Sumpfbiber im Visier der Jägerschaft

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

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Heinz Schierenbeck, Ulf Panten und Harro Beckefeld (von links) zeigen ein ausgestopftes Tier.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Der Weyher Umweltbeauftragte Ulf Panten und die Vertreter der Jägerschaft, Heinz Schierenbeck und Harro Beckefeld, schlagen Alarm: Sie sehen den Hochwasserschutz in Gefahr: Sumpfbiber, deren Heimatland Südamerika ist, fühlen sich mittlerweile auch in Weyhe wohl und bauen sowohl in Sudweyher und Ahauser Deichabschnitten Kriechgänge.

Sie hinterlassen ihre Spuren auch in Bahn-Böschungen und können laut Beckefeld „schlimme Unfälle“ verursachen. So sei ein Trecker vom Mittelweserverband samt Mähwerk im Deich eingebrochen, weil Tiere unter der Oberfläche ganze Höhlen angelegt hätten. Das hätte auch ganz anders ausgehen können, sagt der Jäger. Er führt ein anderes Beispiel an, wonach ebenfalls bei einer Deichpflege ein Mensch ums Leben gekommen sein soll.

Die Sumpfbiber, auch Nutrias genannt, sind etwa so groß wie ausgewachsene, sehr stämmige Kater und buddeln sich Löcher wie Füchse oder Dachse. Die Nutrias haben sich von Deutschland aus in ganz Europa ausgebreitet, erklärt Ulf Panten. Sie wurden für die Pelztierzucht nach Deutschland gebracht und als laut Panten der Markt eingebrochen sei, wurden die Tiere freigelassen.

Diese Tierart habe es in dieser Region vor zehn Jahren nicht gegeben, sagt Heinz Schierenbeck. Der Weyher macht den Klimawandel dafür verantwortlich, weshalb „wir hier nicht mehr richtige Winter haben. Die Nutrias haben satt zu fressen und erfrieren nicht mehr“. 

Nutrias können sich gut verstecken

Ein weiteres Problem führt der Jäger an: Die Tiere bekommen zweimal im Jahr Nachwuchs, und wenn die Nutrias genug Nahrung bekommen, ziehen sie sich zurück. Deshalb habe lange die heimische Jägerschaft lange Zeit nicht mitbekommen, dass die Tiere die Wesergemeinde erobern. Als vor zwei Jahren im Winter doch einmal die Wasserflächen gefroren waren, seien die Vierbeiner plötzlich aus dem Schilf herausgekommen. 

„Sie waren in jenem Biotop, das die Ziegelei ausgebaggert hatte, vorher nicht sichtbar“, erinnert sich Beckefeld. Er habe daraufhin einen Stand gebaut und einige Tiere erlegt. „Bis zum Deich waren es etwa 25 Meter“, ergänzt er. Die Jägerschaft kennt weitere Biotope, in denen sich die Sumpfbiber richtig wohlfühlen. Es sind der Teich bei Aldi/Markus-Kaffee und der Kirchweyher See.

Die Anzahl der geschossenen Tiere im Kreis wächst, die Zahl gehe exponentiell nach oben: Waren es 2016 insgesamt 15 Tiere, so waren es ein Jahr später bereits 92. In diesem Jahr erlegten Jäger 238. Da sich die eingewanderten Tiere stark vermehren, hat das auch Auswirkungen auf heimische Arten und die Vegetation, sagt Ulf Panten. Nutria seien als reine Pflanzenfresser Nahrungskonkurrenten. Die Folge: Sie beeinträchtigen die Vegetation.

Um die Population der Sumpfbiber einzudämmen, setzt die Jägerschaft auf Fallen. „Die werden durch Unbekannte zerstört“, sagen Heinz Schierenbeck und Harro Beckefeld und bitten die Weyher um mehr Verständnis.

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