„Staatliche Hilfen sind angekommen“

Fitnessstudios in der Krise: Optimisten trotzen dem Corona-Lockdown

Nutzt den Lockdown, um in neue Geräte zu investieren: Harald Ellrich, Inhaber des Unternehmens Topfit Training in Kirchweyhe.
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Nutzt den Lockdown, um in neue Geräte zu investieren: Harald Ellrich, Inhaber des Unternehmens Topfit Training in Kirchweyhe.

Das Fitnessstudio Sportpark am Markt in Kirchweyhe hat im Corona-Lockdown Insolvenz angemeldet. Erleiden Weyher Mitbewerber das gleiche Schicksal? Die Betreiber der Studios Topfit Training, Sportcenter Dassbeck, Vita Zentrum für Gesundheit & Fitness sowie Fitness Fellows verbreiten Optimismus. Sie haben alle unterschiedliche Herangehensweisen, um dem Lockdown zu begegnen.

Weyhe – „Wir haben keine Spiegel, keine Musik, keine Müslibar und keine Shakes. Bei uns gibt es einen Dresscode. Sporttreibende müssen eine Hose tragen, die die Knie bedeckt und ein T-Shirt anziehen, das die Schulter bedeckt. Im Unterhemd darf niemand erscheinen.“ Das sind Regeln, die in der Firma gelten, die Harald Ellrich 1985 in Leeste gegründet hat. Die Rede ist vom Unternehmen Topfit Training. Es ist eines der ältesten Sportstudios in Weyhe und hat sich nach einem Umzug in die Nähe des Kirchweyher Bahnhofs dort etabliert.

„Wir trainieren Muskeln, wir zeigen sie aber nicht.“ Harald Ellrich glaubt, dass sein Unternehmen die Corona-Krise gut wegstecken werde. „Wir würden gerne wieder aufmachen“, sagt der 70-Jährige. Er würde nur sehr gerne seine Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen.

Verlängerung des Lockdowns kann gute Laune nicht vertreiben

Die aktuell geltende Verlängerung des Lockdowns würde seine gute Laune nicht vertreiben, sagt Ellrich, obwohl seit Anfang November der Trainingsbetrieb auf seiner rund 2000 Quadratmeter großen Fläche, die er mit Geräten bewirtschaftet, ruht. Er konzentriere sich derzeit auf ein neues Spinning-Konzept, das er im März mit neuen Geräten umsetzen will.

Er habe einige ältere Modelle aus seinem Studio „sehr gut verkaufen können“. Im Lockdown seien einige Sportler quer durch Deutschland viele hunderte Kilometer unterwegs gewesen, um ganz bestimmte Geräte zu erwerben, um weiter trainieren zu können, erklärte er. Dieses Geld investiere Ellrich in Neugeräte.

Investitionen seien stets wichtig, aber an den richtigen Stellen. Ellrich gibt ein Beispiel. „Unsere Trainingskarten sind aus Pappe. Im Büro ist dagegen Hightech.“ Dass einige grinsen, weil manche Eintragungen mit Bleistift vorgenommen würden, störe ihn nicht. „Einige kommen genau deswegen“, so Ellrich.

„Fehlende Neuabschlüsse“ schmerzen Fitnessstudios finanziell

Was ihn allerdings finanziell schmerze, seien „fehlende Neuabschlüsse“. Für die Fitnessbranche sei das Neugeschäft speziell in den Monaten Oktober bis März sehr wichtig, erklärt er. Das mache sogar zwei Drittel des Jahresumsatzes bei Neukunden aus. Im Idealfall würden Neuabschlüsse die Zahl der Kündigungen, die immer rein kämen, mindestens kompensieren. Angst vor einer Insolvenz, die kürzlich einen Mitbewerber getroffen hat, habe er nicht. „Wir haben keine Probleme.“ Der Geschäftsmann führt gleich mehrere Gründe an, weshalb er sich nicht in den Klagechor so mancher Sportstudio-Betreiber in Deutschland einreihen möchte. „Alle staatlichen Hilfen sind angekommen. Das deckt die Kosten.“

Er habe die frühen Hilfen 2020 bekommen, im November des vergangenen Jahres einen Abschlag, den Rest im Dezember, und das Dezember-Geld sei sogar im Dezember gekommen. Nach einem Abschlag fehle der Rest des Januar-Geldes. Ellrich habe einen „sehr guten Steuerberater“. Das Finanzamt akzeptiere, dass Ellrichs Unternehmen die Entrichtung von Steuern kurzfristig aussetzen dürfe. Einnahmen habe Ellrich derzeit nur durch die Vermietung eines Raumes für einen Verein.

Beim ersten Lockdown habe er seinen Kunden Rückvergütungen oder Zeitgutschriften bis Ende dieses Jahres angeboten. Seit Beginn des zweiten Lockdowns würde Topfit keine Beträge abbuchen.

Dankt seinen Kunden für die Solidarität in der Corona-Krise: Heiko Dassbeck vom Dreyer Unternehmen Sportcenter Dassbeck.

Heiko Dassbeck (45), der das Sportcenter Dassbeck verantwortet, geht davon aus, dass das Dreyer Unternehmen nach dem Lockdown zum Beispiel mit dem Cardio-Training wieder am Start ist. Individualsport sei zwar bereits jetzt möglich, aber dann dürfe nur einer aus der Menge der 250 Mitglieder das Studio nutzen. Das wäre nicht fair. Er lobt die Solidarität der Kunden, die dem Unternehmen in der Krise die Treue halten.

Ein Plus sei, dass Tennis und Badminton gespielt werden dürfe. Squash sei ebenso möglich, wenn die Spieler aus einem Haushalt kommen. Heiko Dassbeck bedauert es, dass Veranstaltungen nicht mehr stattfinden dürfen. „Uns sind 15 Feiern weggebrochen.“

Er hofft, dass die Wrestling-Tour im Herbst erneut Station in Dreye machen wird.

Die Corona-Zeit habe Heiko Dassbeck genutzt, um im Kraftbereich in ein neues Lüftungssystem zu investieren und das Online-Buchungssystem zu überarbeiten.

Hat die Fitness-Halle des Unternehmens Vita Zentrum für Gesundheit & Fitness auf das Gelände seiner Großeltern bauen lassen: Ralph Scheu.

Auch Ralph Scheu (54), Geschäftsführer des Unternehmens Vita Zentrum für Gesundheit & Fitness, will ordentlich Gas geben, wenn es wieder möglich ist, die Studios zu öffnen. Er geht davon aus, dass dies erst nach Ostern geschieht.

Corona habe den Neustart in Weyhe verhagelt. Nach zehn Jahren in Stuhr sei sein Unternehmen in eine neue Halle umgezogen. Der 54-Jährige habe das Studio erst im April 2020 in Melchiorshausen eröffnet. Das neue Studio sei für ihn eine Herzensangelegenheit. „Wir werden es schaffen“, ist sich Ralph Scheu sicher. Seine Halle habe er auf jenem Gelände errichtet, das einst seinen Großeltern gehört hatte und wo er jetzt wohnt.

Fitness Fellows: Das Unternehmen ist bereit für einen Start.

Die Studios Fitness Fellows in Weyhe und Thedinghausen würden ebenfalls gut durch die Krise kommen, auch dank der Überbrückungshilfen der Regierung und der Möglichkeit, Kurzarbeit für die Mitarbeiter zu beantragen, sagt Necdet Aiser. Der Geschäftsführer lobt seine Kunden, die sich solidarisch zeigen. Wichtig sei, dass man respektvoll miteinander umgehe. Leben und leben lassen laute seine Maxime. Wenn es Kunden finanziell schlecht gehe, könnten sie mit ihm in den Dialog treten, um zum Beispiel Beitragspausen zu vereinbaren.

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