900 Kilometer lange Tour

Tour de Meeresmüll: Weyherin Kea Hinsch will auf Umweltsünden hinweisen

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Im Einsatz gegen Meeresverschmutzung sammelt Kea Hinsch am Hamburger Elbstrand Unrat ein und füllt damit 15 Säcke. Sie posiert für dieses Bild mit ihrer Beute: Verpackungen, ein Grill und viele Kippen.

Weyhe - Von Sigi Schritt. „Mischt euch ein“ – diese drei Worte hatte der Gymnasialzweigleiter der KGS Leeste, Hajo Weber, den Abiturienten des Jahres 2017 auf ihren Zukunftsweg mitgegeben. Ob die Absolventin Kea Hinsch das als Aufforderung verstand, ihre besondere Mission, die 900 Kilometer lange Tour de Meeresmüll, anzugehen? Die 19-Jährige aus Kirchweyhe absolviert beim BUND in Bremen den Bundesfreiwilligendienst und war fast sechs Wochen an den Küsten der Ost- und Nordsee unterwegs, um auf die Verschmutzung der Meere, der Strände und auf das große Problem des Mikroplastiks aufmerksam zu machen.

„Ich habe mich schon vorher eingemischt – in der Schule, bei der Greenpeace- und später bei der BUND-Jugend“, berichtet die Weyherin. Die Idee zu dieser mehrwöchigen Tour hatte sie schon in der Oberstufe, sagte sie. Die 19-Jährige, die in der KGS wegen ihrer langen blauen Haare aufgefallen war, musste nur einen Projektpartner finden.

„Eine Freundin hatte auf Rügen viel Müll gesehen“, blickte Hinsch zurück. Abi hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Schließlich feilte Hinsch am Konzept jener Tour, gleichzeitig je nach Möglichkeiten die Strände von angespültem und von Erholungssuchenden mitgebrachtem Unrat zu befreien. 

Kea Hinsch stellte das Konzept beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor. Fragen etwa zur Arbeitszeit seien schnell geklärt worden. So konnte sie starten. Ihre Botschaften: Plastik führt zu Hormonstörungen, Plastik verursacht Krebs und schlägt aufs Herz und Plastik schadet ihrem ungeborenem Kind.

Kea Hinsch wohnt in Kirchweyhe und fährt mit dem Rad nach Bremen. Beim BUND in der Hansestadt absolviert die 19-Jährige den Bundesfreiwilligendienst.

Tourstart war allerdings nicht in Kirchweyhe oder Bremen, sondern in Zingst auf dem Darß (bei Stralsund), weil die Weyherin zuvor in der Nähe ein Seminar besucht hatte. Ihre Route führte über Rostock, Wismar, Lübeck, Kiel, Föhr, Hamburg, Stade, Cuxhaven und Bremerhaven zurück in ihre Heimat. Sie war mit einem Rad unterwegs, das doppelt so alt wie sie war. „Speichen brachen, doch die Probleme konnte ich immer gut lösen“, sagte sie. 

Übernachtet habe sie im Zelt oder bei anderen BUND-Mitgliedern, mit denen sie auch so manche Aktion angegangen sei. Insgesamt haben sie und ihre Helfer mehr als 100 Säcke mit Müll dicht gestopft. „Ich hebe das auf, was andere Menschen zurücklassen“, so Hinsch. Mal sind es die Schwimmflügel, mal Eisstiele, Verpackungen und wie auf Föhr viele Netzfäden. 

Hinsch hat sich auf ihrer Radtour oft nach Kippen gebückt, um sie einzusammeln. Weshalb sie so gefährlich sind? Zigarettenstummel stellen ein Risiko dar: Die Glimmstängel enthalten unter anderem laut Hinsch Nikotin, Dioxin, Formaldehyd und Kadmium. Gelangen diese Stoffe über das Regenwasser in die Erde, verunreinigen sie Grundwasser. Über die Toilette entsorgte Kippen sind ebenfalls kritisch. Die Klärwerke schaffen es nicht, die Giftstoffe vollständig herauszufiltern. Die Weyher Naturschützerin rät, für unterwegs Mini-Aschenbecher zu verwenden und die Stummel in der Restmülltonne zu entsorgen.

19-jährige Weyherin radelt 900 Kilometer, um Plastikmüll zu sammeln

 © BUND
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Die Kirchweyher Umweltaktivistin macht außerdem auf eine unsichtbare Gefahr aufmerksam: mikroskopisch kleine Kunststoffe. Es geht um Mikroplastik. Das seien feste und unlösliche synthetische Polymere, die kleiner als fünf Millimeter sind, so Hinsch. „Wer an den Auslagen der Drogerien vorbeischlendert, sieht viele Produkte, in denen sich Mikroplastik und andere synthetische Kunststoffe befinden“, sagt die junge Umweltaktivistin. 

„Ob Lippenstift oder Mascara oder Sonnenschutz. Ich stelle mir vor, einen Plastikfilm auf der Haut zu haben. Igitt“, so Hinsch. Diese Stoffe dienen unter anderem als Füllstoff und Bindemittel. Die Kunststoffe aus den Kosmetikprodukten gelangen über die lokalen Abwässer in die Kläranlagen. Diese filtern Mikroplastik nur bedingt heraus. „Ein Teil wird im Klärschlamm zurückgehalten. Der Rest gelangt über die Flüsse ins Meer.“ 

Mikroplastik wird von Meeresorganismen gefressen, zieht Umweltgifte an und ist laut Hinsch nicht wieder zu entfernen. Müll im Meer wird zu einem sehr ernsten Problem: Wer Fisch essen will, der nicht plastikverseucht ist, muss verantwortlich handeln.

Mit diesen Stummeln bekommt der Begriff Raucherbein eine neue Bedeutung. „Das Nikotin einer Kippe kann Wasser für Wasserflöhe vergiften.“

Ihre Motivation? „Ich will meinen Beitrag zum Umweltschutz leisten.“ Seit ihrer Kindheit gehört der Umweltschutz zu einem Teil ihres Lebens. Die Mutter ist Tiefbauingenieurin, der Vater Ingenieur für Umwelttechnik. Beide haben ihrer Tochter ein grünes Herz geschenkt, das mit Tieren und Menschen gleichermaßen mitleidet. Damals stoppte sie bereits den Wasserstrahl in der Dusche, während sie sich einseifte, um ein Beispiel zu nennen.

Wer sein Verhalten ändert, kann laut Hinsch viel für die Umwelt tun. Statt Shampoo Kernseife zu benutzen, sei so eine Alternative. Welche Produkte Mikroplastik verwenden und welche Alternativen es gibt, zeigt der BUND in einem Ratgeber.

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