Stiftung Bildung finanziert Patenschaftsprojekt

Normalität vermitteln und Parallelgesellschaft vermeiden

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Martina Hübner (links) und Liane Hedemann unternehmen Anstrengungen, damit junge Flüchtlinge Deutsch lernen, Fachwissen erwerben und die Normalität einer westlichen Gesellschaft kennenlernen. - Foto: Schritt

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Die KGS Kirchweyhe ist die einzige Schule in Niedersachsen, die seit 17 Jahren Sprachförderkurse anbietet, sagt die didaktische Leiterin Liane Hedemann.

Mehr als 500 Schüler durchliefen in dieser Zeit das Programm, ergänzt Martina Hübner, Leiterin des Hauptschulzweigs. Die Schule sei außerdem eine von insgesamt 100 in Deutschland, die seit Sommer 2016 am Patenschaftsprojekt der Stiftung Bildung teilnimmt. Hedemann und Hübner ziehen eine erste Bilanz.

Die Stiftung wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie hat laut Hedemann mit ihrem Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ zum Ziel, Gelegenheiten zu schaffen, damit Schüler mit und ohne Fluchterfahrungen miteinander Zeit verbringen. 

„Wir haben 36 Patenschaften in allen Jahrgängen, sowohl im gymnasialen als auch im Real- und Hauptschulzweig“, so Hedemann. Paten seien entweder einzelne Kinder oder ganze Klassen. „Die Stiftung gibt das Geld, damit die Klasse beispielsweise miteinander grillt oder Ausflüge unternimmt.“ Es geht laut Hübner auch darum, den Flüchtlingen zu helfen, sich in der Schule und in der Gesellschaft zurechtzufinden.

Flüchtlinge in den Alltag helfen

„Wir wollen Normalität vermitteln“, sagt Hübner. Doch welche ist das? Was ist erlaubt, welche Grenzen gibt es? Für die jungen Flüchtlinge, die in Kriegsgebieten aufgewachsen sind, sei es wirklich nicht leicht, Antworten darauf zu finden. „Die Kinder sind entwurzelt“, sagt Hübner. 

Die KGS Kirchweyhe.

„Wir möchten ihnen im Rahmen der Schule neben Mathe, Deutsch und Englisch zusammen mit den deutschen Kümmerern etwas vom Leben zeigen.“ Die Jungen aus Syrien wüssten am Anfang beispielsweise nicht, dass es selbstverständlich ist, dass sich Mädchen mit ihren Freundinnen zum Spielen verabreden.

Mit den Anstrengungen will die Schule den Kulturschock abfedern, um, wie es Liane Hedemann formuliert, „Parallelgesellschaften zu vermeiden.“ Flirten ist bei den Großen – Hübner meint damit die 15- und 16-jährigen Syrer – „ein Riesenthema“. Deshalb sei es gut, dass männliche Paten ihren Mitschülern Tipps geben, aber auch eindringlich vor beleidigenden oder verletzenden Anzüglichkeiten warnen.

Für eine Pädagogin sei es manchmal schwierig, den richtigen Ton zu finden. Helfen soll der offenen Ganztagsschule nach den Osterferien ein Deutsch-Dozent von der Volkshochschule. „Der Student spricht arabisch und kann den Jugendlichen mit Fluchterfahrung als Vorbild dienen.“

Schüler ohne Fluchterfahrung profitieren

Von dem Projekt der Stiftung profitieren insbesondere auch die Schüler ohne Fluchterfahrung. Hübner gibt ein Beispiel. So gehört ein auswärtiges Bewerbungscoaching zum Schulprogramm, ein Ausflug aber nicht. 

„Als ich mit der Klasse H8 in der Jugendherberge in Stade für ein Coaching war, hat die Stiftung uns einen Ausflug nach Hamburg ins Miniaturwunderland bezahlt. Diesen Extra-Trip hätte sich die Klasse, zu der auch Flüchtlinge gehören, sonst nicht leisten können.“ Dies schaffte eine weitere Gelegenheit, dass Schüler Zeit finden, miteinander zu reden.

Die Pädagogen haben festgestellt, dass die jungen Syrer sehr wissbegierig sind und stellen ihnen ein gutes Zeugnis aus. Obwohl die Vorbildung in einigen Fällen sogar völlig gering sei, schafften sie es, Deutsch zu lernen und Fachwissen anzueignen, sodass sie die Abschlüsse der Sekundarstufe I mühelos meistern. „Sie saugen Bildung wissbegierig ein “, so Hedemann.

Die KGS Kirchweyhe ist nur eine von insgesamt sieben Schulen in Niedersachsen, die an dem Patenprogramm teilnehmen. Die Stiftung hofft, auch zu anderen Schulen im Land Kontakte zu knüpfen, sagt Daniela von Treuenfels vom Vorstand der Stiftung.

www.stiftungbildung.com

https://einstuerzendeschulbauten.stiftungbildung.com/

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