Immobilie gekündigt

Im Oktober ausge(t)räumt - Tage des „c’est la vie – Café und mehr“ sind gezählt

Hat ihr Café mit Liebe zum Detail eingerichtet: Christine Laurinat. Fotos: Sigi Schritt
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Hat ihr Café mit Liebe zum Detail eingerichtet: Christine Laurinat.

Der beliebte Kirchweyher Gastronomiebetrieb „c’est la vie – Café und mehr“ öffnet am kommenden Mittwoch wieder seine Türen – doch die Wochen und Tage sind gezählt. Denn der Vermieter hat für die Gewerbeimmobilie eine ordentliche Kündigung ausgesprochen, sagt die Unternehmerin Christine Laurinat.

Weyhe – Ihr Gästebuch singt ein Loblied auf das Café: Jeder Tag sei „Magie“, steht auf einer Seite. Auf einer anderen ist zu lesen, dass sowohl das Essen als auch der Kuchen „sehr lecker“ war. Einige Gäste fühlen sich so gut wie in ihrem eigenen Wohn- oder Esszimmer. Wer die Seiten durchblättert, erkennt schnell, dass sich viele Gäste am Kirchweyher Ruschkamp bei Christine Laurinat sehr wohl fühlen.

Mit der Eröffnung des Gastronomiebetriebs „c’est la vie – Café und mehr“ hat sich die gelernte Werbekauffrau vor viereinhalb Jahren einen Traum auf 200 Quadratmetern erfüllt. Im Oktober ist er aber ausgeträumt: Sie gibt das Café auf, wird ihre festangestellten Mitarbeiter und einige Aushilfen nicht mehr weiterbeschäftigen können und verkauft die Einrichtung. Sie benötigt sie aber noch bis Mitte Oktober. Die 36-jährige Unternehmerin will dann wieder ins Angestelltenverhältnis wechseln.

Eigentlich wollte Christine Laurinat das Geschäft nur in andere Hände geben. „Mir fehlte die Energie, es weiterzubetreiben“, blickt sie zurück. Dabei war die Ausgangslage prächtig: Ihr Café ist etabliert und hat sich zu einem generationsübergreifenden Treffpunkt entwickelt. „Wir waren immer ausgelastet“, sagt sie. Wer aus der Werbebranche komme, habe ein Gespür dafür, was die Menschen sich für einen Platz wünschen, an dem sie ihre Seele baumeln lassen wollen oder sich zum Klönen treffen. Ihre Liebe zum Detail ist in der gesamten Innenreinrichtung erkennbar. Tische, Stühle, Sofas und Kissen sind handverlesen ausgesucht. Dass man sich wohlfühlen muss, davon zeugen die vielen Eintragungen im Gästebuch seit der Eröffnung im November 2015. Gut angekommen seien auch die verschiedenen Arrangements, die sie extra für Hochzeiten zusammenstellt und auch in die Region liefert: Ihre Torten werden sogar von einer Konditorenmeisterin kreiert.

Sie verkauft auch Dekoartikel.

Laurinat gliederte dem Café ein Teehandelsgeschäft an und verkauft auch Wohnac–cessoires. Eine Kaufinteressentin hätte das ganze Unternehmen übernommen, nachdem Laurinat den Entschluss gefasst hatte, das Geschäft zu verkaufen. „Die Zeit hat Spuren hinterlassen“, sagt sie. Die Käuferin wollte also Einrichtung, Kundenstamm und auch die Aufträge, die bis in das Jahr 2021 hineinreichen, übernehmen. Und auch die vier Angestellten sowie Aushilfen sollten weiterbeschäftigt werden. Dann sei Corona gekommen – mit all den Hürden. Sie habe ihre Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken müssen. Erst am Donnerstag sei die Bewilligung für April gekommen, sagt die Unternehmerin. So wartet sie auf das Geld, was sie weitergeben will. Vorstrecken könne sie es nämlich nicht. Es fehlten ihr wegen der Corona-Pandemie Einnahmen aus zwei Monaten. Eine Gutscheinlösung fand sie nicht tragbar. Man hätte zwar Einnahmen, aber diese fehlten irgendwann, wenn Stundungsbeträge wie Sozialversicherungsbeiträge und Finanzamt hätten ausgeglichen werden müssen. Sie selbst stehe ebenfalls ohne Einnahmen da: Die Soforthilfe kam bei ihr nicht an, obwohl sie sich mehrfach dahintergeklemmt hatte und insgesamt drei Anträge verfasst und hinterhertelefoniert hat – bislang vergeblich.

Ein möglicher Verkauf ihres Betriebes habe sich zudem Woche um Woche verschoben. Die Unterlagen der Kaufinteressentin seien bereits bei der Bank gewesen, es fehlte nur noch ein Vorvertrag und die Einwilligung des Vermieters. Doch diese kam nicht. Stattdessen wurde Christine Laurinat mit einer Kündigung der Gewerbeimmobilie konfrontiert. Für Laurinat brach eine ganze Welt zusammen, weil sie sich allein mit der Perspektive des Verkaufs sicher gefühlt habe und mit dieser auch den Widrigkeiten der Corona-Krise getrotzt hätte. „Nun reichen die finanziellen Mittel nicht aus“, deshalb hofft sie auf die Unterstützung ihrer Kunden, mit denen sie bis zur Geschäftsaufgabe eine schöne Zeit verbringen will. Sie öffnet das Café also nach den Lockerungen während der Corona-Krise wie gehabt – von Mittwoch bis Sonntag an fünf Tagen in der Woche: Morgens bietet sie ab 9 beziehungsweise 9.30 Uhr Frühstück an, und von 14.30 bis 17.30 Uhr ist Kaffeezeit. Allerdings will sie die Corona-Auflagen beachten und nimmt nur Reservierungen an.

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