Weyher Domizil ab August bezugsreif

Pilotprojekt: Inklusives Wohnen

Noch eine Baustelle, aber bald ihr Domizil: Mieke Ebert (25) schaut sich in der Baustelle in Kirchweyhe um. Foto: Sigi Schritt
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Noch eine Baustelle, aber bald ihr Domizil: Mieke Ebert (25) schaut sich in der Baustelle in Kirchweyhe um.

Weyhe - „Mit 25 Jahren ist es Zeit, auf eigenen Füßen zu stehen“, sagt Mieke Ebert. Sie ist sehr aufgeregt. In wenigen Wochen verlässt sie das Hotel Mama und zieht von Okel nach Kirchweyhe in einen Wohnkomplex der Diakonie Himmelsthür, die ein inklusives Wohnangebot bietet (wir berichteten).

Die Okelerin macht bereits Pläne für ihr neues Einzimmerappartement in einer Anlage, die in Kirchweyhe an der Straße „Auf dem Geestfelde“ als Wohnblock in Form eines U entsteht. Ab August soll sie bezugsreif sein, kündigen Diakonie-Sprecher Oliver Brinkhus sowie Christina Wendorf, künftige Leiterin des Hauses, bei einer Stippvisite in der Baustelle an. Dieses Leuchtturm-Pilotprojekt sei zum Nachahmen empfohlen: Etwas Vergleichbares gebe es zumindest nicht im norddeutschen Raum.

Zusammen mit den Mitarbeitern der Diakonie inspiziert die 25-Jährige die Baustelle. Die junge Frau hat bereits ihren Flur entdeckt, der zu ihrer Ein-Zimmer-Wohnung führt. Sie zeigt mit ihrer Vorfreude bereits dieses kribbelnde Gefühl, bald Neuland zu betreten und dabei gar nicht genau zu wissen, was einen wirklich erwartet. Wie auch, wenn das Haus neu ist und man sich die Zukunft nur vorstellen kann. Dieses Gefühl kennen sicherlich viele junge Erwachsene, die erstmals eine eigene Wohnung anmieten oder in eine Wohngemeinschaft ziehen.

Aber Menschen mit Handicap wie Mieke, die einen Unterstützungsbedarf haben, können diese Normalität gar nicht erleben, erläutert ihre Mutter Kirsten Meier-Ebert. Menschen mit Handicap seien – auch als Erwachsene – deshalb auf das Elternhaus angewiesen, weil sie mehr oder weniger auf Hilfe angewiesen sind. „Eltern, die behinderte Kinder haben, haben den Wunsch nach Normalität“, betont sie. Deshalb musste Kirsten Meier-Ebert nicht lange überlegen, ihr Interesse zu bekunden, als sie von dem Projekt in Kirchweyhe gelesen hat. Ihre Tochter bezieht also bald eines von acht Einzelappartements von etwa 30 Quadratmetern Größe. „Sie sind mit einem separaten Duschbad und WC ausgestattet“, so Oliver Brinkhus. Um die Küche samt Waschmaschine will sich die neue Mieterin mit ihren Eltern kümmern. Außerdem hat Mieke Ebert schon genaue Vorstellungen, wie zwei Wände gestrichen werden: in ihrer Lieblingsfarbe Blau. In die Nachbarwohnungen ziehen ebenfalls Frauen ein, die sie teilweise bereits von der Arbeit bei den Delme-Werkstätten in Bassum oder vom Tanzen kennt. Sie freut sich auf die neue Nachbarschaft, denn sie sei eine Partyqueen, die gerne tanzt, feiert und in die Disko geht.

Laut Oliver Brinkhus ermöglicht die Diakonie außerdem „24 Menschen mit einer geistigen Behinderung ein ambulantes, zeitgemäßes und barrierefreies Wohnen in vier Wohngemeinschaften“. Es handelt sich um eine Wohngemeinschaft für acht Menschen, eine WG für vier Bewohner und zwei für jeweils sechs. Zum Konzept gehören offene Wohn- und Essbereiche mit Küchen. Weiterhin Bestandteil des barrierefreien Wohnens sind laut Oliver Brinkhus sowie Christina Wendorf ein Dienstleistungsangebot. Es sei gemeinsam mit dem Landkreis Diepholz entwickelt. Einerseits werden Barrierehelfer die neuen Bewohner unterstützen, die sich um die „niederschwellige Alltagsbegleitung“ kümmern – jeder Bewohner erhält sechs Fachleistungsstunden. Darüber hinaus übernimmt ein Pflegedienst die Tätigkeiten, die individuell notwendig sind. „Ziel ist es, die Eigenständigkeit weiter auszubauen“, so Oliver Brinkhus.

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