2100 barfuß unterwegs

Im Notfall schließt Sekundenkleber die Wunden

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Aldo Berti läuft barfuß mehrere Tausend Kilometer. Bei seiner Tour kommt er auch durch den Landkreis Diepholz. 

Weyhe/Syke/Harpstedt - Von Katharina Schmidt. Aldo Berti will in 85 Tagen rund 2100 Kilometer von der Ostsee bis zur Schweiz laufen – und das ganz ohne Schuhe. Das geografische Ziel seiner Pilgertour ist ein Kloster in der Gemeinde Einsiedeln. Aber der 53-Jährige aus Villingen am Schwarzwald will mehr, als nur dort ankommen. Er bricht am 28. Mai auf, um Land und Leute kennenzulernen, Spenden für wohltätige Projekte zu sammeln und einen neuen Weltrekord im Barfußlaufen aufzustellen. Sein Weg wird Berti unter anderem durch Weyhe, Barrien und Harpstedt führen.

Vor nicht allzu langer Zeit war ein solches Vorhaben für den Therapeuten und Coach noch unvorstellbar. Er wog 107 Kilo. Dann hat er angefangen zu trainieren, 20 Kilo abgenommen und ist im Jahr 2013 seinen ersten Marathon gelaufen – damals noch mit Schuhen. Aufs Barfußlaufen gebracht hat ihn ein Freund, der durch Deutschland gewandert ist. Berti hat ihn ein Stück begleitet. Schon nach ein bis zwei Kilometern bildeten sich Blasen an seinen Füßen. Trotzdem: „Das Barfußlaufen hat mich nicht mehr losgelassen“, erzählt er.

Seit vergangenem Jahr läuft Berti fast nur noch mit nackten Füßen. „Neulich war ich in der Oper in Venedig. Da habe ich auch Schuhe getragen“, erinnert er sich an eine Ausnahme. Auch bei Temperaturen von minus zehn bis 20 Grad kramt er seine Schuhe hervor. Eine Sicherheitsmaßnahme – immerhin hat er sich im Winter schon einmal Erfrierungen zweiten Grades zugezogen. Beinahe hätte er zwei Zehen verloren.

Schuhe zu tragen, ist mittlerweile eine Qual für ihn. Er bekomme regelrecht „Platzangst“, berichtet er.

Am 22. Juni von Bremen nach Weyhe

Wenn alles nach Plan läuft, geht der Schwarzwälder am Donnerstag, 22. Juni, von Bremen nach Weyhe. Von dort aus geht es am Folgetag über Barrien, Sörhausen, Fesenfeld und Dünsen nach Harpstedt. Die nächste Etappe führt nach Wildeshausen.

Die Region ist ihm nicht unbekannt. Er ist in Achim geboren, lebte dort bis 1976. Außerdem war sein Großvater jahrelang Küster in Lunsen-Thedinghausen. Bertis Tochter wohnt in Bremen.

Dass der Therapeut durch den Landkreis Diepholz läuft, ist aber nicht seiner Verwandtschaft geschuldet. Seine Strecke orientiert sich an den Jakobswegen in Deutschland. Auf diesen wollte er ursprünglich etwas weniger als 2100 Kilometer wandern – doch dann hat der Ire Eamon Keavene im vergangenen Jahr einen neuen Weltrekord im Barfußlaufen aufgestellt und die Latte somit höher gesetzt.

Damit Berti seinen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde bekommt, muss er Auflagen erfüllen. Er ist verpflichtet, seine Reise mit Fotos, Videos und Unterschriften zu belegen. „Zudem darf ich nichts mitnehmen, was in Verdacht kommt, dass ich die Füße damit tape.“ Das bedeutet: keine Pflaster. Und wenn er sich mal eine Schnittwunde zuzieht? „Sekundenkleber“, lautet Aldo Bertis Lösung. Damit könne er Wunden schließen. Wie schmerzhaft das ist, kann er nicht beurteilen – bisher hat er es nicht ausprobiert.

Neben dem Sekundenkleber nimmt der 53-Jährige sein Handy, Kleidung, Isomatte, Schlafsack und eine homöopathische Hausapotheke mit. 13 Kilo wird sein Rucksack wiegen, schätzt er. Der Abenteuerlustige blickt möglichen Strapazen gelassen entgegen. „Kälte, Feuchtigkeit – das ist nicht so schlimm“, meint er. Die größte Herausforderung sei heißer Asphalt.

Auch wenn es im Sommer hitzig unter den Füßen werden kann: Aldo Berti ist vom Barfußlaufen überzeugt. „Ich habe festgestellt, dass es erhebliche Vorteile hat“, erläutert er. „Die Fußmuskulatur fängt überhaupt erst an zu arbeiten.“ Moderne Schuhe seien oft gedämmt. Das sei zwar gemütlich – „aber die natürliche Bewegung bleibt auf der Strecke.“ Dabei baue sich der ganze Körper auf die Füße auf. Durch das Laufen ohne Schuhe habe er eine bessere Haltung eingenommen. „Man bekommt schöne Waden“, meint er außerdem. Auch seine Schuhgröße hat sich geändert. Früher trug er 46 – das wird ihm zufolge mittlerweile durch die breiter gewordene Muskulatur knapp.

„Die Erde ist voll von Negativ-Ionen“, nennt Berti einen weiteren Aspekt. Die brauche der Körper, um sogenannte freie Radikale zu fangen. „Wenn wir uns von der Erde abschotten, also mit Schuhen gehen, bekommen wir die Negativ-Ionen nicht in dem Maße, in dem wir sie bräuchten“, ist er überzeugt.

Spenden für Kinderhilfsprojekte

Aldo Berti sammelt auf seiner Tour Spenden für drei Kinderhilfsprojekte in Deutschland – die Friedrich-Ludwig-Schröder-Kinderstiftung, die Aktion „Drachenkinder von Radio 7 und seine Aldo-Berti-Sportförderung für mittellose Kinder und Jugendliche. Bei Erwerb einer ganzen Tagespatenschaft dürfen sich Spender für Tour-Tage Namen wünschen. Die Woche im Landkreis Diepholz ist bereits von einer Hamburgerin, die anonym bleiben möchte, gesponsert. Andere Tage sind noch frei. Seine Sponsoren bezeichnet Berti er als seine „Schutzpatronen“.

Er will Menschen mit seiner Aktion motivieren, etwas für sich zu tun. Dinge durchzuziehen, die sie vielleicht längst begraben hatten. Er selbst kann sich vorstellen, noch eine Weltumseglung zu machen. Außerdem peilt er an, barfuß einen Marathon zu laufen. Über seine anstehende zwölfwöchige Pilgertour möchte er ein Buch schreiben.

Wer Lust hat, kann Aldo Berti ein Stück bei seiner Charity-Pilgertour begleiten – aber am besten mit Schuhen, rät der Therapeut. Sonst gebe es Blasen.

www.barfussweltrekord.aldo-berti.de

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