Klönschnack

Helmut Fellermann: „Hochdeutsch war eine Fremdsprache“

Nicht nur ein Plattschnacker, sondern auch ein Künstler: Helmut Fellermann. Archivfoto: Sigi Schritt
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Nicht nur ein Plattschnacker, sondern auch ein Künstler: Helmut Fellermann. Archivfoto: Sigi Schritt

Weyhe – In Weyhe stirbt Plattdeutsch jeden Tag ein Stückchen mehr. Dieser Ansicht ist Helmut Fellermann, der sich gegen das Vergessen einer Mundart stemmt. Der 84-Jährige kritisiert, dass die jungen Menschen in der Schule diese Sprache nicht sprechen. Das sei zu jener Zeit, als er aufwuchs ganz anders gewesen.

„Früher hätten alle Menschen in dieser Region Platt geschnackt“, so Fellermann. Er und seine Schulfreunde hätten die Sprache durchs Zuhören gelernt. Eltern und Großeltern hätten sich so unterhalten. „Wir haben nie gelernt, plattdeutsche Wörter zu schreiben“, so Fellermann.

Der Weyher, Jahrgang 1937, hat die Zeit des Zweiten Weltkriegs als Kind erlebt. „Meinen Vater habe ich erst im Alter von elf Jahren kennengelernt“, sagt er. „Wir saßen am gleichen Tisch. Mit der Mutter redete ich Platt, mit dem Vater auf Hochdeutsch.“ Für die Kinder seiner Generation „war Hochdeutsch eine Fremdsprache“, erinnert sich Helmut Fellermann. Der 84-Jährige berichtet, dass es aber seinen Eltern sehr wichtig gewesen sei, damals Hochdeutsch zu lernen, damit er wie andere Kinder in der Gesellschaft besser klar komme.

Das sei alles längst Geschichte, so Fellermann. Der 84-Jährige räumt ein, dass es heute noch die Lahauser Bühne gibt, die plattdeutsche Stücke zeigt. „Diese sind beim Publikum sehr beliebt“, sagt der Senior. Das Problem: „Die Zuschauerinnen und Zuschauer sagen, sie verstehen zwar die Dialoge, aber sie unterhalten sich nicht auf Platt.“ Das sei auch das Problem von Schülern. Einige würden an Vorlesewettbewerben teilnehmen. Helmut Fellermann habe festgestellt, dass auch diese jungen Leute Plattdeutsch nicht sprechen. „Plattdeutsch wird zu einer Vortragssprache.“

Was er gegen das Vergessen macht? „Wir haben eine plattdeutsche Klönrunde gegründet, zu der jedes Mal 30 bis 40 Gäste kommen.“ Sie können zuhören, miteinander ins Gespräch kommen, oder selbst etwas vortragen. „Wer etwas in die Runde hineinbringen will, schlägt auf sein Glas und macht auf sich aufmerksam“, sagt Fellermann. Wer ins Hochdeutsche abrutscht, wird höflich darauf hingewiesen und freundlich ermahnt, dass nur Platt gewünscht sei. Eheleute, die sonst nur Hochdeutsch reden, müssten dann umschalten, so Fellermann. Das sei schon für manche eine kleine Herausforderung, berichtet der Weyher.

Die Runde trifft sich am heutigen Dienstagabend um 18 Uhr im Pfälzer Weintreff am Marktplatz. Es gelten die 2G-Regeln. „Es ist der letzte Klönabend für dieses Jahr“, kündigt Fellermann an. Der 84-Jährige hofft auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr.

Von Sigi Schritt

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