für den Stadtbrandmeister

Schützenfest Twistringen: Sieg für den Stadtbrandmeister

Schwer verletzter Mann harrt stundenlang auf Kornfeld aus

Schwer verletzter Mann harrt stundenlang auf Kornfeld aus

Kirchweyhe wird zum Mühlendorf: NDR gibt Stadtwette bekannt

Kirchweyhe wird zum Mühlendorf: NDR gibt Stadtwette bekannt

Michael Zander ist Ausbildungslokführer: „Das war die beste Entscheidung meines Lebens!“

Michael Zander ist Ausbildungslokführer: „Das war die beste Entscheidung meines Lebens!“

Kommentare