Heinz-Hermann Kuhlmann reagiert auf Corona-Entwicklungen und sagt Weyhnachtsmarkt ab

Nur eine Tanne bleibt übrig

Diskutieren den Plan vom Weihnachtsmarkt: Frank Seidel und Heinz-Hermann Kuhlmann.
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Diskutieren den Plan vom Weihnachtsmarkt: Frank Seidel und Heinz-Hermann Kuhlmann.

Weyhe – Er wollte ein ganz ausgefeiltes Konzept vortragen, das den Weyher Weyhnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen ermöglicht, doch wegen den aktuellen Infektions-Zahlen zieht Heinz-Hermann Kuhlmann vom Marktplatz-Verein die Notbremse: Er sagt den Weihnachtsmarkt auf dem Kirchweyher Marktplatz für dieses Jahr ab – und kämpft dabei mit seinen Emotionen. Eine große Weihnachtstanne auf dem Marktplatz, also im „Wohnzimmer der Gemeinde“, soll alles sein, was von den Plänen übrig bleibt. Für Bürgermeister Frank Seidel ist es „eine traurige Nachricht“. Der Weihnachtsmarkt auf dem Kirchweyher Marktplatz „hat sich etabliert“. Privat sei er in den vergangenen Jahren stets dort gewesen.

Der aktuelle Verlauf der Corona-Pandemie zwinge Kuhlmann, diese weitreichende und endgültige Entscheidung zu treffen. Sie sei aber sowohl mit den Schaustellern als auch mit der Gemeinde abgestimmt. Die Schausteller wollen – sofern es möglich ist – ersatzweise auf ihren Grundstücken eigene Angebote präsentieren.

Dem Aufwand und dem finanziellen Risiko stehen die vielen offenen Fragen gegenüber, begründet Kuhlmann die Absage. Allein die Ausführung des mit dem Gesundheitsamt und der Gemeinde ausgearbeiteten Sicherheitskonzepts koste mindestens rund 15 000 Euro, rechnet Kuhlmann vor. Es müsste der Marktplatz für den anvisierten Zeitraum vom 25. November bis 30. Dezember mit Bauzäunen versehen werden. Dazu kämen ein Toilettenwagen und ein professioneller Sicherheitsdienst, der am Einlass sicherstellt, dass sich nur eine begrenzte Menschenmenge auf dem Festgelände aufhält.

„Das finanzielle Risiko wäre auch gegeben, wenn man einen Euro Eintritt verlangt hätte“, so Kuhlmann. Es ist ja nicht gesagt, dass sich der Markt in Corona-Zeiten automatisch zu einem Publikums-Liebling entwickelt wie in den vergangenen Jahren, so Kuhlmann. Möglich sei auch, dass die Menschen Angst haben. Überhaupt stelle er fest, dass viele Menschen verunsichert seien.

Obwohl laut den Planungen alles getan werden würde, um ein Ansteckungsrisiko stark einzudämmen, sollte man die Angst der Menschen nicht unterschätzen, so Kuhlmann. Er dürfe den Verein finanziell nicht ins Minus schicken, sonst müsse er mit seinem privaten Vermögen haften.

„Ich mache den Behörden keinen Vorwurf“, sagt Kuhlmann, aber er könne nicht von Tag zu Tag planen. Wenn er den „Weyhnachtsmarkt“ aufbauen und das Konzept voll umsetzen würde, hätte er bis zum Ende der Dauerveranstaltung keine Gewissheit, dass nicht doch eine Verordnung einer offiziellen Stelle oder die der Landesregierung eine negative Auswirkung hat. Es wäre in diesem Fall noch schlimmer, wenn der Markt aufgebaut würde, Kosten tatsächlich anfallen und plötzlich den Gästen der Eintritt in das umzäunte Areal tageweise oder sogar dauerhaft bis zum Schluss verwehrt wird.

Heinz-Hermann Kuhlmann berichtet, dass auch bei den Schaustellern zahlreiche Tränen geflossen sind. Die Schausteller habe die Pandemie besonders getroffen, weil sie keine Einnahmen haben. Es gibt laut Kuhlmann Bereiche der Wirtschaft, die sehr gut laufen. Aber 80 Prozent der Wirtschaft funktionierten derzeit nicht mehr, schätzt Kuhlmann. „Es ist ein verlorenes Jahr“, sagt er. Der 71-Jährige sieht deshalb auch schwere Zeiten für das Sozialsystem.

Einen gastronomischen Anlaufpunkt auf dem Marktplatz gibt es aber doch: Die Rede ist vom Pfälzer Weintreff. Der hat laut Kuhlmann geöffnet – muss sich aber auch an die Hygienevorschriften halten.

Allerdings glaubt Heinz-Hermann Kuhlmann, dass es Menschen gibt, die sogar ohne „Weyhnachtsmarkt“ an der Tanne ihren Glühwein trinken wollen und die nötigen Dinge mitbringen. Solange die Abstandsregeln eingehalten würden und ein Treffen nicht aus dem Ruder laufe, könne niemand etwas dagegen haben, findet er.

Von Sigi Schritt

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