Gesprächsrunde im Live-Stream

Kirche in Corona-Zeiten: Der Pastor aus dem Netz

Kürzlich in der Gesprächsrunde: Bürgermeister Frank Seidel (l.) und Pastor Ulrich Krause-Röhrs. Foto: Sigi Schritt
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Kürzlich in der Gesprächsrunde: Bürgermeister Frank Seidel (l.) und Pastor Ulrich Krause-Röhrs.

Weyhe - Die Kirchengemeinde Leeste nimmt die Corona-Krise zum Anlass, Menschen in Weyhe und über die Grenzen hinaus mit Online-Angeboten zu versorgen. Sie setzt dabei unter anderem auf die Präsentation von Video-Clips auf verschiedenen sozialen Kanälen, aber auch auf sogenanntes Live-Streaming.

„Dabei wird eine Veranstaltung mithilfe von einer oder mehreren Kameras gefilmt und per Internet übertragen“, erklärt Dagmar Neumann, die für den Facebook-Auftritt der Kirchengemeinde verantwortlich ist. So stand Bürgermeister Frank Seidel kürzlich für ein Gespräch mit Pastor Ulrich Krause-Röhrs zur Verfügung und erläuterte die Lage in Weyhe. Im Rahmen dieses Formats beantwortete der Weyher Verwaltungschef viele Fragen des Pastors. Die Gesprächsrunde wurde live ins Internet über die Facebook-Plattform übertragen und erreichte mehr als 2 100 Menschen, wirft Facebook in seiner Statistik darüber aus. Das Video riefen mehr als 1 400 Menschen auf und sahen es sich ganz oder teilweise an. Es wurde dabei mehrfach geteilt und auch kommentiert. Der Weyher Künstler Peter Barthold Schnibbe zum Beispiel bezeichnete das Format als „schöne Idee“. Und Ingrid Schierenbeck forderte die Kirchengemeinde sogar auf, weiter zu machen. Das wird sie auch, kündigt Dagmar Neumann an.

Heute stellt sich Rainer Zottmann aus Weyhe den Fragen von Pastor Krause-Röhrs. Der Weyher Kommunalpolitiker war bis vor seiner Pensionierung Leitender Polizeidirektor in Bremen und für den Einsatz- und Streifendienst der Beamten verantwortlich. Jetzt unterstützt er den Bremer Senat als Corona-Beauftragter. Was nehmen wir aus der Krise für die Zeit danach mit? Wie können wir die Hilfsbereitschaft, das Verständnis dafür auch nach Corona leben? Auf diese Fragen will Rainer Zottmann Antworten geben. Gegen 20.45 Uhr wird die Gesprächsrunde aus dem Gemeindehaus in Leeste gestreamt, kündigt Dagmar Neumann an. Sie bittet interessierte Internet-Nutzer, sich mit dem Facebook-Portal der Kirchengemeinde zu verbinden. Das Video wird im Anschluss daran – wie zuvor das Gespräch mit Bürgermeister Seidel – weiter abrufbar sein.

In dem Video berichtet Frank Seidel, dass die Gemeinde einen Krisenstab gebildet hat, der täglich zusammentritt. Fakten zur Lage sollten schnell mitgeteilt werden, lautet seine Devise „um Gerüchten keinen Nährboden zu geben“. Die Infos gelangen über die Gemeindehomepage, aber auch über die des Facebook-Auftritts sowie über die Privataccounts von Seidel an die Menschen, berichtet er Krause-Röhrs auf Nachfrage. Das sei aber keine Einbahnstraße. Es komme auch eine ganze Menge zurück. Und das offenbar so viel, dass er es persönlich fast nicht schafft, die ganzen Fragen abzuarbeiten. Doch Seidel gebe sich viel Mühe, mit den Bürgern in Dialog zu treten. So berichtet er, dass einige ganz schön verwundert seien, wenn er selbst zum Telefonhörer greift. Derzeit erlebt der Verwaltungschef, wie er länger als acht Stunden arbeitet. „Das ist kein Problem. Probleme sind das, womit wir jeden Tag konfrontiert werden.“

Seidel spricht über die Ängste von Familien, die sich nach einer Kinderbetreuung in Zeiten von geschlossenen Kitas erkundigen. Sie haben ebenso viele Fragen wie Selbstständige und Firmeninhaber, die ihre Sorgen äußern. „Wenn bei den Einnahmen etwas fehlt, aber bei den Ausgaben nichts zu streichen ist, haben die richtig Zukunftsängste“, beschreibt Seidel die Situation. Es gebe dabei viele Beispiele, die ihn berühren.

Dennoch sieht er Positives: Die Menschen in Weyhe (und anderswo) rücken zusammen. Bürger bieten ihre Hilfe an und kaufen für andere Menschen ein, gehen mit Hunden von anderen spazieren. „Da ist eine große Welle der Hilfsbereitschaft.“ Seidel glaubt, wenn die Krise gemeinsam bewältigt wird, wird die Gesellschaft gestärkt sein. Solidarität sei dabei wichtig.

Was tut der Bürgermeister, um abzuschalten? Er schaut Fernsehen, oder Netflix oder spielt Fifa. Positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung und Dankbarkeit für den Zuspruch der Menschen und der Gemeinde motivieren Seidel, weiter zu machen.

Auch Pastor Krause-Röhrs berichtete von Alltagsszenen, die ihn berührt haben. So klebten Jugendliche und Kinder Zettel an Briefkästen und boten ihre Hilfe beim Einkaufen an. Die Botschaft lautet auch hier: „Sagen Sie Bescheid, wir helfen gerne.“

Pastor Krause-Röhrs machte sich online außerdem Gedanken zum Thema Nächstenliebe. Er gab Tipps, wie man sich bei den Alltagshelden bedanken kann. Denn es scheine ihm kurios zu sein, dass Nächstenliebe in der Corona-Krise erstmal bedeutet, Abstand zu halten. Doch es gelte, neue Wege zu suchen, sich auszutauschen und sich auch über Gesten mitzuteilen. So forderte er die Menschen auf, sich bei den Alltagshelden zu bedanken. Man könnte den Mitarbeitern von Supermärkten Blumen überreichen. Sie füllten die Regale wieder auf und stehen an der Kasse ohne Plexiglasschutz für die Kunden bereit. „Nächstenliebe könnte auch bedeuten, ein Blumenmeer vor Krankenhäusern zu gestalten.“ In der Krise sollten Menschen die Treue halten – so könnte man das Lieblingsrestaurant unterstützen, indem die Bürger den Außer-Haus-Verkauf nutzen. Krause-Röhrs plädierte, die Mitgliedschaft im Fitnessclub nicht aufzugeben. Werder-Karten für Geisterspiele zu kaufen.

Der Pastor sammelt jetzt Hoffnungsgeschichten und möchte sie mit theologischen Inhalten verbinden und neben Frank Seidel und Rainer Zottmann künftig weitere Gäste einladen: „Niemand kann alleine die Welt erklären“, so Krause-Röhrs. Deshalb interessieren sich er und seine Amtskollegen auch für die verschiedenen Blickweisen.

Dagmar Neumann, die Facebook-Beauftragte der Kirchengemeinde, freut sich bereits auf die neuen digitalen Inhalte. Das Produktionsteam sei noch klein, werde sicherlich anwachsen. Denn Ziel sei es, Gottesdienste online und zeitgleich zu übertragen, so Pastor Ulrich Krause-Röhrs. „Eine schnelle Internet-Leitung ist im Kirchenbüro vorhanden“, sagt Neumann erfreut. Und die Übertragung im Februar aus dem gemeinsamen Gottesdienst auch mit der Felicianusgemeinde aus dem Weyher Theater sei sehr erfolgreich gewesen. Ein Anfang sei gemacht.

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