Pastor Holger Tietz fungiert bei der Feuerwehr als Notfall-Seelsorger

„Mein Talar ist keine Uniform, mein Talar ist meine Kampfkleidung“

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Pastor Holger Tietz mit dem ehemaligen Gemeindebrandmeister Günther Knief bei einem Empfang im Rathaus.

Weyhe - Von Heiner Büntemeyer. Pastor Holger Tietz gehörte zu den ersten, die Ende der 1980er-Jahre im Kirchenkreis Syke-Hoya über die Einrichtung einer Notfall-Seelsorge nachdachten. Diese Anregung war damals vom Neubruchhauser Pastor Jörg Sbrizny gekommen.

Zusammen mit dem damaligen Weyher Gemeindebrandmeister Günther Knief und dem Weyher Allgemeinmediziner Thomas Wichmann erstellte er ein Konzept. Die Freiwillige Feuerwehr Erichshof nahm Tietz als Mitglied auf, und er ist seit einigen Jahren als Ausbilder an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NABK) in Loy tätig. Bei dieser Arbeit trägt er eine Uniform mit einem Ärmelstreifen, der ihn als Notfall-Seelsorger ausweist.

Obgleich Holger Tietz „kein Freund von Uniformen“ ist, hält er es für richtig, diese zu tragen. „Damit stehen der Betroffene und ich uns sofort auf gleicher Ebene gegenüber, der persönliche Zugang fällt leichter“, so Tietz.

Er muss allerdings nicht nicht an den Übungsdiensten seiner Ortsfeuerwehr teilnehmen, er wird auch nicht bei jedem Einsatz alarmiert. „Doch wenn meine Hilfe erforderlich scheint, dann rücke ich aus.“

Meistens beginnt der übliche „Dienstweg“ bei der Rettungsleitstelle, die eine Notfallseelsorge anfordert. Aber auch andere Ortsbrandmeister, die den Eindruck haben, dass Aktive nach belastenden Aktionen eine professionelle Betreuung benötigen, können auf dem direkten Weg seine Hilfe anfordern. Bei belastenden Einsätzen wird der Geistliche auch zu den Nachgesprächen eingeladen und bietet allen Betroffenen Rat an. Dass Feuerwehrleute diese Hilfe auch annehmen, wird immer selbstverständlicher. Das vor Jahren relativ häufig gepflegte Klischee, ein „Weichei“ zu sein, wenn man als Aktiver der Wehr um seelsorgerischen Beistand bittet, sei inzwischen kaum noch anzutreffen. „Meine Mitarbeit wird immer selbstverständlicher“, so Tietz.

Er beschränkt seine Unterstützung nicht auf die Feuerwehrleute der Wesergemeinde: Es rufen auch Mitglieder aus Nachbarwehren oder Teilnehmer an den Lehrgängen in Loy bei ihm an.

Die Zahl der Hilfegesuche schwankt. Direkt zu den Einsätzen wird der Geistliche nur ganz selten gerufen, aber einen oder zwei Anrufe, manchmal auch mehr, nimmt Pastor Holger Tietz im Monat entgegen. Die Feuerwehren schätzen diese Unterstützung und empfinden es als sehr hilfreich, dass er dann Uniform trägt.

Zwar ist de Pastor schon seit vielen Jahren Notfallseelsorger, doch immer wieder hört er die scherzhaft gemeinte Bemerkung, man hätte ihn eigentlich in der anderen „Uniform“ erwartet. Diese Bemerkung kontert er mit dem Hinweis: „Mein Talar ist keine Uniform, mein Talar ist meine Kampfkleidung.“

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