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Orgelkonzert ohne Bach: „Der würde nämlich den Rahmen sprengen“

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Von: Fabian Pieper

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Lädt ein: Organistin Elena Brodde-Edert gibt in Weyhe ein Musikvermittlungskonzert.
Lädt ein: Organistin Elena Brodde-Edert gibt in Weyhe ein Musikvermittlungskonzert. © Fabian Pieper

Elena Brodde-Edert zeigt die Vielseitigkeit der Orgel im Rahmen eines Konzertes in Weyhe. Auf Bach werde sie aber ganz bewusst verzichten.

Weyhe – Das Wortspiel, dass Elena Brodde-Edert bei ihrem Orgel-Konzert in der Weyher Felicianuskirche am Sonntag, 6. Februar, ab 17 Uhr sämtliche Register ziehen wird, ersparen wir uns an dieser Stelle. Dabei läge es gar nicht so fern, denn die Weyherin möchte ihren Zuhörern die große Bandbreite des haushohen Instruments näherbringen.

Ausbildung zur Geigenbauerin brachte Brodde-Edert zum Musikstudium

Die Voraussetzungen dafür, dass ihr das gelingt, sind jedenfalls schon mal gegeben: „Diese Orgel ist ein Instrument, das ich gut kenne“, sagt die in Weyhe lebende Studentin, die schon häufiger in der Felicianuskirche musiziert hat.

Während ihrer Ausbildung zur Geigenbauerin kam Elena Brodde-Edert häufig mit Musikern in Kontakt, woraufhin ihre Entscheidung reifte, Musik zu studieren. Ihren Bachelor machte sie an der Hochschule für Künste in Bremen, derzeit arbeitet sie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover an ihrem Master im Studiengang Tasteninstrumente. Dort hat sie sich auf die Orgel als Instrument festgelegt. Das Konzert am kommenden Sonntag ist eine Studienleistung, erklärt sie.

Aber beim Pressetermin auf der Empore der Felicianuskirche wird spürbar, dass es ihr nicht bloß ums Bestehen geht. Mit Begeisterung in der Stimme stellt die 28-Jährige das knapp einstündige Programm vor – und eines nimmt sie direkt vorweg: „Ohne Bach. Der würde nämlich den Rahmen sprengen“. Stattdessen hat sie sich für ein Magnificat von Dietrich Buxtehude (1637-1707) entschieden. An diesem ließen sich die Klangfarben des Instruments sehr gut darstellen, erklärt Elena Brodde-Edert.

„Musikvermittlungskonzert“ mit Stücken von Buxtehude, Vierne und Latry

Deshalb nennt sie die Aufführung auch ein „Musikvermittlungskonzert“. Immer wieder wird die Künstlerin dabei von der Empore der Felicianuskirche herab zum Publikum sprechen, ihm die Besonderheiten und Vielfalt der Orgel und der einzelnen Stücke sowie deren Komponisten erklären. Sie selber findet es „faszinierend, was man aus seiner Orgel alles herauskriegt“. Deshalb freue sie sich bereits darauf, dem Publikum die Besonderheiten von Noten oder Klangfarben am Instrument näherzubringen.

Es folgt ein Sprung in die französische Romantik und zu Werken von Louis Vierne (1870-1937). „In den 200 Jahren zwischen den beiden Künstlern hat sich auch technisch einiges an der Orgel verändert“, sagt Elena Brodde Edert. Auch diesen Wandel wolle sie in ihr Programm einfließen lassen. Die Begeisterung Viernes für das Instrument verbildlicht sie mit der Geschichte seines Todes: „Er starb an Orgel, nachdem er den letzten Ton seines Konzertes gespielt hatte.“

Und dementsprechend finden sich auch Stücke zeitgenössischer Komponenten in der Darbietung wieder, etwa von György Ligeti (1923-2006) und vom aktuellen Notre-Dame-Organisten Olivier Latry. Diese Vielfalt überzeugt die aus Uelzen stammende Organistin: „Man kann richtig auf Entdeckungsreise gehen!“

Für das Konzert gilt die 2G-plus-Regelung ohne Anmeldung

Organisatorisch hingegen soll das Konzert keine Entdeckungsreise werden, verspricht Elisabeth Geppert, Kantorin der Kirchengemeinde: „Die Leute kennen das ja mittlerweile von Besuchen im Restaurant“, sagt sie entspannt und verweist auf die 2G-plus-Regelung und die Maskenpflicht während der Veranstaltung. So sei die Kirchengemeinde bereits bei den Weihnachtsgottesdiensten verfahren, „und alle haben sich wohlgefühlt“. Die Kirche biete Platz für etwa 120 Personen; da allerdings Familien keine getrennten Plätze brauchen, könne die Anzahl an Plätzen am Konzertabend variieren, sagt die Kantorin. Eine Voranmeldung sei nicht notwendig, auch Eintritt werde nicht verlangt.

Stattdessen bitten Elisabeth Geppert und Elena Brodde-Edert um Spenden. Die sollen dann zweckgebunden für die aufwendige Wartung, Reinigung und Instandsetzung der sieben Meter hohen Orgel, auf der Elena Brodde-Edert spielen wird, eingesetzt werden. „Einmal haben wir einen toten Vogel in einer der Orgelpfeifen gefunden“, erinnert sich Elisabeth Geppert an ein Kuriosum. Das Instrument wurde im Jahr 2006 eingeweiht, nachdem die Kirchengemeinde jahrelang Geld gesammelt hatte, um das am Ende 460 000 Euro teure Projekt verwirklichen zu können.

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