Pilotprojekt zur pädagogischen Unterstützung an der Grundschule

Birgit Ladewig steht aggressiven Kindern bei

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Die Ganztagsschulkoordinatorin Birgit Ladewig

Sudweyhe - Von Sigi Schritt. Wenn Kinder für einen kurzen Moment im Unterricht ihre Wut auslassen, übergriffig werden oder plötzlich weglaufen, können sie die Stunde sprengen, weil die Lehrkraft darauf angemessen reagieren muss. In Sudweyhe hilft die Ganztagsschulkoordinatorin Birgit Ladewig, die Situation zu entschärfen. Diese Aufgabe hat die 46-Jährige im September im Rahmen eines Pilotprojekts der Gemeinde übernommen. Dafür hatte die Kommune ihre Wochenstundenzahl von 34 auf 39 erhöht.

Ziel ist es, als sogenannte Feuerwehrkraft die situationsbedingte Betreuung von verhaltensauffälligen Erst- bis Viertklässlern zu übernehmen. Außerdem soll Ladewig mit den Kindern Sozialtraining angehen. Die Schulen wünschen sich zu diesem Zweck Sozialarbeiter, doch die sind nicht in Sicht. Da auch die Förderschullehrer nur zwei Stunden je Klasse zur Verfügung haben, hat sich die Gemeindeverwaltung jenes Projekt ausgedacht, dass auf die anderen Standorte übertragen werden soll.

Birgit Ladewig hat gestern ein positives erstes Fazit gezogen. „Früher ist der Unterricht ausgefallen, wenn Kinder sozial-emotional auffällig geworden sind. Das ist nicht mehr so.“ Sie könne Probleme zumindest abfangen und die Kinder entweder in der Klasse begleiten oder mit ihnen in einen anderen Raum gehen, um den Ursachen ihres Wutausbruchs auf den Grund zu gehen. Die Ursachen sind vielfältig. Weyhe sei zwar kein Brennpunkt, aber eben auch keine heile Welt: „Es gibt Schüler, die unter der Trennung ihrer Eltern leiden. Kinder tragen viel herum und können ihre Aggressionen oftmals nicht ausleben.“ Durch den Ganztagsunterricht treffen sie sich nicht mehr auf der Straße, probieren sich dort nicht aus, und machen außerhalb der Schule ihrem Ärger Luft. Die Folge: Die Wut überkommt die Schüler manchmal im Klassenzimmer, doch dann ist die 46-Jährige zur Stelle und verordnet eine Streitschlichtung. Sie bekommt aber auch zu hören, dass Schulregeln daheim nicht gelten: „Papa hört mir doch auch nicht zu“, erwidern die Kinder.

Doch die gelernte Erzieherin hegt Hoffnungen, zumal es viele Möglichkeiten etwa durch Gruppenarbeiten gebe, dass die Kinder ihr Verhalten reflektieren können. „Ich nenne die Gruppen Teamgeister, die zukünftig Streitregeln beachten sollten.“ Hatte die Koordinatorin ihren Dienst je nach Wochentag zwischen 9 und 11 Uhr begonnen, ist sie jetzt an jeden Morgen bereits um 8 Uhr in der Schule. Finanziert wird das Projekt durch Restsummen im Budget der Ganztagsgrundschulen, durch die Erhöhung der Lehrerstunden der Honorarmittel durch das Land Niedersachsen.

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