Pferdezuchtverein Sudweyhe veranstaltet Fohlenschau und feiert Zuchthistorie

Eine mindestens 200 Jahre alte Geschichte

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Geschäftsführerin Nadine Pape mit der Zuchtstute „Daytona Beach“ von „Dancier“ mit dem Siegerfohlen der Fohlenschau in Ochtmanonnien, „Benicio“.

Sudweyhe - Von Heiner Büntemeyer. „Er wird bestimmt mal ein gutes Reitpferd“, ist sich Ursula Kleemeyer sicher. Das putzmuntere Hengstfohlen „Skuddi“ ist am 15. Mai geboren. Sein Vater ist „Scolari“. Seine Mutter „Brentina“ ist einige Tage nach der Geburt an einer Kolik verstorben. Familie Kleemeyer zieht das Tier mit der Flasche auf.

„Skuddi“ hat vollen Anschluss an die anderen Fohlen auf dem Hof und wird auch von den fremden Stuten im Fell gekrault. Aber ohne Mutter muss „Skuddi“ bei der Fohlenschau am kommenden Sonnabend im Stall bleiben.

Zwei erfolgreiche Weyher Züchter: Dietrich Ortmann (2.v.l.) und Heinrich Kleemeyer (2.v.r.) bei einer Stutenschau.

Dann veranstaltet der Pferdezuchtverein Sudweyhe auf dem Gelände des Hofs Kleemeyer am Apelsdamm seine jährliche Fohlenschau. Mehr als 30 Jungtiere von bekannten Vererbern wie „De Niro“ oder „Finest“ stellen sich ab 13 Uhr den Richtern Hartmut Kettelhodt und Jörn Kusel vor. Sie werden in den drei Kategorien jüngere dressurbetonte, ältere dressurbetonte und springbetonte Fohlen bewertet. Präsentiert wird auch der Sieger der Fohlenschau Brüning in Ochtmannien. Insgesamt haben 21 Züchter für diese Schau gemeldet. Eine Fohlenschau ist nicht nur eine Veranstaltung für Pferdezüchter, Reiter und andere Fachleute, ein Besuch lohnt sich auch für Gäste, die einfach Spaß und Interesse an springlebendigen Fohlen haben. Selbst bei nicht so gutem Wetter bietet sich der Hof als Besuchsziel an, da die Gäste die Schau bei freiem Eintritt aus einem Zelt heraus betrachten können, werben die Veranstalter.

Im Anschluss an die Fohlenschau feiern die Organisatoren und Gäste ab 19.30 Uhr „200 Jahre Pferdezucht in Weyhe“. Aus diesem Anlass beauftragte der Verein den Gemeindearchivar Hermann Greve, die Geschichte der Pferdezucht in der Region aufzuarbeiten. Er stellte dabei fest, dass die alte Grafschaft Hoya schon vor Jahrhunderten als Hochburg in der Zucht des hannoverschen Halbbluts galt.

1582, nach dem Tode des letzten Grafen von Hoya, ließ der Celler Herzog Wilhelm der Jüngere in einem Erbregister die Rechte und Besitzungen in der geerbten Grafschaft Hoya auflisten. Darin findet sich der Hinweis, dass unter anderem „Zehntfohlen“ an das landesherrliche Vorwerk in Hoya abzuliefern seien. Die Pferde wurden damals für das Militär benötigt. Die Zuchtziele und die Rahmenbedingungen für die Vermarktung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte jedoch.

Albert Esdohr

war Vorsitzender

Nach dem Ersten Weltkrieg führten Debatten über das richtige Zuchtziel zur Gründung lokaler Pferdezuchtvereine. Die erste Satzung des „Pferdezuchtvereins des Kreises Syke“ ist datiert vom 1. März 1922.

1960 wurde daraus der „Pferdezuchtverein Sudweyhe und Umgegend“. Seinerzeit waren der Sudweyher Landwirt Albert Esdohr Vorsitzender und Friedrich Lahrs aus Lahausen sein Stellvertreter. Beide waren auch Gründungsmitglieder des 1914 entstandenen „Reitklubs Sudweyhe und Umgegend“, in dem Albert Esdohr ebenfalls Vorsitzender war.

Den Anstoß zur Gründung des Reitklubs gab der damalige Vorsteher der Deckstation Sudweyhe, August Meyer. Hermann Greve vermutet, dass er auch die Gründung des Zuchtvereins angeschoben hat.

Pferdezucht- und Reitverein arbeiteten Hand in Hand und standen hinter dem vom „Provinzialverband hannoverscher Warmblutzüchter“ propagierten Ziel. Hinzu kam eine enge Zusammenarbeit mit der Sudweyher Deckstelle und dadurch mit dem Landgestüt.

Schon 1739 waren die ersten Landgestütshengste in die Region gekommen. „Seitdem gab es in Sudweyhe eine Deckstelle, die mit Leuchtturmcharakter in die Region strahlte“, berichtet Landstallmeister Dr. Axel Brockmann.

Von Beginn an waren vier Hengste in Sudweyhe stationiert, zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren es zeitweise sogar acht Vererber. Mit der Einführung der künstlichen Besamung sank, wie in anderen Regionen auch, die Bedeutung der Deckstationen. 1999 wurde die Deckstelle Sudweyhe geschlossen, die über die Jahrhunderte hinweg auch ein Ort der Kommunikation war, an dem sich alte und junge, neue und erfahrene Züchter austauschten und Erfahrungen weitergaben.

Auch die vereinseigene Stutenschau wurde aufgegeben. „Aber die Sudweyher Züchter haben es immer verstanden, sich in größeren Gemeinschaften zurechtzufinden und ihre Eigenständigkeit dabei zu bewahren“, lobt der Zuchtleiter Dr. Werner Schade vom Hannoveraner Verband. Sie hätten sich stets Neuerungen gegenüber aufgeschlossen gezeigt, ohne darüber die Tradition zu vernachlässigen. So habe der Verein in Insa Kracke 1997 die erste Deutsche Jungzüchter-Meisterin gestellt.

Gutartiges

Temperament

Hannoveraner Warmblutpferde gehören dem Verband zufolge weltweit zu den besten Pferden und sind bei allen internationalen Turniere gefeierte Stars. Sie zeichnen sich durch ein gutartiges Temperament und einen zuverlässigen Charakter aus, zeigen hervorragende Reitqualitäten, einen schwungvollen, elastischen Gang und haben Kraft und Zähigkeit. Hannoversche Zuchthengste, Mutterstuten, Reit- und Olympiapferde werden in mehr als 30 Länder exportiert. Das Fundament dafür bilden die traditionsreichen ländlichen niedersächsischen Pferdezuchtvereine mit gut 17000 eingetragenen Mutterstuten und mehr als 500 Vererbern.

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