In Eigenregie

Wie aus einer anderen Zeit: Familie errichtet historisches Fachwerkhaus neu

Wollen das geplante Domizil ihrer Tochter Femke zur Verfügung stellen: Walter und Anke Töbelmann. Sie schauen aus einer Fensteröffnung des künftigen Wohnzimmers.
+
Wollen das geplante Domizil ihrer Tochter Femke zur Verfügung stellen: Walter und Anke Töbelmann. Sie schauen aus einer Fensteröffnung des künftigen Wohnzimmers.

In Weyhe entsteht ein Fachwerkhaus, dessen Ursprung im frühen 18. Jahrhundert liegt. Selbst Material und Methoden stammen teilweise aus alter Zeit. Ein echtes Liebhaber-Projekt.

Weyhe – Seine Felder sind abgeerntet – jetzt kann sich Walter Töbelmann wieder mehr Zeit für ein besonderes Projekt nehmen: Der Landwirt aus Kirchweyhe verwandelt in unmittelbarer Nähe seines Wohnhauses ein kleines Gebäude mit wechselhafter Geschichte in ein Fachwerk-Einfamilienhaus. Er verwendet dabei viele alte und gebrauchte Materialien, sagt er.

Das 2020 begonnene Bauprojekt will er im kommenden Jahr abschließen – dann soll seine Tochter Femke in jenes Häuschen einziehen, das mehr als 100 Quadratmeter Fläche umfasst.

Das Gebäude, um das es geht, ist nach der Recherche der Familie Töbelmann in den Kirchbüchern bereits 1727 erwähnt worden und zählt zu den älteren Häusern der Gemeinde. Es war ein altes Häuslingshaus, muss davor aber ein Backhaus gewesen sein. Denn er habe die Reste eines alten Ofens gefunden. In den zurückliegenden 100 Jahren müsse es stets als Wohnhaus genutzt worden sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren dort Flüchtlinge untergebracht. Dort lebten drei bis vier Familien und teilten sich unter anderem ein Plumpsklo. Sanitäre Anlagen gab es nicht.

Kein Plumsklo – ein modernes Bad soll eingebaut werden

Das soll anders werden – ein modernes Bad soll ebenso Einzug halten wie eine Küche, die den Ansprüchen von heute gerecht wird.

Wie Familie Töbelmann auf das Projekt gekommen ist? Der Gedanke dazu reifte, als Tochter Femke ausziehen, aber auch in der Nähe bleiben wollte. Schnell kamen die Töbelmanns auf die Idee, das im Volksmund auch Hexenhäuschen genannte Gebäude umzubauen. Alte Mauersteine sollten nach der Entkernung wiederverwendet werden.

Arbeitet seit 2020 an dem Fachwerkgebäude an der Dorfstraße in Kirchweyhe: Walter Töbelmann.

Es mache ihm Spaß, Altes zu behalten und Neues zu schaffen, sagt Walter Töbelmann. Diese Arbeiten an der Dorfstraße zeigten zudem, dass es durchaus möglich ist, ein modernes Gebäude aus recycelten Materialien zu errichten. Das spare viel Geld und sei auch noch nachhaltig.

Die Kirchweyher Familie setzte sich mit einem Experten für Fachwerkbauten zusammen, berieten das Vorgehen und holten entsprechende Genehmigungen ein.

Hausbau in Eigenregie „Wir Landwirte machen viel selbst“

Das alte Gebäude habe aus vielen Fachwerkbalken bestanden, so Anke Töbelmann. Die meisten Balken und Ständer (vertikale Hölzer) seien gut in Schuss gewesen. Was nicht so gut erhalten war: der Sockelbalken. Außerdem galt es, vier Ständer auszuwechseln.

Vor Beginn der Arbeiten hätte die Familie ebenso beschlossen, das Projekt in Eigenregie anzugehen – ein Projekt, das in ähnlicher Form auch im Kreis Verden stattgefunden und zuletzt für viel Aufsehen gesorgt hatte. „Wir Landwirte machen viel selbst“, sagt Walter Töbelmann. Aber das sei in diesem Fall auch eine Passion. Dieses Gebäude gehöre zum Bauernhof dazu. Wenn man es abgerissen und einfach einen Neubau hingesetzt hätte, dann wäre die Bauzeit sicherlich sehr schnell gewesen. Die Töbelmanns entschieden sich für eine andere Bauweise.

Erst die Katze, der Hund hinterher: Dieser Stein wurde nicht maschinell, sondern in Handarbeit gefertigt. Dieser Ziegel hat außerdem nicht die Normmaße, kann aber verbaut werden, so Walter Töbelmann.

In dem Häuschen gab es viele Zimmer. Der kleinste Raum umfasste nur vier Quadratmeter. Bei der Entkernung seien alle Innenwände gefallen. Die Ziegelsteine wurden herausgeklopft, gesäubert und sortiert. Es waren Ziegelsteine darunter, die per Handarbeit gefertigt worden seien. Bei der Produktion sind schon mal Tiere über den Lehm gelaufen. Ihre Pfotenabdrücke seien im Stein verewigt.

Für Töbelmann sei es kein Problem, wenn die Ziegelsteine unterschiedliche Maße haben, das könnte man ausgleichen.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Vor dem Ausmauern der Fächer musste der Untergrund bereitet werden. Es sei eine alte Technik, ein Fachwerkhaus anzuheben, um mögliche morsche Sockelbalken auszutauschen. „Wenn ein Fachwerk in Takt ist, kann ein Kran ein Fachwerk-Haus anheben“, so Töbelmann. Früher nahm man Holzwinden, heute seien die aus Stahl. Wenn alle Balken abgestützt sind, wird das Haus ein paar Zentimeter angehoben. Das reiche aus, um ein Streifenfundament zu gießen und Feldsteine als Sockel zu setzen.

Hebe-Methode für Häuslingshaus über Jahrhunderte erprobt

Ist die eine Seite fertig, folgt die nächste. „Ist das wiederum erledigt und das Fachwerk ausgebessert, steht das Haus, und die Stützen können weg.“ Walter Töbelmann glaubt, dass diese Hebe-Methode für jenes Häuslingshaus in den vergangenen Jahrhunderten bereits mehrfach angewendet worden ist. Das Mauern mit Kalkmörtel sei dagegen einfach.

Ob die von Wind und Wetter gezeichneten Balken halten? „Sie erfüllen ihre Funktion.“ Töbelmann deutet auf eine Schnittfläche. Im Inneren ist das Holz einwandfrei. „Das hält weitere 100 Jahre“, ist er sich sicher.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Oldtimer nur noch Müll? Behörde droht dem Besitzer mit Verschrottung

Oldtimer nur noch Müll? Behörde droht dem Besitzer mit Verschrottung

Oldtimer nur noch Müll? Behörde droht dem Besitzer mit Verschrottung
Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte
Feuerwehrfrauen Beverstedt bringen 2022 wieder Kalender raus

Feuerwehrfrauen Beverstedt bringen 2022 wieder Kalender raus

Feuerwehrfrauen Beverstedt bringen 2022 wieder Kalender raus
Mit Sicherheitsdienst

Mit Sicherheitsdienst

Mit Sicherheitsdienst

Kommentare