Felicianusgemeinde verzichtet auf Übertragung der Europameisterschaft

Pfarrscheune bleibt dunkel

Viele Besucher kamen bei den vergangenen Turnieren in die Pfarrscheune. Das Bild entstand während der WM2014. - Archivfoto: sie

Weyhe - Von Philipp Köster. Erstmals seit 2006 überträgt die Felicianuskirchengemeinde nicht mehr die deutschen Spiele der Nationalelf bei einem großen Turnier. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) als Lizenznehmer für die Gemeinden hatte sich nicht mit der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) einigen können.

Das hätte zur Folge gehabt, dass die Weyher selbst hätten aktiv werden müssen. „Das bedeutet zahlen, und das können wir nicht“, sagt Pastor Albert Gerling-Jacobi.

Hannelore Leifeld vom Arbeitskreis Weyhe der Kindernothilfe, der das „Public Viewing“ stets organisiert hatte, sieht den Verzicht „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“.

Einerseits sei es schade, und mit dem Verkauf von Würstchen und Kaltgetränken sowie Tombolalosen sei immer ein mindestens vierstelliger Betrag für die Kindernothilfe zusammengekommen. Im Vorfeld hätte sich die Kirchengemeinde auch zum Beispiel in Gottesdiensten mit dem Ausrichterland des Fußballturniers befasst, wie zuletzt 2014 bei der WM in Brasilien. Andererseits „kriegen wir das in diesem Jahr nicht auf die Reihe“, verweist Leifeld auf eine personelle Umstrukturierung im Arbeitskreis. „Mindestens zwölf ehrenamtlich aktive Leute hatten jeden Abend ordentlich zu tun.“ Diese Kapazitäten müsse man erst einmal haben. Auch der Termin der EM in den Ferien sei in diesem Jahr unglücklich, ebenso der späte Übertragungsbeginn von zwei Gruppenspielen um 21 Uhr.

Vielleicht klappe es ja 2018 wieder, wenn die Weltmeisterschaft in Russland ansteht. Hannelore Leifeld hofft dann auf personelle Unterstützung durch Migranten, die fußballinteressiert seien. „Beim Flüchtlingscafé im Gemeindehaus Lahausen, das übrigens sehr gut angenommen wird, treffen sich viele Besucher schon eine halbe Stunde vorher am Tischkicker.“

Die EKD hatte bei der WM 2014 noch für 1 200 kirchliche Veranstalter Lizenzen in Höhe von 100 Euro pro Übertragungsrecht erworben und komplett die Gebühren an die Gema bezahlt. Neben der finanziellen Belastung durch die Verdoppelung der Gebühren führt die EKD aber auch den immensen organisatorischen Mehraufwand an. Denn die einzelnen Kirchengemeinden hätten einer umfangreichen Nachweispflicht nachkommen müssen.

Das Autohaus Brandt scheut die Lizenzgebühren indes nicht und überträgt alle Partien des Löw-Teams auf einer 17 Quadratmeter großen Leinwand in hochwertiger HDTV-Technik, sagt Kathrin Biegert, beim Autohaus zuständig für das Marketing. Allerdings meidet das Haus aus rechtlichen Gründen den Begriff „Public Viewing“.

180 Euro Gebühr pro Spiel müsse der Kirchweyher Autohändler an die Gema überweisen. Das liege auch daran, dass Brandt erstmals Eintritt in Höhe von drei Euro pro Karte kassiert. Insgesamt 400 Tickets pro Spiel gibt es. „Wir geben den Erlös an die Gemeinde Weyhe für gemeinnützige Zwecke weiter.“ Bei der WM hätten einfach zu viele Leute das Angebot bei freiem Eintritt genutzt, der Veranstaltungsort sei überfüllt gewesen. Mit dem Verkauf der Tickets will das Autohaus Biegert zufolge die Besucherströme in Grenzen halten. Draußen locken Buden mit gegrillten Speisen sowie Kaltgetränken, zum Beispiel an einer „Zapfsäule“. Das Autohaus werde anlassgemäß geschmückt, an Stehtischen lägen sogar Schmink-Utensilien für die Gäste aus, verspricht Biegert.

Folgende Termine stehen fest: Sonntag, 12. Juni, 21 Uhr gegen die Ukraine; Donnerstag, 16. Juni, 21 Uhr gegen Polen; Dienstag, 21. Juni, 18 Uhr gegen Nordirland.

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