Umsonstladen bleibt weiterhin dicht / Team ärgert sich über nicht abgemachte Spenden

Noch keine „Goldgräberstimmung“

Vor dem Umsonstladen werden Spenden einfach so abgestellt.
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Vor dem Umsonstladen werden Spenden einfach so abgestellt.

Weyhe – Haushaltsgeräte, Kleidung oder Dekoration – all das können Aufräumwütige oder Menschen, die gerade einen Hausstand auflösen, dem Weyher Umsonstladen spenden. Eigentlich. Doch tatsächlich ist es so, dass der Laden coronabedingt noch geschlossen hat und weder Spenden annehmen noch weitergeben kann.

Christina Scheele, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Weyhe, erklärt: „Das Gebäude ist ein Einfamilienhaus und basiert nicht auf einem Ladenkonzept.“ Wegen dieser Bauweise könne der Abstand von anderthalb Metern unter den Kunden nicht gewährleistet werden. Dazu käme, dass sich seit den 15 Jahren, in denen der Betrieb läuft, eine bestimmte Zielgruppe herauskristallisiert hätte. Das seien Menschen, die im Rahmen der Corona-Krise als Risikogruppe bezeichnet würden.

Auch wenn das Team des Umsonstladens sich unter normalen Umständen über Spenden jeglicher Art freuen würde, so sei es im Moment leider nicht so. Die Lagerkapazitäten seien extrem begrenzt und davon abhängig, dass die Ware wöchentlich weitergegeben werden könne. Scheele: „Viele rufen an und fragen nach, ob sie wieder Spenden vorbeibringen können.“ Doch viele eben auch nicht. Diejenigen würden ihre ausgemisteten Sachen ohne Absprache einfach vor die Tür stellen – und das trotz Absperrungen und Schildern, die darauf hinweisen, dass derzeit nichts angenommen werden kann.

Scheele zeigt sich verärgert darüber: „Letzte Woche hat jemand einfach seinen ganzen Hausstand vor der Tür abgestellt.“ Eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen hätte das nur durch Zufall gesehen, weil sie dort nach der Post schauen wollte. Die Dame hätte die Sachen hineingetragen. Regen und Wind ausgesetzt würden die Dinge womöglich kaputtgehen. „Dann bekommen wir ein Entsorgungsproblem“, führt Scheele weiter aus.

Dem Vorschlag aus den sozialen Medien, einen zweiten wöchentlichen Öffnungstag hinzuzunehmen, um die sonst übliche „Goldgräberstimmung“ im Umsonstladen zu entzerren, könne das Team nicht entsprechen. Die Mitarbeiter seien dort alle ehrenamtlich und das Annehmen und Sortieren der Spenden würde ebenfalls einiges an Zeit in Anspruch nehmen.

„Schweren Herzens“ muss die Arbeit im Umsonstladen also noch ruhen. Sofern es Lockerungen in Bezug auf den Mindestabstand geben sollte, kann das Team selbst entscheiden, ob es sich wohl fühlt und die Arbeit wieder aufnehmen könne. Scheele erzählt: „90 Prozent der Anrufer sind verständnisvoll.“ Doch es gebe auch Menschen, die seien verärgert über den anhaltenden Lockdown. Manche wüssten nicht wohin mit ihren aussortierten Dingen. Scheele regt an, sich bei alternativen Verkaufsplattormen zu erkundigen, oder – wie sie es selbst aus Bremen kenne – seine Sachen in Kartons vor die eigene Haustür stellen und auf Spendenannehmer hoffen.

Der Umsonstladen würde „einen sehr großen Rückhalt“ in der Gemeinde und darüber hinaus genießen. Zum Teil kämen Anfragen aus Cuxhaven und NRW. Besonders jetzt falle die Notwendigkeit des Ladens auf: „Die Leute nutzen die Corona-Zeit und misten Zuhause aus.“ Doch sie bittet erneut eindringlich, die Spenden nicht ohne Rücksprache vor dem Umsonstladen einfach so abzustellen.

Von Lisa-marie Rumann

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