FDP-Abgeordnete Marco Genthe und Sylvia Bruns auf Sommertour

Pflegenotstand bekämpfen: Liberale von Weyher Idee begeistert

Rolf Specht (3.v.l.) erklärt den FDP-Abgeordneten Marco Genthe (2.v.l.) und Sylvia Bruns (l.) beim Seniorenwohnheim „Lerchenhof“ in Leeste, weshalb der Staat bei allen Pflegekräften sofort auf die Lohnsteuer verzichten sollte. - Foto: Heinfried Husmann

Weyhe/Stuhr/Syke - Von Sigi Schritt. Um das Problem des Pflegenotstands in Deutschland zu lösen, hat Rolf Specht, geschäftsführender Gesellschafter der Residenzgruppe, eine aus seiner Sicht schnell umsetzbare Idee entwickelt. Die hat er gestern auf der Sommertour der FDP-Landtagsfraktion in der Seniorenresidenz Lerchenhof in Leeste vorgetragen. Sie fand bei Sylvia Bruns, sozial- und gesundheitspolitische Sprecherin, beim Abgeordneten Marco Genthe (Leeste) und beim ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jürgen Timm (Stuhr) breite Zustimmung.

Rolf Specht (l.) führt die Abgeordneten Marco Genthe (r.) und Sylvia Bruns (2. v. r.) sowie den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jürgen Timm, Liberaler aus Stuhr, nicht nur durch den Lerchenhof, sondern auch die Senioreneinrichtung „Deutsche Eiche“ in Syke und das „Haus Am Brunnen“ in Brinkum. - Foto: Sigi Schritt

„Wie in anderen Ländern rollt auch auf Deutschland eine gewaltige Lawine an Pflegebedürftigen zu“, skizzierte Specht das Problem. Bereits jetzt müssten Krankenhäuser Stationen schließen, und Pflegeheime können keine Senioren mehr aufnehmen, weil geeignetes Personal fehlt. Zwar sei die Lage in Leeste noch nicht ganz so gravierend, doch dieser Pflegenotstand sei leicht spürbar, wie Alfred Schaub, Leiter der Leester Einrichtung den Politikern erklärte. Seit Mai versuche er, qualifizierten Ersatz für eine Mitarbeiterin zu finden – bislang vergebens. „Inklusive Schüler, Praktikanten und Teilzeitkräften beschäftige der Lerchenhof für 92 Bewohner 92 Mitarbeiter.“ Das Problem sei ein hoher Verwaltungsaufwand: Manche arbeiten aber nur alle 14 Tage oder nur am Wochenende. Es bedarf viel Zeit, Mitarbeiter zu gewinnen und einzusetzen.

Specht kommentierte, dass Schichtarbeit, fehlende Anerkennung in der Gesellschaft und die oftmals schwierige Betreuung kranker und sterbender Menschen und die Bezahlung der abgeforderten Leistungen weder bei kommunalen noch bei privaten Trägern attraktiv sei.

Das Kostenerstattungssystem im Gesundheitswesen lasse ohne Beitragserhöhungen keine größeren Lohnsteigerungen zu. Denn am Ende würden die Betroffenen die gestiegene Zeche bezahlen.

Specht sieht als mögliche Lösung, ähnlich wie in der Schifffahrt bei den Matrosenbezügen, dass der Staat für examinierte Pflegekräfte in allen Gesundheitssparten auf die Lohnsteuer des Arbeitnehmers verzichtet.

„Das Land Niedersachsen könnte über eine Bundesratsinitiative das Verfahren in Berlin einbringen.“ Das wäre möglich, sagt der Liberale Marco Genthe, - Foto: Sigi Schritt

Im derzeit gesunden, wirtschaftlichen Umfeld in Deutschland mit sprudelnden Einnahmen dürfe es dem Staat nicht schwer fallen, aufdiese Steuern zu verzichten. In Relation zu der aus seiner Sicht Fehlplanung des „Chaos-Flughafens Berlin“ seien das sechs Milliarden an Lohnsteuern, dafür hätte jede Kraft sofort „300 Euro mehr im Portemonnaie“. Sylvia Bruns und Marco Genthe loben die Idee. „Diesen Ansatz haben wir noch nie gehört. Er ist gut“, so Bruns. Als „praktikable und schnell umsetzbare Lösung“ bezeichnete Jürgen Timm Spechts Vorschlag. Allerdings sei das eine Sache des Bundes. „Aber das Land Niedersachsen könnte über eine Bundesratsinitiative das Verfahren in Berlin einbringen“, ergänzte Genthe.

Die Politiker besuchten neben dem Lerchenhof auch die Senioreneinrichtung „Deutsche Eiche“ in Syke und das „Haus Am Brunnen“ in Brinkum.

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