Zur Ausrottung der Kinderlähmung

Rotary startet mit AWG Sammelaktion: Plastikdeckel gegen Polio

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Mit Plastikdeckeln wirksam Gutes tun: Jürgen Falck, Matthias Kühnling und Karl Meyer zeigen auf dem Wertstoffhof in Melchiorshausen den wertvollen Rohstoff.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Sie haben unterschiedliche Größen sowie Farben und gemeinsam eine sehr begehrte Eigenschaft: Deckel zum Beispiel von Plastikflaschen und Tetra-Paks sind aus einem hochwertigen Kunststoff. Von diesen bunten Verschlüssen kann die Abfallwirtschaftsgesellschaft im Landkreis nicht genug bekommen – und das hat einen besonderen Grund.

Von den Verwertungserlösen profitiert die Serviceorganisation Rotary International, die das Geld der Hilfsaktion dafür einsetzt, die einst gefürchtete Infektionskrankheit Polio weltweit zu verbannen, die Lähmungen und sogar Atemlähmung auslösen kann. Den einzigen wirksamen Schutz bilden Impfungen.

„Mit 500 Deckeln lässt sich eine Spritze zum Schutz gegen Kinderlähmung finanzieren“, sagt Karl Meyer, amtierender Präsident des Syker Clubs bei einem Treffen mit AWG-Sprecher Matthias Kühnling und dem promovieren Mediziner Jürgen Falck, Öffentlichkeitsbeauftrager des Rotary Clubs Syke auf dem Wertstoffhof in Melchiorshausen. 

Das Trio bittet die Bevölkerung, nicht nur Deckel bei der AWG in Melchiorshausen, sondern auch auf den Wertstoffhöfen Diepholz-Aschen, Sulingen und Bassum abzugeben. Die Bevölkerung möge weiter an einer Erfolgsgeschichte mitschreiben.

Polio noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria verbreitet

Karl Meyer, ehemaliger Bürgermeister von Twistringen, berichtet von einem seit mehr als drei Jahrzehnten andauernden globalen Kampf gegen die Kinderlähmung, an dem sich Rotary Clubs in aller Welt beteiligen. Gab es damals noch 125 Länder mit pro Jahr 350.000 neuen Infektionen, so konnten umfassende Impfungen seither die Zahl der jährlichen Neuinfektionen auf weniger als 30 drücken. Nur noch in drei Ländern – Afghanistan, Pakistan und Nigeria – ist laut Meyer die Bevölkerung akut von Polio-Viren bedroht.

In diese Tonnen gehören die Plastikdeckel rein.

Diesen Erfolg habe Rotary International aber nicht allein erzielt, sondern in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Kinderhilfswerk UNICEF sowie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC. Außerdem konnten Partner wie die Bill & Melinda Gates Foundation gewonnen werden, um die Unterbrechung der fatalen Infektionskette zu erreichen.

„Wir sind für jede Hilfe dankbar“, sagt Meyer. Der Syker Clubpräsident berichtet, dass sich jüngst die Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Leeste dazu entschlossen haben, die bunten Deckel für den guten Zweck zu sammeln. Lehrerin Antje Mühlenstedt-Meko hatte von der Aktion gehört, eine Sammlung organisiert, die seit mehr als 14 Tagen läuft. Eine von zwei Tonnen sei bereits gefüllt. Symbolhaft will die AWG diese Tonnen leeren. „Grundsätzlich sind wir nicht in der Lage, flächendeckend gesammelte Deckel abzuholen“, bittet Matthias Kühling um Verständnis.

Bisher 4.000 Polio-Impfungen ermöglicht

Seit einem Jahr nimmt die AWG im Landkreis die Deckel entgegen, sagt deren Sprecher Kühnling und zieht ein positives Fazit. „Wir sammeln in kleinen Boxen und Big Bags. Und wenn eine transportfähige Menge, das sind acht große Säcke, zusammenkommt, sagen wir bei einem Koordinator von Rotary Bescheid, der ein anderes Recycling-Unternehmen beauftragt, die Verschlüsse abzuholen“, so Kühling. Bislang waren es 40, das entspricht einer Menge von zwei Millionen Deckel.

Umgerechnet bedeutet das, dass die Bürger im Landkreis bisher 4 000 Impfungen ermöglicht haben. „Wir verdienen nichts daran“, so Kühnling. „Wir halten es aber für eine gute, unterstützenswerte Sache und freuen uns, dass sich neben Privatleuten auch Firmen und Vereine an der Deckelsammlung beteiligen.“

Es geht hauptsächlich um die Verschlüsse von Einwegflaschen und um die von Pfand-Flaschen, die in den Supermarkt-Automaten geschreddert werden, erklärt der AWG-Sprecher.

Infos: Was genau ist Kinderlähmung?

Krankheit und Heilungschancen

Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz: Polio) ist eine von Viren ausgelöste ansteckende Infektionskrankheit der Nervenzellen des Rückenmarks. Die Ansteckung erfolgt fäkal-oral über die Aufnahme verschmutzter Lebensmittel oder Wasser bzw. über Schmierinfektion. Das Virus vermehrt sich im Rachen und Magen-Darm-Bereich und gelangt über die Blutbahn in das Rückenmark und den Hirnstamm. Dort können Nervenzellen zerstört werden, was zur Lähmung von Muskeln bzw. ganzer Muskelgruppen führen kann.

Krankheitsverlauf

Die Ausprägung von Krankheitssymptomen ist sehr unterschiedlich: Die meisten Infizierten (bis zu 95 Prozent) bemerken überhaupt keine gesundheitlichen Einschränkungen, andere leiden unter vorübergehenden grippeähnlichen Symptomen. Nur bei 0,5 bis 1 Prozent der Infizierten kommt es zum schweren Verlauf mit den charakteristischen schlaffen Lähmungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Bei etwa 30 Prozent der davon Betroffenen bilden sich die Lähmungen mit der Zeit vollständig zurück, bei weiteren 30 Prozent können leichte und bei ebenso vielen Erkrankten schwere Schäden zurückbleiben. Bei den zehn Prozent der Schwerstbetroffenen wird die Atemmuskulatur in Mitleidenschaft gezogen, was zum Tod führen kann.

Therapie

Eine Therapie gegen die Ursachen der Kinderlähmung gibt es nicht, es können nur die Symptome behandelt werden. Der beste Schutz gegen eine Infektion ist deshalb die vorbeugende Impfung, die gegen alle drei Typen des Virus wirksam ist (wobei der Poliovirus Typ 2 bereits als ausgerottet gilt). Die Impfung erfolgt in Deutschland mit inaktivierten Polio-Vakzinen (IPV). Meist in Kombination mit anderen Impfstoffen werden Kinder und Jugendliche im ersten Lebensjahr insgesamt drei Dosen gespritzt, zu Beginn des zweiten Lebensjahrs eine weitere. Dieser Grundschutz muss in bestimmten Abständen aufgefrischt werden. (Quelle: rotary.de)

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